Grüne und SP lancieren Bocken-Diskussion

Golfplatz, Managementschule oder Vorzeige-Hof? In Horgen fürchtet man, dass der Bauernhof auf Bocken verschwindet. Die Linke fordert vom Gemeinderat ein klares Zeichen dagegen.

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Die Credit Suisse (CS) betreibt auf Bocken ein idyllisch gelegenes Seminarzentrum mit Hotel und Bankettsaal. Südöstlich des Zentrums befindet sich der Landwirtschaftsbetrieb Bockengut. Ende März 2010 läuft der Pachtvertrag zwischen der Credit Suisse und Bauer Willi Vögeli aus. Vögelis bewirtschaften dort 18 Hektaren, die der CS gehören. Der Landwirt hat weitere 20 Hektaren anderer Besitzern gepachtet. Sein Hof auf Bocken ist bei den Horgnern sehr beliebt. Und das nicht erst, seit sie dort ihre Einkäufe bargeldlos mit dem Handy bezahlen können.

2000 meldete die CS an, sie werde den Pachtvertrag mit Vögeli nicht verlängern. 2003 kündigte sie diesen. Eine Fristerstreckung hat die Kündigung sieben Jahre hinausgeschoben. «Das Pachtverhältnis wurde im gegenseitigen Einvernehmen bis Ende März 2010 verlängert», sagt Matthias Friedli, Pressesprecher der Credit Suisse. Als Grund für die Kündigung gibt Friedli an, die Gebäude im Umfeld des Bauernhofs, vor allem Stall und Wohnhaus, seien baufällig und bedürften in den nächsten Jahren dringend einer Renovation. Mit einer Machbarkeitsstudie untersuche die CS die Möglichkeiten, wie das Grundstück künftig genutzt werden könne. In Horgen wartet man seit mehreren Jahren ungeduldig auf die Ergebnisse. Friedli sagt: «Entscheide sind noch keine gefallen.»

Gerüchte brodeln

Mit dem Schweigen schürt die CS Gerüchte um die künftige Nutzung: Von einem Golfplatz ist die Rede, von einer Managementschule, einem Hotel, aber auch von einem Vorzeige-Bauernhof oder der Weiterführung des Betriebs. Die CS kommentiere die Spekulationen nicht, sagt Friedli.

Nun hat sich die Horgner Linke in die Diskussion eingeschaltet. Grüne und SP fordern in einer Nachfrage den Gemeinderat dazu auf, seine Haltung in dieser Frage klarzumachen. Er soll der CS gegebenenfalls eine Offerte zum Kauf des Hofs unterbreiten. Als Besitzerin könnte die Gemeinde den Hof verpachten und so dessen landwirtschaftliche Nutzung sichern. Die beiden Parteien setzen sich für die Rettung des beliebten Hofs ein, damit sich die Horgner auch künftig mit lokalen Produkten eindecken und das Bocken als Naherholungsgebiet nutzen könnten.

Eine Umnutzung bedürfte einer Revision der Bau- und Zonenordnung und käme vor die Gemeindeversammlung (GV). Sie wollten nicht bis zur nächsten GV im Dezember warten, sagt Matthias Herfeldt, Präsident der Grünen. «Dann ist der Mist vielleicht schon geführt.» Die Gemeinde müsse mit der CS das Gespräch aufnehmen, bevor diese einen Entscheid gefällt habe.

Die beiden Linksparteien spinnen den Faden noch weiter: Als Besitzerin des Landes könnte die Gemeinde Horgen darauf hinwirken, dass der Betrieb auf Bioproduktion umgestellt wird. Dies wäre ganz im Sinne des gemeinderätlichen Legislaturziels einer fortschrittlichen Umweltpolitik, meint SP-Präsident Hans Walder.

Bei der Gemeinde wird der Eingang der Anfrage bestätigt. Gemeindepräsident Walter Bosshard (FDP) war gestern jedoch für eine Stellungnahme krankheitshalber nicht erreichbar.

Ungewissheit nagt

Bauer Willi Vögeli gibt sich gelassen: Die Kündigung des Pachtvertrags bedeute für ihn «keinen Weltuntergang». «Ich würde aber gern auf Bocken bleiben.» Was ihm zu schaffen mache, sei die Ungewissheit, wie es mit seinem Betrieb weitergehe. Die CS habe gewusst, was sie kaufe, und sie habe bisher Tausende von Franken in kleinere Revisionsarbeiten gesteckt. Zur Idee von SP und Grünen, die Gemeinde solle den Hof kaufen, sagt er: Es mache für ihn keinen Unterschied, ob ihm die CS oder die Gemeinde Land verpachte. Vögeli gibt zu bedenken, dass nach dem Kauf auch der Unterhalt wichtig sei – und koste. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.08.2008, 23:56 Uhr

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