Gründungsfest für eine Sektion der Tibeter

Der Verein «Tibeter Jugend Europa» ist um eine Sektion reicher. In der Region Rüti-Jona-Rapperswil haben Tenzin Küsang Nelung und Tenzin Gope die Sektion Semshuk gegründet.

Tenzin Gope (l.) und Tenzin Küsang Nelung leiten die neue Sektion.

Tenzin Gope (l.) und Tenzin Küsang Nelung leiten die neue Sektion. Bild: URSINA MAURER

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Tibetische Gesänge und ein leichter Duft nach Gebäck ziehen durch den Raum. Ein Bild des Dalai Lama, umgeben von Kerzen, hängt im Vordergrund. Tibeter Familien, Freunde und Bekannte feiern in Jona gemeinsam die Neugründung der Sektion Semshuk der Region Rüti-Jona-Rapperswil. Bei Butterreis, Gebeten für den Dalai Lama und einer Gesangsperformance feiern sie das Gründungsfest der wieder auferstandenen Sektion.

«Wir sind ungefähr 4000 Tibeter in der Schweiz und könnten mehr Sektionen gut brauchen,» freut sich Jamyang Bhakyi, Vorstandsmitglied des Muttervereins «Tibeter Jugend Europa», über die Neugründung. In der neuen Sektion sollen Freundschaften geschlossen werden können, die eigene Kultur gepflegt werden, und vor allem «reduziert die Mitgliedschaft das vielfach erlebte Gefühl der Hilflosigkeit, indem jeder in der Sektion aktiv mitwirken kann», betont Nelung. Sie ist zusammen mit Tenzin Gope Leiterin der neu entstandenen Sektion Semshuk.

Die Geschehnisse in Tibet dieses Frühjahr hätten grosse Betroffenheit bei jugendlichen Tibetern ausgelöst, so Tenzin Küsang Nelung. «Protestaktionen, Unruhen im Land schon seit März und verschiedene Aktionen haben die Aufmerksamkeit der Weltbevölkerung auf das Land und vor allem auf die Missstände gezogen», sagt sie. Sie vermutet, das dies dazu führt, dass sich mehr jugendliche Tibeter für ihr Heimatland und vielleicht auch für ihre neu gegründete Sektion interessieren würden. Die Unruhen haben in Nelungs Augen die Tibeter-Gemeinschaft zusammengeschweisst, ihren Zusammenhalt gestärkt und den Jugendlichen einen starken Grund gegeben, sich zu engagieren. Die friedlichen Aktionen und Demos gegen die aktuellen Geschehnisse seien eine Möglichkeit für die Jugendlichen, mit der sie sich identifizieren können. «Man steht zusammen für etwas ein», führt Nelung aus. Die Unruhen im Frühling hätten für sie definierbarer gemacht, für was genau sie sich einsetzen wolle.

Gemeinsam für etwas einstehen

«Etwas für Tibet machen zu wollen, klingt zwar banal, ist jedoch der häufigste Grund, warum viele Jugendliche der Sektion beitreten wollen», sagt Tenzin Nelung. Das sei auch bei ihr so gewesen. Nelung war aus diesem Grund mit zehn weiteren Personen in Athen, um beim Entzünden der olympischen Fackel dagegen zu protestieren. «Das war ein Erlebnis, das ich nie mehr vergessen werde», erzählt sie. Am Anfang, als sie in Athen ankamen, hätten sie noch darüber gewitzelt, dass sie verfolgt würden. Denn einige Personen mit schwarzen Sonnenbrillen seien ihnen während und nach der Protestaktion im antiken Dorf Olympia fast ununterbrochen auf den Fersen gewesen. «Schlussendlich mussten wir feststellen, dass die uns tatsächlich beschatteten», führt Tenzin aus.

Das sei für sie unglaublich gewesen, dass die Chinesen sie so genau beobachteten. «Vorher hatte ich nie Angst, aber dieses Erlebnis hat mir gezeigt, dass China vor nichts zurückschreckt», erzählt sie aufgewühlt. Nach einer kurzen Pause fährt sie fort: «Ich musste daran denken, dass meine Landsleute in Tibet täglich mit diesem Katz-und-Maus-Spiel leben müssen, das ist wirklich sehr schlimm», Die Reise nach Athen sei doch nur eine harmlose Protestaktion von zehn Personen gewesen, organisiert von «Students for Tibet» und dem «Verein Tibeter Jugend Europa». Auch für Sektionsleiterin Tenzin Gope war ein persönliches Erlebnis einschneidend für ihren Wunsch, sich für Tibet einzusetzen. Bei ihrem Praktikum in Indien habe sie einen tibetischen Flüchtling getroffen, der ihr über seine Erlebnisse auf der Flucht berichtet hat. «Das hat mich sehr geschmerzt», erzählt sie.

Solche Geschehnisse seien jedoch kein Grund, sich entmutigen zu lassen, weiss Janyang Bhakyi, Vorstandsmitglied des Vereins Tibeter Jugend Europas. «Denn man engagiert sich, setzt sich ein, und schlussendlich ist man stolz darauf, dass man etwas getan hat», erklärt sie die unermüdliche Motivation der Vereinsmitglieder. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.09.2008, 22:23 Uhr

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