Jeder zehnte Briefkasten verschwindet

Die Schweizerische Post erneuert ihre Briefkästen. Einige werden umplatziert. Passanten suchen nun ihren Kasten vergeblich an der gewohnten Stelle.

In den meisten Ortschaften der Bezirke Hinwil und Uster wurden die Briefkästen bereits erneuert.

In den meisten Ortschaften der Bezirke Hinwil und Uster wurden die Briefkästen bereits erneuert.

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Bis vor kurzer Zeit war an der Aussenwand des Aventura-Travel-Shops an der Talackerstrasse in Uster ein Briefkasten angebracht. Lediglich ein zugepflastertes Loch ist davon noch zu sehen. Vom gelben Kasten fehlt jede Spur.

Da war die Schweizerische Post am Werk. Bis 2010 möchte sie schweizweit alle 20'000 Briefeinwürfe, die offizielle Bezeichnung der Briefkästen, erneuern. Grund: Die Sicherheit der heutigen Briefkästen entspreche nicht mehr dem modernen Standard. Deshalb werden neue Sicherheitselemente wie Rückhaltesperre, Sicherheitsschloss und Einsichtsschutz eingebaut. Zudem werden die derzeit dreizehn verschiedenen Modelle durch ein einziges ersetzt. Richard Pfister, Leiter der Medienstelle der Post, erklärt die bisherige Modellvielfalt: «Die ist historisch gewachsen.»

Bei der Umrüstung des gesamten Briefkastennetzes gehen landesweit aber auch 2000 verloren. Das ist jeder zehnte Briefkasten. Trotzdem hat die Schweiz weiterhin eines der dichtesten Briefeinwurfnetze Europas.

Sicherer ...

Bevor die Post im Jahr 2006 mit dem Aufbau des neuen Briekastennetzes habe beginnen können, sei jeder einzelne Standort im Dialog mit den Gemeinden überprüft worden. Dabei spielte die Sicherheit eine zentrale Rolle. Stehen Briefkästen an dunklen und abgelegenen Standorten, sind sie von Langfingern eher betroffen. «Natürlich können wir keine 100-prozentige Garantie abgeben», sagt Mediensprecher Richard Pfister.

Heinz Berchtold vom Aventura-Travel-Shop in Uster ärgert sich, dass der Briefkasten an seinem Geschäft entfernt wurde. «Für mich ist es unlogisch, wo die neuen Briefkästen platziert werden.» Nebst der Sicherheit wurden auch andere Aspekte betrachtet. «Aufgehoben werden Standorte, die nicht oder nicht mehr benötigt werden, schwach benutzt sind oder verkehrstechnisch ungünstig liegen», sagt Richard Pfister.

... aber noch fremd

In den meisten Ortschaften der Bezirke Hinwil und Uster wurden die Briefkästen bereits erneuert. In Hinwil ersetzte die Post 78 Briefkästen, 10 davon wurden umplatziert. 4 sind gar nicht ersetzt worden, aber an einem Ort wurde ein zusätzlicher Briefkasten aufgestellt. Im Bezirk Uster wurden 32 von 66 ersetzten Briefkästen umplatziert. 22 verschwanden ganz. Der Bezirk Pfäffikon und die Gemeinden in den beiden anderen Oberländer Bezirken, die noch nicht umgerüstet worden sind, kommen in den nächsten beiden Jahren an die Reihe.

Der Briefkasten beim Restaurant Falken an der Seestrasse in Uster ist einer von jenen gelben Kästen, die umplatziert wurden. «Wir hatten einige Reklamationen von Gästen, die ihn nicht mehr gefunden haben», sagt Vreni Kleiner, Besitzerin des Falkens. Der Briefkasten steht neu auf der gegenüberliegenden Strassenseite. Hat man das neue Briefkastenmodell noch nie gesehen, ist es schwer erkennbar. Oder einfach fremd. Auf einem etwa einen Meter hohen Eisenpfosten steht ein kleiner, quadratischer Kasten. Sein Vorteil ist – neben der besser garantierten Sicherheit – die Einwurfhöhe: Befindet sich der Briefkasten an einer Strasse, können die Briefe direkt vom Auto oder Fahrrad aus eingeworfen werden. Auffallend ist der breitere Einwurf. Er ist auch für Briefe im B4-Format geeignet. Die grosse Informationsfläche enthält Angaben zu Briefpreisen und Leerungszeiten.

Ein Ustermer Briefträger fährt am neuen Briefkastenmodell vorbei und meint: «Für mich macht es keinen Unterschied, ob ich diesen oder den alten leere.» Auch habe er während seiner Touren kaum Reaktionen von der Bevölkerung erhalten. «Wir Briefträger haben uns schnell an die Neuerung gewöhnt.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.10.2008, 22:15 Uhr

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