Kloten-Ultras: «Kein Kommentar zur Namensänderung»

Noch heisst der Schluefweg nicht Kolping-Arena, doch der neue Name wird heftig diskutiert. Keine öffentliche Stellungnahme gibts von kritischen Fanklubs.

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«An der Kolping-Küste, im Flyers-Land, schmeissen die Klooooten Flyers die letzten Traditionen an die Wand.»

Dieses Zitat stammt vom offiziellen Diskussionsforum der Kloten Flyers im Internet. Ein Eishockeyfan namens Einsiedler hat sich auf Flyersforum.ch verewigt. Er dürfte damit vielen Anhängern des Unterländer Eishockeyvereins aus dem Herzen sprechen. Die Namensänderung von Schluefweg-Stadion in Kolping-Arena hat in den verschiedenen Onlineforen zu teilweise wütenden Protesten geführt. Die Einträge erfolgen meistens anonym, mit einem selbst gewählten Pseudonym. So auch «Mr. Smoky 70»: Er hoffe nur, man habe die Übersetzung des neuen Stadionnamens nicht allzu wörtlich genommen und «wir bekommen auch wirklich eine Eisplatte und keinen Sandkasten». Damit spielt Smoky auf den Stadionumbau und den Begriff Arena an, der ursprünglich vom lateinischen Wort für Sand stammt.

Während sich Einzelpersonen mit mehr oder weniger humorvollen Kommentaren gegen die Kolping-Arena aussprechen, hüllen sich kritisch eingestellte Fangruppen in Schweigen. Die Namensänderung sei mit vielen Emotionen verbunden, teilen die Blue Eagles Kloten per E-Mail mit. Die blauen Adler gehören mit South-Side und Conspiro zu jenen Anhängern, die sich laut eigenen Angaben der ultraorientierten Fankultur verschrieben haben. Unter der Bezeichnung Unity Kloten 1934 haben sie einen gemeinsamen Internetauftritt, wo sie Fotos von den aufwendigen Fan-Choreografien im Stadion zeigen. Zwar wollen sich die Ultras mit der neuen «Kolping-Arena» nicht anfreunden, wie es inoffiziell heisst. Doch die offizielle Stellungnahme lautet: «Um nicht falsch verstanden zu werden oder damit uns nicht das Wort im Mund gedreht wird, möchten wir uns dazu nicht äussern.»

Der Präsident der Ultra-Vereinigung South-Side, Daniel Bölsterli, weilt zurzeit in Schweden. Das ist kein Zufall, denn die Kloten Flyers absolvieren diese Woche im hohen Norden mehrere Testspiele. Zur umstrittenen Änderung des Stadionnamens will auch er sich nicht äussern.

Ganz anders der Präsident des Fanklubs Forever Flying, Markus Boulenc. «Was ich sage, werden einige Kolleginnen und Kollegen nicht gerne lesen», sagt er. Er vertrete halt einen Fanklub, der sich nicht grundsätzlich gegen den Kommerz im Spitzensport stelle. Die EHC Kloten Sport AG sei auf Einnahmen angewiesen, und die Stadt Kloten profitiere vom guten Ruf des Eishockeyklubs. Was den Stadionnamen betreffe, habe es sich eben um eine freie Werbefläche gehandelt. In der Praxis werde man aber auch weiterhin vom Schluefweg-Stadion sprechen. «Wir ignorieren die Kolping-Arena grosszügig.»

Kein Verständnis hat der Fanklubpräsident für die Protestaktion Einzelner, die Anfang Juni an einem Testspiel der Kloten Flyers in Wichtrach für Aufsehen sorgten. Auf Transparenten wurden die Geschäftsleitung des Eishockeyklubs und der Klotener Stadtrat aufs Übelste beschimpft. Markus Boulenc verweist lieber auf das gute Einvernehmen, das es zwischen dem Profiklub und den Vertretern der offiziellen Fanclubs gebe. Bei den regelmässig stattfindenden Fanrat-Treffen könne man auch Kritik anbringen. «Dabei halten wir uns aber an die Regeln des Anstands.»

Vertrag noch nicht unterschriftsreif

Der Klotener Stadtpräsident, René Huber, sagt, dass er unterschiedliche Reaktionen aus der Bevölkerung erhalten habe. «Alle, die wissen, wie das Business läuft, haben für den Verkauf der Namensrechte Verständnis.» Er könne aber den Unmut jener Fans nachvollziehen, die emotional Mühe hätten mit der Kolping-Arena.

Der neue Name werde sicher vor dem ersten Heimspiel am Schluefweg-Stadion prangen, ist Huber zuversichtlich. Noch fehlt die Zustimmung des Gesamtstadtrats. Dabei handle es sich aber nur noch um einen formellen Akt, der erfolge, sobald die Verträge unterschriftsreif seien.

Dass sich die Diskussionen zur Namensänderung nicht endlos hinziehen, zeigen die Einträge auf Flyersforum.ch. Eine Diskussionsrunde wurde von den Moderatoren bereits geschlossen. Begründung: «Kommt nichts Gescheites mehr.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.08.2008, 07:19 Uhr

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