Heim Im Grund: Nach Protest jetzt Gespräche

Der schwarze Montag von Mitte August im Ustermer Krankenheim Im Grund hat Folgen: Die Beteiligten setzen sich mit der Situation auseinander und suchen nach Verbesserungen.

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Am 11. August erschienen mehr als ein Dutzend Pflegefachfrauen im Ustermer Krankenheim Im Grund in schwarzen T-Shirts zur Arbeit. Die Frauen wollten damit ihre Trauer über die Arbeitsbedingungen ausdrücken, welche ihnen eine gute Pflege verunmöglichten. Viele Abgänge, zu knappe Stellenpläne, mangelnde Wertschätzung für ihre Arbeit und viele Absenzen wegen Krankheit machten ihnen zu schaffen. Die lokalen Zeitungen berichteten über den Aktionstag.

Jetzt wöchentliche Sprechstunden

Die politische Verantwortliche, SP-Stadträtin Esther Rickenbacher, sowie die Leiterin der städtischen Heime, Marianne Dobler, zeigten sich von der Aktion «völlig überrascht». In der Zwischenzeit haben sie reagiert. Am 18. und am 21. August fanden Gespräche mit den Angestellten statt. Beim ersten hörten sich die beiden Chefinnen an, wo die Leute der Schuh drückt. Beim zweiten ging es darum, das Vorgebrachte zu verifizieren. Auf den 17. September ist ein drittes Gespräch angesetzt. Dannzumal wollen die Vorgesetzten Massnahmen präsentieren, wie man die Situation der Pflegenden im Krankenheim Im Grund verbessern kann.

Denn dass nicht alles zum besten bestellt ist, ist auch Esther Rickenbacher klar geworden: «Wenn Pflegende schwarz gekleidet zur Arbeit kommen, dann geht es ihnen nicht gut», sagt sie. Seit dem Vorfall steht sie den Angestellten wöchentlich einmal für Einzelgespräche zur Verfügung. «Die Sprechstunde ist sehr ergiebig», sagt Rickenbacher. Es komme dabei übrigens nicht nur Negatives zur Sprache, betont Rickenbacher. Auch Heimleiterin Marianne Dobler hat eine fixe wöchentliche Sprechstunde eingeführt.

Aus den bisherigen Gesprächen hat Stadträtin Rickenbacher ein paar Hauptanliegen herausgehört: Die Umbauarbeiten im Heim und in dessen Umgebung mit Lärm und Staub stören Arbeit und Leben stark, auch wenn die Baufachleute sich Mühe gäben, auf den Betrieb Rücksicht zu nehmen. Die vielen organisatorischen Veränderungen der letzten Zeit machen den Pflegenden zu schaffen. Weiter spüren sie zu wenig Wertschätzung für ihre Arbeit. Ihr Vertrauen in die Heimleitung sei begrenzt. Und dann belastet der ständige Zeitdruck bei der Arbeit viele Pflegende. Einiges vom Vorgebrachten lasse sich objektivieren, sagt Esther Rickenbacher. Anderes bleibe subjektive Wahrnehmung und sei deshalb schwierig einzuordnen. Trotzdem: «Ich will wissen, warum es den Leuten nicht gut geht. Wenn das Arbeitsklima nicht stimmt, leiden auch die Heimbewohner darunter.» Rickenbacher hat denn auch Beschwerdebriefe von Angehörigen von Heimbewohnern bekommen. Esther Rickenbacher betont, Im Grund sei kein Personal abgebaut worden. Auch stimme es nicht, dass das Personal in diesem Jahr häufiger wegen Krankheit fehle. «Die Zahl der Absenzen wegen Krankheit ist gegenüber dem Vorjahr nicht angestiegen», betont die Stadträtin. Gegenüber anderen Sparten der öffentlichen Verwaltung fehlten Pflegende aber eindeutig häufiger wegen Krankheit – «nur schon, weil sie in ihrer Arbeit häufiger mit Erregern konfrontiert sind».

Stimmung im Heim verbessert

Im städtischen Krankenheim Im Grund nehmen es die Mitarbeitenden positiv wahr, dass das Gespräch mit den Verantwortlichen in den letzten Wochen in Gang gekommen ist. Die Stimmung sei merklich besser als zuvor, berichten dort Beschäftigte. Man habe den Eindruck, die Verantwortlichen nähmen die Sorgen des Personals jetzt ernst. Auch Angehörige von Heimbewohnern spüren die Aufbruchstimmung. Da sei einiges in Gang gekommen, sagen sie.

In welcher Richtung die Entlastungsmassnahmen gehen sollen, die Dobler und Rickenbacher dem Personal präsentieren wollen, sagen die beiden noch nicht. «Wir arbeiten mit Hochdruck an den Massnahmen», sagt Heimleiterin Marianne Dobler einstweilen dazu nur. Und Esther Rickenbacher will das Paket zügig aber in Ruhe erarbeiten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.09.2008, 21:31 Uhr

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