Kehrichtknatsch kommt wieder vor Gericht

Adliswil wird sein Kehrichtproblem nicht los. Auch nach der zweiten Ausschreibung und Vergabe des Auftrags gibts eine Beschwerde. Diesmal von der ortsansässigen E. Bohli AG.

Adliswils Abfallentsorgung ist eine Gratwanderung, denn wieder geht ein Offerent gegen die Vergabe vor.

Adliswils Abfallentsorgung ist eine Gratwanderung, denn wieder geht ein Offerent gegen die Vergabe vor. Bild: Patrick Gutenberg

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Es war eine gewisse Resignation in der Stimme von Stadtrat Heinz Spälti (FDP) herauszuhören, als er an der Gemeinderatssitzung vom Mittwoch mitteilte: «Bei der Abfallsubmission ist die Frist abgelaufen. Es ist eine Beschwerde eingegangen. Von der Bohli AG. Somit gehts von Neuem los. Jetzt können wir nur wieder den Entscheid des Verwaltungsgerichts abwarten.»

Damit ist klar, dass auch der zweite Anlauf, den Auftrag für die Kehrichtbeseitigung und diverse andere Arbeiten in Adliswil zu vergeben, von einer gerichtlichen Beurteilung gebremst wird. Im Frühling hatte das Bundesgericht das Urteil des Verwaltungsgerichts bestätigt, wonach die ortsansässige E. Bohli AG bei der Vergabe des Auftrags zu Unrecht berücksichtigt worden war, obwohl ein günstigeres Angebot vorlag. Damals hatte die Firma Steiner AG beim Verwaltungsgericht Beschwerde eingereicht. Die Stadt wurde aufgefordert, die Ausschreibung der Submission zu überarbeiten.

Der Stadtrat hat nun an seiner August-Sitzung den Auftrag neu vergeben. Die Arge Abfalltransporte Bezirk Horgen (Lenz Transporte AG, Horgen, und Stalder Transportunternehmung AG, Langnau) hat sich verpflichtet, die Stadt sieben Jahre lang für jährlich 676'000 Franken sauber zu halten. Die erste Beschwerdeführerin, die Steiner AG, ist mit ihrem nur um 26'000 Franken teureren Angebot Zweite.

Nur Beschwerde kann Lage klären

Und wieder ging die Bohli AG leer aus. Um auf einige offene Fragen Antwort zu erhalten, hat sie nun Beschwerde eingereicht. Henry Bohli, der Sohn des Firmengründers Ernst Bohli, erklärt die Haltung seiner Firma: «Es ist nicht so, dass wir mit der Beschwerde Streit suchen. Wir müssen sie aber einreichen, um die Begründung für die Vergabe kennen zu lernen. Nur so sind die Infos zu erhalten.»

Henry Bohli will nicht sagen, um wie viel das Angebot seiner Firma über jenem der Arge liegt. Aber es liege im vorderen Mittelfeld. Das teuerste Angebot sei mehr als doppelt so hoch wie das billigste. «Der Vertrag läuft sieben Jahre», sagt Bohli. «Es gilt also, die Entwicklung der Bevölkerungszahl Adliswils zu berücksichtigen.» Die Einschätzung dieser Entwicklung sei eine höchst diffizile Angelegenheit, die zu immensen Differenzen in der Kalkulation führen könne. «Die Stadt hat heute 16'000 Einwohner», sagt Bohli. «Ich sehe nun die Entwicklung im Grüt-Park, ich sehe, was im Dietlimoos und anderen Baugebieten läuft. Und ich denke, dass Adliswil in drei Jahren vielleicht 2000 Einwohner mehr hat. In fünf Jahren noch 1000 mehr, wer weiss?» Er müsse also eine Mischrechnung machen, erklärt Bohli. Eine, die mit einberechnet, dass einige Hundert Tonnen mehr Abfall und andere Mehrarbeiten bewältigt werden müssen. Die Stadt produziert rund 3200 Tonnen Kehricht im Jahr.

Hervorragende Qualität

Seit 1961 beseitigt die Firma Bohli Adliswils Abfall. In einer Situation, in der ein Ende des Auftrags befürchtet werden muss, ist es verständlich, dass Emotionen hochkommen. Henry Bohli gibt auch zu: «Es ist etwas, dass einem wehtut.» Vor allem dann, wenn er weiss, dass das Angebot seines Unternehmens in der Qualität der angebotenen Leistung herausragend war und das absolute Punktemaximum erreichte. Die Qualität wiegt aber im Vergleich mit dem Preis in der Gewichtung nicht so schwer, wie bei der ersten Ausschreibung. 70 Prozent von der Gesamtwertung gelten demnach dem Preis, nur 25 Prozent der Qualität der Leistung. Die Ausbildung von Lehrlingen werde in der Evaluation mit 5 Prozent berücksichtigt.

Es geht in der Abfallbeseitigung aber nicht nur um Kehricht, sagt Bohli. «Man vergisst schnell, dass im Angebot auch die Bewirtschaftung von Glas und Kleinmetallen sowie vom Grüngut eingeschlossen sind.» Da gebe es auch die Beseitigung von Christbäumen und Karton, den Häckslerservice und die Sammelstellenbetreuung.

Eine Frage der Existenz

Die erneute Nichtberücksichtigung könnte für die E. Bohli AG ernsthafte Folgen haben. «Wenn man sich auf eine Aufgabe konzentriert, wirds natürlich heikel», sagt Henry Bohli. Ob man die Firma ganz oder nur teilweise liquidieren müsse, könne man heute noch nicht beurteilen. Offen bleibe, ob die Arge die Aufgabe zu diesem Preis lösen könne. «Es gibt Möglichkeiten, die Kosten zu senken», sagt Bohli, «aber ob man denn auch die Leistung vollumfänglich bringen kann, ist mehr als fraglich.»

Zu diesem Thema hatte Stadtrat Heinz Spälti vergangene Woche gesagt: «Hauptsache, sie machen aus Adliswil kein Neapel. Wir werden aber sehr genau darauf achten, dass die Aufträge einwandfrei durchgeführt werden.» Spälti passt die jetzige Situation gar nicht. Er ist ungehalten darüber, dass die Sache wieder von einem Gericht beurteilt werden muss. Gleichzeitig zeigt er aber Verständnis dafür, dass Bohli seine Beschwerde eingereicht hat. «Er hat all die Jahre seinen Job hervorragend gemacht. Und nun steht seine Existenz auf dem Spiel. Ich bedaure die Situation sehr», sagt Spälti.

Durch die «Empfehlungen» des Gerichts war die Stadt dazu gezwungen worden, die Kriterien der Ausschreibung so zu ändern, dass ein tiefer Preis höher eingeschätzt wurde als in der ersten Ausschreibung. Das ärgert Spälti am meisten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.09.2008, 02:41 Uhr

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