Jugendliche Räuberbande im Unterland aufgeflogen

Das Unterland scheint ein guter Boden für gewaltbereite Jugendbanden zu sein. Nachdem erst kürzlich eine 24-köpfige Gruppe aufgeflogen war, verhaftete die Polizei nun erneut elf Personen.

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Erst vor zwei Monaten sorgte die Verhaftung einer gewalttätigen Jugendbande aus Kloten für ungläubiges Kopfschütteln. Damals wurden 24 Jugendliche ermittelt, die für über 30 Delikte, von Brandstiftung über Sexualverbrechen bis hin zu einem Tötungsfall, verantwortlich sein sollen.

Gestern nun teilte die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland mit, dass man in einem anderen Fall wiederum elf Personen verhaften konnte. Ihnen wird zur Last gelegt, mehrere bewaffnete Raubüberfälle in den Bezirken Dielsdorf und Bülach begangen zu haben. Bei den mutmasslichen Tätern handelt es sich gemäss Jugendanwaltschaft um acht Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren sowie um drei junge Erwachsene. Ihre Taten erstreckten sich mindestens über den Zeitraum zwischen Mai und Juli dieses Jahres.

Es wird allerdings nicht ausgeschlossen, dass noch weitere Taten auf das Konto der Bande gehen und noch mehr Personen in diesen jüngsten Fall verwickelt sind, wie der zuständige Staatsanwalt Martin Wyss auf Anfrage erklärte. Aus ermittlungstechnischen Gründen wollten aber weder er noch die Jugendanwaltschaft in Bülach nähere Angaben zur Jugendbande, deren Vergehen, mögliche Treffpunkte oder genaue Herkunft machen.

Opfer mit schweren Kopfverletzungen

Immerhin wurde bekannt gegeben, dass die Bande immer nach ähnlichem Muster vorging. So fuhren die Minderjährigen mit den jungen Erwachsenen in deren Autos vor, verwickelten ihre Opfer in kurze Wortwechsel, um sie dann unvermittelt niederzuschlagen und ihnen ihre Wertsachen abzunehmen.

Recherchen des «Tages-Anzeigers» ergaben, dass ein schwerer Raubüberfall in Bülach auf das Konto der jetzt überführten jugendlichen Schlägerbande geht. Wie Staatsanwalt Wyss bestätigte, wurde das Opfer, ein 16-Jähriger, schwer am Kopf verletzt. Ob der junge Mann jemals wieder vollkommen gesund wird, liesse sich derzeit noch nicht sagen. Es müsse befürchtet werden, dass er bleibende Schäden davontragen könnte.

Das Bülacher Opfer war in der Nacht auf Samstag, 19. Juli, in der Erachfeldstrasse zu Fuss unterwegs, als es von hinten mit einem Schlag niedergestreckt wurde. Durch die anschliessenden Fusstritte wurden dem 16-Jährigen die schweren Kopfverletzungen zugefügt. Die magere Beute damals: ein Portemonnaie mit ganzen fünf Franken.

Zeugen gesucht

Zur Klärung der näheren Umstände und des genauen Ausmasses der Gewaltdelikte werden Zeugen und allfällige weitere Opfer gesucht. Diese sollen sich bei der Kantonspolizei unter Telefon 044 247 22 11 melden.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.08.2008, 07:21 Uhr

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