Gummisohlen für den Tanz auf dem Asphalt

Am Trachtentag trägt Rolf Blapp ein blaues Chutteli mit Nielenstickereien statt seiner Gärtnerkluft.

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Der 48-jährige Wädenswiler Rolf Blapp ist einer von rund 1000 Personen, die den Gottesdienst in der reformierten Kirche Wädenswil besuchten. Und einer der Tänzer, die zu den Klängen einer Volksmusikgruppe hüpfend über den Sandsteinboden der Kirche tanzen. Statt einer Krawatte trägt er den schwarzen Trachtenbändel zum weissen Hemd. Alle Trachtenmänner im ganzen Kanton trügen die gleichen, erklärt Blapp. Hingegen ist sein blaues Chutteli mit Nielen bestickt. «Das ist typisch für die hiesige Gegend.» Seine schwarze Hose fällt über schwarze Trachtenschuhe: «Sie haben Gummisohlen, weil wir oft auf Asphaltplätzen tanzen.»

Ab drei Uhr nachmittags ist Rolf Blapp als Helfer im Zelt drei bei der Glärnisch-Sporthalle eingeteilt. Bis dahin schlendert er den zahlreichen Ständen entlang. Ihn interessiert das Handwerk. Er schaut dem Mann zu, der aus Goldfäden fein verzierte Hauben herstellt. Und er betrachtet die alte Einrichtung aus Holz und Metall, mit der Hanffasern zu dünnen Seilen gedreht werden. Eben löst der Seiler ein fertiges Seil von den Haken und überreicht es dem Knaben, der beim Drehen geholfen hat. Blapp gefällt die Fingerfertigkeit, mit der die Leute an der Arbeit sind. «Auch ich arbeite als Gärtner mit den Händen.»

Das Betrachten der Klöpplerin erinnert ihn an den Klöppeltanz: «Bei diesem tanzen wir ein Klöppelmuster.» Rolf Blapp kennt sich aus beim Tanzen. Welsche Tänze erkennt er daran, dass sie schneller sind als deutschschweizerische. In den Bewegungen der Kreistänze erkennt er die einzelnen Figuren und kann sie benennen: zum Beispiel den Oberländer Schwingschritt oder den Dreitritt. Dem Abschlusstanz kann er als Helfer wenigstens zusehen: Die Stelldance-Gruppe spielt «De Seppl», der Chor singt, und viele Gruppen tanzen dazu.

Rolf Ringger, der Präsident der Zürcher Trachtenvereinigung, zieht trotz der morgendlichen Regengüsse eine positive Bilanz: «Die Gäste sind zufrieden, das ist die Hauptsache.» Er schätzt, dass 1500 Trachtenleute und etwa 2000 Besucherinnen und Besucher nach Wädenswil gekommen sind. Er ist zufrieden mit der neuen Kombination von Singen und Tanzen, von Handwerkskultur und Kulinarik: «Wir haben in der Trachtenszene einen neuen Akzent gesetzt.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.09.2008, 20:45 Uhr

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