Horgen erlaubt Beisetzung in einem Wald

In einem Waldstück am Horgenberg dürfen Angehörige ihre Verstorbenen künftig bestatten. Die Gemeinde hat dazu aber klare Richtlinien aufgestellt.

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Nicht alle Menschen können sich vorstellen, ihre letzte Ruhestätte auf einem kirchlichen Friedhof zu finden. Bereits heute lassen Verstorbene ihre Asche durch Angehörige oder Freunde auf dem See, einem Berg oder in einem Wald verstreuen. Das Bedürfnis nach solchen Alternativen nimmt zu. Einige Gemeinden in der Schweiz bieten heute Waldstücke an, in denen sie Naturbestattungen zulassen – auch Private haben das Geschäft mit dem Tod entdeckt.

Horgen hat sich laut Gemeinderätin Jacqueline Gübeli (SP) seit einiger Zeit mit dem Thema beschäftigt und beschlossen, einen Wald für solche Naturbestattungen zu suchen. Auf dem Horgenberg ist die Gemeinde fündig geworden: Das ausgewählte Waldstück ist rund 1,4 Hektaren gross und bietet Ruhe und Beschaulichkeit nahe der Sihl. Es ist eingebettet in die wunderschöne Landschaft.

Weder Hinweis noch Grabschmuck

Beisetzungen im Wald sollen aber nicht zu einem Event verkommen, dafür sorgt die Gemeinde mit genauen Vorgaben. Eine Bestattung erfolgt im engsten Familienkreis mit maximal 15 Personen. Die Asche des Verstorbenen wird durch die Angehörigen in einer Erdöffnung des ausgewählten Baumes beigesetzt. Der Baum wird vorgängig von der Familie zusammen mit dem Gemeindeförster bei einer Begehung ausgewählt. Zur Verfügung stehen Eschen, Föhren, Lärchen, Rotbuchen, Fichten und Weisstannen. Im Wurzelraum eines Baumes kann Asche von mehreren Familienangehörigen beigesetzt werden. Sargbestattungen sind nicht möglich.

Der Baum ist gleichzeitig Grab und Grabmal: Es dürften weder Hinweise oder Andenken an den Verstorbenen noch Blumen- oder Grabschmuck hingelegt werden. Es werden weder Wege zu den Bäumen angelegt noch wird das Unterholz gerodet. Da der Wald sich verändert, ist es möglich, dass Angehörige den ausgewählten Baum nach ein paar Jahren nicht mehr finden. Zum Konzept der Naturbestattung gehört auch, dass Bäume wachsen und verenden – ganz als Sinnbild fürs Leben und Sterben. Falls ein Baum durch einen Sturm oder einen Blitzschlag umstürzt, wird er nicht ersetzt.

Ein Baum wird für die Dauer von 30 Jahren gemietet. Die Gemeinde verzichtet während dieser Zeit auf die forstwirtschaftliche Nutzung der gemieteten Bäume. Nicht eingeschränkt hingegen werden andere Nutzungen in diesem Waldstück: Es ist weiterhin zugänglich für Freizeitaktivitäten wie Spaziergänge oder Sport.

Horgen konnte vom Wissen von Grün Stadt Zürich profitieren, als die Gemeinde das Konzept erarbeitet hat. In der Stadt Zürich existieren solche Naturbestattungen bereits. Auch habe sie es mit den Kirchenverantwortlichen besprochen, sagt Gemeinderätin Gübelin.

1200 Franken für einen Baum

«Wir wollten eine solche Bestattungsmöglichkeit selber anbieten und nicht einem Privaten überlassen», sagt Gübeli, die dem Amt für Umwelt und Gesundheit vorsteht. Die Preise sind denn auch um einiges tiefer: Für einen Einwohner in Horgen kostet ein Baum für die Dauer von 30 Jahren 1200 Franken, für einen Auswärtigen 2400 Franken. Hinzu kommt noch die Gebühr für die Beisetzung von 300 Franken für einen Horgner oder 500 Franken für einen Auswärtigen. Die Beisetzung beim Gemeinschaftsbaum kostet 300 beziehungsweise 500 Franken. Ein Vergleich zu einem privaten Dienstleister: In Meilen verlangt die Friedwald GmbH mit Sitz in Mammern TG für eine Grabstätte im Wurzelwerk eines Baumes mindestens 4900 Franken – je grösser der Baum, desto teurer das Grab. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.09.2008, 22:25 Uhr

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