Kampfwahl in Kyburg

Zwei Frauen bewerben sich als Friedensrichterinnen: eine ist einheimisch und eine kommt aus Effretikon. Im Dorf spricht man von einem «unfreundlichen Übernahmeversuch».

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Vor der Diskussion um eine mögliche Fusion zwischen Kyburg und Illnau-Effretikon zeichnet sich eine brisante Konstellation von Kandidatinnen fürs Friedensrichteramt in Kyburg ab. Einerseits hat Barbara Scheidegger ihre Kandidatur eingereicht. Die SP-Gemeinderätin aus Bisikon amtet seit acht Jahren als Friedensrichterin in Illnau-Effretikon. Andrerseits bewirbt sich die einheimische Juristin Susanne Friedauer, wie der «Landbote» am Freitag meldete.

Die mögliche Suche nach einem Fusionspartner für die Gemeinde Kyburg haben die Einwohner Andreas Bärtschi und Peter Güntensperger Anfang Jahr mit einer Initiative eingeleitet. Nach deren Scheitern wird nun eine zweite vorbereitet. Im Parlament von Illnau-Effretikon war es Barbara Scheidegger, die kürzlich als Mitinitiantin einer Interpellation die Fusion zwischen der Stadt und Kyburg zum Thema gemacht hat. Nun geht sie einen Schritt weiter und bewirbt sich als Friedensrichterin. Auswärtige können sich für ein Amt bewerben, wenn sie 15 Einwohner unterstützen. Scheideggers Kandidatur empfindet man in Kyburg dennoch als «unfreundlichen Übernahmeversuch», sagt Gemeindeschreiber Martin Lee. «Meine Kandidatur ist ein Angebot an Kyburg», entgegnet Scheidegger. Bei den rund 100 Fällen, die sie jährlich in Effretikon als Friedensrichterin betreue, sei es gut möglich, die 3 bis 8 Fälle von Kyburg dazuzunehmen. Kyburg könnte so die aufwendige Aus- und Weiterbildung für einen Friedensrichter einsparen, sagt Scheidegger, die diese Kurse bereits durchlaufen hat.

«Keine Sesselkleberin»

Für die einheimische Kandidatin dürfte die Ausbildung nicht allzu aufwendig sein, zumal sie als Juristin über Fachwissen verfügt. «Ich bringe einen gut gepackten Rucksack mit», sagt Friedauer (parteilos). Während acht Jahren war sie Mitglied der Rechnungsprüfungskommission. Im kleinen Kyburg könne es öfter vorkommen, dass eine Friedensrichterin in den Ausstand treten müsse, weil sie einer Streitpartei zu nahe steht. Dies wertet Scheidegger als Argument für sich. Doch Friedauer kontert: «Die jetzige Friedensrichterin Doris Bollmann hat mir versichert, dass sie damit keine Probleme hatte.» Friedauers Motivation für das Amt ist auch politischer Natur. Noch sei Kyburg eigenständig. «Und die Fusions-Diskussion muss man nicht über das Friedensrichteramt vorwegnehmen», sagt Friedauer. Sie sei aber nicht konservativ und bringe Verständnis für das Anliegen der Kyburger Initiative auf. «Sollte Kyburg eines Tages fusionieren, dann will ich keine Sesselkleberin sein.»

In den nächsten 10 Tagen läuft noch eine Bedenkfrist. Scheidegger überlegt, ob sie ihre Kandidatur angesichts der lokalen Kandidatin aufrechterhalten will. Die Friedensrichterwahlen finden im nächsten Februar im ganzen Kanton für die Amtsdauer von 2009 bis 2015 statt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.10.2008, 22:26 Uhr

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