In Bassersdorf wieder entdeckt: Der Wald bietet mehr als nur Erholung

Die Waldtage von Bassersdorf-Nürensdorf wurden für manche Besucher zum Aha-Erlebnis. Sie entdeckten altes Handwerk neben moderner Holzwirtschaft.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Ruhe sei es; nein, die Tiere; nein, die Bäume. Moritz, Seraina und Elena aus Bassersdorf können sich nicht einigen, was ihnen am Wald am besten gefällt. Aber dass sie ihn super finden, darin sind sie die Geschwister einig. «Na, Moritz, wie alt ist dieser Baum?», fragt Heini Disch seinen Sohn und zeigt auf einen frisch gefällten Stamm. Der Siebenjährige blickt den Baum angestrengt an. Er müsse immer einen dunklen und hellen Ring zusammenzählen, erklärt ihm sein Vater. Das ergebe ein Jahr. Der dunkle Ring stehe nämlich für den Winter und der helle für den Sommer. Heini Disch weiss, wovon er spricht. Für ihn als Zimmermann war es klar, dass er mit seiner Familie die Bassersdorfer und Nürensdorfer Waldtage besuche, sagt er, während Tochter Seraina die Bäume mustert. Das Beste am Wald sei, sagt sie und klettert auf einen Stamm, wenn die Bäume gefällt seien. «Dann kann ich darauf richtig gut klettern.»

Nicht jeder sehe das so, schmunzelt Urs Wegmann. Der Forstwart und Ranger gehört zu den Organisatoren der Waldtage. An zwei Tagen konnten die über 2000 Besucher Holz von Hand fällen, sich über naturnahen Waldbau oder Waldtiere informieren, den neu errichteten Holzturm besteigen, um über die sich erholende Verwüstungsschneise von Sturm Lothar zu blicken. Oder sie entdeckten, dass der Wald auch ein Wirtschaftsraum ist. «Der Wald liefert einen der wenigen Rohstoffe, die die Schweiz hat – Holz», sagt Wegmann. Dennoch komme es oft zu Konflikten zwischen den Forstarbeitern und Spaziergängern, wenn das Holz geschlagen werde. «Baum fällen ist schlecht – Holz nutzen jedoch gut.» Um das Verständnis für den Raum Wald zu fördern, organisierte der Waldverein Bassersdorf-Nürensdorf diese zweitägige Veranstaltung.

Ohne Wald keine Holzkohle

Eine Menschengruppe umringt unterdessen Fritz Salzmann. Der Förster aus dem Emmental hebt mit der linken Hand einen Schlegel und haut kurz auf einen Keil. Ein dünner Holzscheit spaltet sich exakt parallel. Immer der Baumfaser nach werde gespalten, erklärt Salzmann. Das Holzstück sollte maximal vier Zentimeter breit sein. Das ergebe eine gute Schindel. Auch wenn es heute kaum noch Schindeldächer gäbe, werden Schindeln immer noch als Unterdach oder Fassadenverkleidung eingesetzt. Ein guter Schindelmacher spalte bis zu 500 Schindeln in einer Stunde. «Ich nur 250», sagt der Emmentaler und blickt verschmitzt.

Vorbei an Steaks und Würsten, die verlockend auf den vielen Grillplätzen vor sich hin brutzeln, geht es weiter zu nächsten Station – einem rabenschwarzen, mittelgrossen Hügel. Der Kohlenmeiler. Seit einer Woche achten die Hobbyköhler Yves Maurer und Sascha Blum auf die richtige Luftzufuhr und Temperatur im Meiler. Wie macht man Holzkohle selber? Das fragten sich beide schon während ihrer Lehrzeit als Forstwarte. Der Bassersdorfer Sascha Blum machte Nägel mit Köpfen und liess sich in Entlebuch von einer Köhlerin in ihre Kunst einweisen. Rauchschwaden steigen den Besuchern entgegen. Das Publikum raunt. Jungs setzen sich direkt vor den Meiler. Die Köhler schaufeln die ersten Holzkohlestücke heraus. Was heute ein Faszinosum ist, war für frühere Generationen bares Geld. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.09.2008, 19:13 Uhr

Abo

Digitale Abos

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt lesen:
Neu ab 18.- CHF pro Monat

Blogs

Outdoor Ein Nullentscheid beim SAC?

Private View Zwei Amis in Venedig

Abo

Digitale Abos - Neu ab 18.- pro Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen. Flexibel und jederzeit kündbar
Neu nur CHF 18.- pro Monat

Die Welt in Bildern

Beinfreiheit einmal anders: Im sächsischen Niederwiesa machen riesige Frauenbeine auf die Ausstellung «High Heels - die hohe Kunst der Schuhe» aufmerksam, die im nahen Schloss Lichtenwalde zu sehen ist. (23. Mai 2017)
(Bild: Sebastian Willnow/DPA) Mehr...