Knapper Wohnraum: «Der Markt ist irre»

In der Zürcher City wird mit harten Bandagen um freie Wohnungen gekämpft. Es herrscht ein irrer Markt. Tagesanzeiger.ch/Newsnetz wollte von den Liegenschaftsverwaltungen wissen, nach welchen Kriterien sie die Mieter auswählen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wenn in der Zürcher Innenstadt eine Wohnung frei wird, dann bilden sich an den Besichtigungsterminen meterlange Schlangen in den Treppenhäusern. «Im Stadtzentrum herrscht derzeit ein irrer Markt», sagt Walter Angst vom Mieterverband Zürich. «Es gibt Vermieter, die ihre angebotenen Mietzinse als Basis für eigentliche Versteigerungen an den Meistbietenden verstehen. Das ist eine sehr gefährliche Entwicklung und wir warnen unsere Mitglieder eindringlich davor, auf solche Deals einzugehen.»

Walter Angst rät, die Wohnungssuche möglichst breit anzulegen und nicht gleich auf das erste Angebot einzutreten: «Das ist erfahrungsgemäss meist schlecht oder überteuert.» Vieles laufe derzeit unter der Hand, «Wohnungen mit moderaten Mietzinsen findet man am besten durch Mund-zu-Mund-Propaganda im privaten Umfeld.»

Mietzins darf 30 Prozent des Einkommens nicht übersteigen

Ist die Wohnung erst mal gefunden, gilt es, die Mitstreiter auszubooten. «Die Frage nach der besten Bewerbung ist immer auch eine finanzielle Frage. Der Mietzins darf 30 Prozent des Einkommens nicht übersteigen», sagt Annett Glatte, stv. Teamleiterin Bewirtschaftung der Immobilienverwalterin Wincasa. Wer in den vergangenen drei Jahren betrieben wurde, hat ebenso schlechte Karten, wie all jene, die beim letzten Vorvermieter in Ungnade gefallen sind. «Wir holen uns Referenzen ein. Ruhestörung geht gar nicht», betont Glatte.

Der Mieter muss ins Haus passen

Auch bei der Liegenschaftsverwaltung Livit steht die Bonität im Vordergrund – aber nicht nur. «Wir schauen auch darauf, ob die Person in die Liegenschaft passt», erklärt Rebecca Ritz, Leiterin Marketing Livit, «damit wollen wir niemanden diskriminieren. Es geht lediglich darum, dass sich alle Leute im Haus wohl fühlen.» Ähnlich sieht es bei Wincasa aus: «Wenn verschiedene Bewerber in Frage kommen, bekommt jener den Zuschlag, der am besten zur Mieterstruktur im Gebäude passt.»

Die Optik der Bewerbungsunterlagen spielt hingegen bei der Vergabe der Wohnung kaum eine Rolle. «Wir schauen auf die wichtigsten Eckdaten sowie die Referenzen und nicht auf die Verpackung», sagt Glatte, «allerdings macht es schon einen sehr negativen Eindruck, wenn die Bewerbung zerknittert und mit Kaffeeflecken bei uns ankommt.» Gleiches gilt bei der Wohnungsbesichtigung. «Es ist menschlich, dass bei einem Besichtigungstermin der erste Eindruck auch zählt. Ein guter Gesamteindruck ist sicher von Vorteil, aber man muss deswegen nicht extra im Anzug erscheinen», fasst Rebecca Ritz zusammen.

Bestechungsversuche sind verboten

Wer übrigens versucht, mit einer Geldnote in den Bewerbungsunterlagen die Chancen auf einen Zuschlag zu erhöhen, liegt komplett falsch. «Bestechungsversuche sind verboten und bewirken eher das Gegenteil», betont Ritz, «wir sind eine seriöse Verwaltung und wollen es auch bleiben.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.08.2008, 13:44 Uhr

Abo

Digitale Abos - Neu ab 18.- pro Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen. Flexibel und jederzeit kündbar
Neu nur CHF 18.- pro Monat

Kommentare

Blogs

Von Kopf bis Fuss Essen Sie sich stark!
Blog Mag Höflichkeit zählt

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Durch die Blume: Am Narzissenfest auf dem Grundlsee in Österreich zieht ein Boot einen Stier aus Blumen hinter sich her (28. Mai 2017).
(Bild: Leonhard Foeger) Mehr...