Horgens Solarzeitalter beginnt genau richtig

Solarstrom ist nicht konkurrenzfähig: Er kostet bis zehnmal mehr als «normaler» Strom. Das könnte sich just dann ändern, wenn Horgen eine eigene Fotovoltaikanlage bauen will.

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Der Bezirkshauptort wird Solarhauptort. Das ist die Vision der Grünen Partei Horgen. Sie fordert den Gemeinderat auf, in Zukunft auf Solarstrom zu setzen und so die nötigen Punkte für das Energiestadt-Gold-Label zu sammeln; Horgen soll im Bezirk eine Vorreiterrolle im sorgfältigen Umgang mit Energie und Umwelt übernehmen.

Der Gemeinderat hat in seiner letzten Sitzung einen Kredit von rund 20 000 Franken für die Projektierung einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach des Werkhofs gesprochen. Damit wird konkret, was der Rat in seinem Leitbild Energie formuliert hat: Bis 2012 soll Horgen eigenen Solarstrom produzieren.

Happiger Zuschlag für Solarstrom

Bereits heute kann über das Elektrizitätswerk Solarstrom bezogen werden. Die Werke kaufen diesen auf dem Strommarkt ein. Die Kilowattstunde (kWh) Soleil-Naturstrom kostet den Konsumenten derzeit 85 Rappen zusätzlich zum normalen Strompreis von 8 bis 18,8 Rappen pro kWh.

Die happigen Aufpreise zeigen: Solarstrom ist nicht konkurrenzfähig. Die kWh Strom kostet in der Produktion im günstigsten Fall 50 Rappen mehr als herkömmlicher durch Wasser- oder Kernkraft erzeugter Strom. Betreibern von Fotovoltaikanlagen bezahlt der Bund eine kostendeckende Einspeisevergütung – je nach Anlage zwischen 49 und 90 Rappen pro kWh.

David Stickelberger, Geschäftsführer von Swissolar, dem Fachverband für Sonnenenergie, sagt, Solarstrom würde pro Jahr zwischen 5 und 10 Prozent günstiger. «Mit jeder Verdoppelung des Marktvolumens sinken die Preise durchschnittlich um 18 Prozent», rechnet er vor. Aktuell geschehe dies alle zwei Jahre.

Vergleiche man diese Entwicklung mit der Preisentwicklung von konventionell erzeugtem Strom, dann werde Solarstrom zwischen 2020 und 2025 auch ohne staatliche Förderung konkurrenzfähig.

Schon 2012 gibts günstigen Solarstrom

Weit optimistischer sieht Oerlikon Solar die Zukunft. Der Schweizer Hersteller von Produktionsstrassen für die Fertigung von Dünnschicht-Solarmodulen rechnet damit, dass Solarstrom schon viel früher konkurrenzfähig sein wird: Module, die auf im Jahr 2010 gelieferten Produktionsstrassen produziert werden, können laut Jürg Steinmann von Oerlikon Solar die sogenannte Netzparität in günstigem Umfeld – viel Sonne und hohe lokale Stromtarife – erreichen. In Kalifornien ist dies bereits heute der Fall.

In der Schweiz rechnet Oerlikon Solar damit, dass Solarstrom, im Süden und an Standorten in der Höhe produziert, ab 2012 konkurrenzfähig sein wird.

Horgens Projekt hilft aufholen

Steinmann lobt das Bemühen der Gemeinde Horgen, in eine eigene Fotovoltaikanlage zu investieren: Jede produzierte Kilowattstunde sei für die Entwicklung des Solarstroms wichtig – «vor 15 Jahren hatte die Schweiz beim Solarstrom eine Vorreiterrolle inne, heute hinken wir hinterher». Dies illustriere der Vergleich der staatlichen Förderung durch Einspeisevergütungen: Die jährlichen Subventionen der Schweiz entsprechen etwa der Geldsumme, die Deutschland pro Tag in die Förderung von Solarenergie investiert – und dies in einem Markt mit Zukunft.

Pilotprojekte wie die Anlage in Horgen seien wichtig, um Erfahrungen zu sammeln. In der Schweiz sei das Geld für solche Investitionen vorhanden, zudem seien die Konsumenten bereit, für Solarstrom einen Aufpreis zu bezahlen. «Eigentlich wären die Voraussetzungen gut, um eine Vorreiterrolle zu übernehmen», sagt Jürg Steinmann.

Es kommt hinzu, dass die Diskussion um Stromlücken bereits im Gang ist. Oder wie Steinmann es ausdrückt: «Aus Sicht der Elektrizitätswerke ist Fotovoltaik eine Realität, die kommt.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.10.2008, 21:59 Uhr

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