«Ich schaue, dass die SVP gut dasteht»

Er rückt die SVP als Einflüsterer im parteieigenen Fernsehen ins rechte Licht: SVP-Kantonsrat Claudio Zanetti aus Zollikon will mit dem TV-Projekt seine Wähler direkt informieren.

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«Was hat die SVP an ihrer heutigen Fraktionssitzung beschlossen?», fragt eine Stimme aus dem Off. Der Aargauer Nationalrat und Fraktionspräsident Caspar Baader antwortet. «Die SVP hat bestätigt, dass sie für eine starke, schlagkräftige Armee einsteht», sagt Baader unter anderem. «Die SVP ist nicht gegen die Armee?», fragt die Stimme aus dem Off. «Nein», antwortet Baader: «Im Gegenteil. Die SVP steht für eine starke, schlagkräftige Armee ein.» Baader ist vor einer Fahne mit Schweizer Kreuz postiert.

Das Video, zu sehen auf der Homepage der SVP, dauert gut vier Minuten. Hinter dem Beitrag steht der Zolliker SVP-Kantonsrat und ehemalige Geschäftsführer der Zürcher Kantonalpartei, Claudio Zanetti. Er ist es, der zumindest einen Teil der Fragen zusammenstellt und die Journalisten des TV-Senders U1, die diese Beiträge im Auftrag der SVP herstellen, berät. Oder wie er es beschreibt: «Ich schaue, dass die SVP gut dasteht.» Dazu gehört auch, die richtigen Leute vor die Kamera zu bekommen. Dafür wendet er im Durchschnitt pro Beitrag einen halben Nachmittag auf, in diesem speziellen Fall kam noch ein grosser Teil des Abends dazu: «Es gab technische Probleme», so Zanetti. Vieles, wie zum Beispiel der Vorspann, sei aber schon produziert und stehe für jeden Beitrag zur freien Verfügung.

Botschaft an die Leute bringen

Der 40-Jährige selbst stellt sich dabei nach eigenen Angaben in den Hintergrund. «Ich bin genug in den Medien, ich brauche das nicht auch noch.» Im Vordergrund stehe die SVP. «Wir müssen unsere Botschaft an die Leute bringen», sagt Zanetti. In den Medien würde die Partei immer verzerrt dargestellt. Auch solle die Basis möglichst schnell informiert werden. «Nach der Wahl von Eveline Widmer-Schlumpf in den Bundesrat war die Unruhe gross. Wir wollen darauf reagieren, auf unsere Weise», so Zanetti. Da seien die Videos, die im Übrigen auch auf Französisch produziert werden, das ideale Vehikel dazu. «Ausserdem verzichten wir auf nichts anders. Es gibt immer noch Medienmitteilungen oder den Newsletter.» Die Videos, die auch auf der Internetplattform Youtube zu sehen sind, sprechen ausserdem eine junge Wählerschaft an: «Wir sind die Partei mit den meisten Jungen, und auch die Älteren werden je länger, je mehr vernetzt.»

Künftig wieder ein Blogger

Wie kam er denn zu diesem Job als Einflüsterer – etwa durch ein Casting? «Nein», sagt Zanetti. «Ich bin da hineingerutscht. Nach acht Jahren als Parteisekretär kenne ich die Leute, und die Leute kennen mich.» Ausserdem habe er den Kontakt zu U1 vermitteln und die Infrastruktur zur Verfügung stellen können. Wie lange er noch unter den TV-Machern ist, weiss Zanetti derzeit noch nicht: «Irgendwann braucht es mich nicht mehr.» Es könne aber auch sein, dass die SVP einmal sage, Aufwand und Ertrag stünden in keinem Verhältnis, und keine Videos mehr herstellen wolle.

Zanetti selbst kann sich in diesem Fall immer noch auf seinem eigenen Blog austoben, wobei er seit den letzten Wahlen im Herbst 07 nur einen neuen Artikel geschrieben hat: «Die NZZ und die Freiheit». Grund für die geringe Beitragsdichte: «Ich bin Gastblogger bei NZZvotum», so Zanetti. Sein Geld verdient der selbstständige Kommunikationsberater mit Projekten, die nichts mit der SVP zu tun haben. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.09.2008, 22:01 Uhr

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