Gewalt in den Nachtzügen

Rauchend, betrunken und rücksichtslos: Am Freitagabend randalierten zahlreiche Jugendliche in der S-Bahn.

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Freitagabend um 22 Uhr, in der S 16 von Küsnacht nach Zürich: Am Anfang scheint alles normal zu sein. Eine Gruppe von acht Jugendlichen sitzt im Zug und feiert. Sie kommen vom Eishockey-Cup auf der Küsnachter KEK, es sind Fans der Kloten Flyers. Ihr Team hat soeben Rapperswil-Jona besiegt. Die Jugendlichen sind angetrunken, werden immer lauter und stecken sich nun Zigaretten an. Einer von ihnen brüllt ununterbrochen in sein Handy.

«Vorsicht, wir rauchen!», rufen sie jedem zu, der das Abteil betritt, lachen laut und stossen an. Der lautstarke 20-Jährige, der soeben noch telefonierte, erblickt ein Mädchen, das ihm schräg gegenübersitzt, und lädt sie ein, mit ihnen an den See zu kommen. Sie sagt zu.

Am Bahnhof Tiefenbrunnen steigen die Jugendlichen aus, und plötzlich nimmt das Unheil seinen Lauf: Der Lautstarke entdeckt auf dem Perron ZSC-Fans, die gerade den Zug besteigen. Brüllend rennt er auf sie zu, reisst das Fenster des Abteils, in dem diese Platz genommen haben, herunter und schlägt wild hinein. Die ZSC-Fans weichen aus, und der Lautstärke lässt ab.

Sekunden später startet der Zug. Einer der ZSC-Fans geht ans Fenster und ruft dem Lautstarken nach, was für ein Idiot er sei. Dieser rennt, wie von der Tarantel gestochen, auf den losfahrenden Zug los, hängt sich ins offene Fenster und prügelt um sich. Erst als der Zug schon zwischen 20 und 30 Stundenkilometer schnell fährt, springt er wieder ab.

Raucher brach Passagier die Nase

Noch deftiger benahmen sich Jugendliche im Nachtzug SN 7, der in der Nacht auf Samstag Partygänger an die Goldküste zurückbrachte. Ein 25-jähriger Mann, der in Feldmeilen wohnt, bemerkte im Abteil nebenan einige Jugendliche, die trotz des Rauchverbots in der S-Bahn unverhohlen pafften. Er sagte, sie sollten ihre Zigaretten ausdrücken, Rauchen sei nicht erlaubt – worauf einer der Jugendlichen demonstrativ noch eine zweite Zigarette anzündete. Der junge Mann, gross gewachsen und alles andere als ein Schwächling, stand auf, ging zu ihm hinüber und nahm ihm die Zigarette aus dem Mund – und schon hatte er dessen Faust mitten im Gesicht. Das Resultat: eine kompliziert gebrochene Nase.

Wie die Kantonspolizei bestätigt, reichte das Opfer Strafanzeige wegen Körperverletzung ein. Der Notruf erreichte die Polizei um 2.30 Uhr vom Bahnhof Winkel aus. Der Mann musste mit der Sanität ins Spital gebracht werden und wird sich wegen des zertrümmerten Nasenbeins einer korrigierenden Operation unterziehen müssen, wie sein Vater berichtet.

Der Schläger sei aber voraussichtlich identifizierbar. Die Polizei stellt zudem die Aufnahmen der Überwachungskameras sicher, die in den neuen S-Bahnen überall installiert sind. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.09.2008, 07:00 Uhr

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