Hüttner verstehen die Welt nicht mehr

Die Abstimmung zum Rauchverbot in Restaurants gibt in Hütten zu diskutieren. Als einzige Gemeinde im Bezirk hat Hütten der Initiative nicht zugestimmt.

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Ein Gast weiss, wie man im Schöntal das Rauchverbot umgehen und weiterpaffen kann: «Wir nehmen einfach die Fester raus, damit das keine Beiz mehr ist. Frieren tu ich sowieso nie. Und so dürfen wir dann weiterrauchen.» Zur Küche gewandt ruft er: «Gäll Martha, gäll, so mached mer das.»

Martha ist Martha Pfister. Sie ist die Wirtin des Restaurants Schöntal an der Hüttner Dorfstrasse und richtet in der Küche das Mittagessen für ihre Gäste an: Ghackets und Hörnli mit Rüebli und Apfelmus. Den Galgenhumor des Mannes, der als Kleingewerbler nicht mit seinem Namen in der Zeitung erscheinen will, kann die Frau nicht teilen. Sorgen und Kummer bereitet ihr das Abstimmungsresultat des Zürcher Stimmvolks. 56,6 Prozent der Stimmenden haben dem rigorosen Rauchverbot zugestimmt. In Hütten war das anders: 106 Stimmende sagten Nein. Nur 72 befürworteten das Geschäft.

Frustriert und enttäuscht

«Nein», sagt die Wirtin, «ich weiss nicht, wie sich das Verbot auswirken wird. Ich weiss nicht, was ich in meinem Restaurant machen kann.» Sie ist frustriert, sie ist enttäuscht. Den Entscheid kann sie nicht verstehen.

Genauso geht es ihren Gästen – egal ob Raucher oder Nichtraucher. «Sind wir denn noch die einzige normale Gemeinde?», fragt Alois Aschwanden, der während 17 Jahren das Restaurant Kreuz in Hütten geführt hat. Der Wirt, meint er, soll entscheiden können, ob er eine Raucherbeiz will oder nicht. Und der Gast soll wählen, ob er in ein Raucherlokal gehen will oder nicht. «Wenn man Meeresfrüchte essen will, geht man ja auch nicht in eine Landbeiz, die nur Koteletts auftischt», sagt der Mann, der selber nie aktiv geraucht hat.

Michael Reichmuth zündet derweil eine Parisienne an, zieht den Rauch tief in die Lunge und bläst ihn aus. Das Rauchverbot in den Beizen wird ihn nicht zum Aufhören anreizen. «Wenn das Päckli auf zehn Franken steigt, dann wirds Zeit zu überlegen», meint er. Wie Aschwanden fühlt sich am selben Tisch auch Ex-Raucher Christian Rohner nicht durch Reichmuths Rauch belästigt. Der Gemeindearbeiter sagt, dass der Geruch ihm manchmal Lust auf eine Zigarette mache. Er bleibt aber hart mit sich. Und findet, dass man im Speiserestaurant nicht rauche sollte, in der Dorfbeiz das Rauchen aber erlauben müsste.

Am Tisch weiter hinten sitzen die Arbeitskollegen Erich Fierz und Markus Monigatti. Nichtraucher Monigatti sagt, dass ihn Rauch während des Essens durchaus störe, danach sei es ihm aber egal. Raucher Fierz findet, dass vor allem die kleinen Beizen Probleme bekommen, wenn das Rauchverbot eingeführt wird. Für ihn ist eh alles ein Witz: Die Volksgesundheit werde dadurch nicht verbessert. Und eine drogenfreie Gesellschaft werde es nie geben, sagt er. Und zündet sich – quasi zum Dessert – eine Zigarette an. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.09.2008, 22:15 Uhr

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