Für gemeinsames Werk

Küsnacht, Zollikon und Erlenbach wollen ihre Werke zusammenlegen. In Küsnacht kommt kurz vor der Abstimmung Widerstand auf.

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Die Strom-, Gas-, Wasser- und Datenversorgung von Küsnacht und Zollikon soll konkurrenzfähig bleiben. Weil der Strommarkt schrittweise geöffnet wird und die Kunden ihren Lieferanten bald frei wählen können, wollen die Gemeindebehörden ihren Werken neue Strukturen verpassen. «Wir müssen grösser werden», sagte die Küsnachter Werkvorsteherin Lucia Hegglin Süss (Bürgerforum) am Montag an einer Informationsveranstaltung im reformierten Kirchgemeindehaus Küsnacht. Nur wenn die Werke eine Mindestgrösse hätten, könnten sie im freien Markt bestehen, glaubt sie.

Konkret bedeutet das: Küsnacht, Zollikon und Erlenbach wollen ihre Werke zusammenlegen. Damit die Zolliker und Küsnachter mit den Erlenbachern, die ihre Energie- und Wasserversorgung bereits auf eine Aktiengesellschaft übertragen haben, eine gemeinsame Betriebsgesellschaft gründen können, müssen sie aber zuerst ihre Werke in öffentlich-rechtliche Anstalten umwandeln. Darüber stimmen die beiden Gemeinden am 28. September ab. Das Thema scheint allerdings nur wenige Bürger zu interessieren – die Infoveranstaltung in Küsnacht besuchten nur 30 Personen. Dabei war kurz zuvor Widerstand gegen die Vorlage aufgekommen: Am Freitag hatte das Überparteiliche Komitee besorgter Küsnachter Flugblätter an die Haushalte verteilt.

Risiko bleibt sich gleich

Als treibende Kraft hinter der sechsköpfigen Gruppierung entpuppte sich der Küsnachter Hanspeter Amrein (SVP), der sich an der Informationsveranstaltung angriffslustig zeigte und das Projekt als Mogelpackung bezeichnete: «Das ist eine Vorlage für Berater und Verwaltungsräte, aber nicht für die Bürger.» Der Staat habe in der Privatwirtschaft nichts zu suchen. Amrein befürchtet, man gehe mit der neuen Betriebsgesellschaft zu hohe Risiken ein. Der Gemeinderat mache in der Weisung zur Abstimmung selbst darauf aufmerksam. «Warum soll der Staat solche Risiken tragen?», wollte er wissen.

Risiken, entgegnete der Küsnachter Werkleiter Rolf De Pietro, entstünden nicht wegen des Teilzusammenschlusses der Werke. «Risiken haben wir nicht erst morgen, sondern schon heute.» Ein grösseres Werk könne damit besser umgehen. Für die Kunden ändere sich nichts. Ausserdem hätten die Bürger weiterhin Einfluss auf die Werke, sagte Allen Fuchs, Berater der Gemeinde. Das Nein-Komitee hatte diesbezüglich Bedenken geäussert. Die Netze würden im Besitz der Gemeinden bleiben, sagte Fuchs. Die Gemeindeversammlung übe weiterhin die demokratische Kontrolle aus. So entscheide sie unter anderem über die Jahresrechnung oder Investitionen über 5 Millionen Franken.

Bis jetzt keine Kritik in Zollikon

«Natürlich werden wir als Küsnachter ein Stück Autonomie verlieren», räumte Lucia Hegglin Süss ein. «Aber immerhin arbeiten wir mit den Erlenbachern und den Zollikern zusammen – so verschieden sind wir ja auch nicht.» Ausser Frage habe hingegen gestanden, die Strom-, Gas-, Wasser- und Datenversorgung ganz aus den Händen zu geben. «Wir wollen alle vier Sparten unter einem Dach vereinen und Einflussmöglichkeiten wahren», beantwortete die Gemeinderätin eine Frage aus dem Publikum, ob ein Zusammengehen mit den Werken des Kantons Zürich keine Option sei.

Rückendeckung erhielt der Gemeinderat von Vertretern anderer Parteien und Gruppierungen – etwa von der FDP und dem Bürgerforum. Das Nein-Komitee dagegen zeigte sich von den Argumenten für die Vorlage nicht überzeugt. Der Widerstand begrenzt sich aber offensichtlich auf Küsnacht und scheint Zollikon, wo gestern Dienstag ebenfalls eine Informationsveranstaltung stattfand, nicht erfasst zu haben. Laut Werkvorsteherin Dominique Bühler (Forum 5W) sind in Zollikon bisher keine kritischen Stimmen laut geworden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.09.2008, 21:06 Uhr

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