Grosses Theater für einen Kinderarzt aus Adliswil

Bereits zum 20. Mal ist Sepp Holtz am Zürcher Theater-Spektakel als Arzt im Einsatz. Für den Adliswiler Familienvater ist der ehrenamtliche Job ein Glückstreffer.

Sepp Holtz in der Umgebung, in der er sich besonders wohlfühlt: Am Zürcher Theater-Spektakel.

Sepp Holtz in der Umgebung, in der er sich besonders wohlfühlt: Am Zürcher Theater-Spektakel. Bild: Flurin Bertschinger

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Keine Frage: In dieser Umgebung fühlt sich Sepp Holtz besonders wohl. Wer sein Medizinstudium unterbricht, um Theater und Pantomime zu spielen, ein Jahr eine Schauspielschule besucht und während eines Jahres bei einem Aids-Präventionsstück mitspielt, der ist beim alljährlichen Zürcher Theater-Spektakel am richtigen Ort. Als interessierter und fachkundiger Besucher einiger Vorführungen einerseits. Anderseits vor allem aber als Theater-Spektakel-Arzt und als Einsatzleiter des Ärzteteams.

Holtz kann es selbst kaum glauben, aber er steht dieses Jahr bereits zum 20. Mal auf der Zürcher Landiwiese im Einsatz. «Und die Motivation und Freude an dieser speziellen Aufgabe ist immer noch gleich hoch, wie am ersten Tag», stellt der Kinderarzt fest. Seit fünfeinhalb Jahren lebt er mit seiner Familie in Adliswil.

Alle wollen dabei sein

Es hat eine spezielle Bewandtnis, dass ein Kinderarzt zu dieser ehrenamtlichen Aufgabe kommt. Ein damaliger Professor des Kinderspitals Zürich war seit über 30 Jahren für die ärztliche Betreuung am Schauspielhauses am Pfauen in Zürich zuständig. Nachdem Sepp Holtz vor 20 Jahren in die Dienste des Kinderspitals getreten war, bemühte er sich sofort intensiv um die Übernahme des ärztlichen Theaterdienstes am Schauspielhaus und am Theater-Spektakel. Er wurde gewählt und durfte diese Funktion dann auch übernehmen.

So kommt es, dass die meisten der am Theater-Spektakel im Einsatz stehenden Mediziner eben Kinderärzte sind. Diese Kollegen zu finden, sei übrigens ein Einfaches, sagt Holtz: «Jedes Jahr warten alle schon auf die Liste, um sich darin einzutragen», weiss der Adliswiler.

Reich wird dabei keiner, erfolgen die Einsätze doch unentgeltlich. Ein «Goodie» lockt aber trotzdem: Für jeden im Einsatz stehenden Arzt sind in sämtlichen Vorstellungen zwei Plätze reserviert. Und auf die Konsumation in den Gastro-Zelten erhalten die «guten Geister» eine Vergünstigung.

Tolle Begegnungen

Holtz wird als Theaterarzt pro Woche etwa zwei- bis dreimal zu einem Einsatz gerufen. Dass es nicht mehr Notrufe sind, sei vor allem auf die vor Ort anwesende Sanität zurückzuführen, die einen hervorragenden Job mache. Als «Zielgruppen» seiner Einsätze bezeichnet der Arzt sowohl das Publikum als auch die Mitarbeiter und die Schauspieler.

Dass er auch für die Gesundheit der Schauspieler während ihres Aufenthalts in Zürich verantwortlich ist, ist für den vierfachen Familienvater eine besondere Motivation: «Das führt immer wieder zu tollen Begegnungen. Denn ich erlebe dieselben Menschen ja auch noch auf der Bühne. Das ist etwas Einmaliges.»

Holtz hat am Kinderspital Zürich ein 30-Prozent-Pensum als Lehroberarzt inne. Zudem leitet er in Zürich-Wollishofen eine Gruppenpraxis. Hier kommt es hin und wieder zu witzigen Situationen. Nämlich dann, wenn eine Schauspielerin oder ein Schauspieler bei einer Krankheit oder zur Nachbetreuung einer Verletzung zu ihm in die Sprechstunde komme und erstaunt feststelle, dass sie oder er schliesslich bei einem Kinderarzt gelandet sei. Probleme seien deshalb aber nie entstanden. Und auch an ernsthafte Schwierigkeiten auf dem Gelände des Theater-Spektakels kann sich Holtz kaum erinnern.

Meistens liegen die Gründe für einen medizinischen Einsatz bei Schnittverletzungen, Insektenstichen oder Allergien. Übermässiger Alkoholkonsum komme dann und wann, aber eher selten vor. Und in seiner gesamten Amtszeit als Theaterarzt ist Holtz nie mit einem Fall von harten Drogen konfrontiert worden.

Im Auswahlkomitee

Übrigens: Aufgrund seines langjährigen Einsatzes ist Sepp Holtz als Einziger aus der Nicht-Theater-Welt in das fünfköpfige Auswahlkomitee für die Suche des neuen Leiters des Theater-Spektakels gewählt worden. «Ich fühle mich nun ein wenig mitverantwortlich, dass Sandro Lunin das diesjährige Theater-Spektakel zum ersten Mal leitet», sagt Holtz. Gleichzeitig Motivation und Verpflichtung, dem erfolgreichen Anlass auch in den kommenden Jahren die Treue als Platzarzt und medizinischer Einsatzleiter zu halten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.08.2008, 08:59 Uhr

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