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Von René Staubli



So spektakulär der finanzielle Zusammenbruch der Swissair im Oktober 2001 unter einem Schuldenberg von 17 Milliarden Franken war, so bemerkenswert sind nun auch die Kosten für die Aufräumarbeiten. Swissair-Liquidator Karl Wüthrich hat bislang 50 Millionen Franken Honorar verrechnet.



Im Oktober 2002 hatte ihn die «Handelszeitung» in einem Interview gefragt, wie viel er an einem solchen Mandat denn verdiene. Wüthrich antwortete, er verrechne einen Stundenansatz «zwischen 90 und 400 Franken». Und fügte hinzu: «Wirtschaftskanzleien verlangen im Gegensatz dazu bis zu 800 Franken in der Stunde.»



Bei einem Stundenansatz von 400 Franken hätte Wüthrich demnach 125 000 Arbeitsstunden verrechnet, was 15 625 Arbeitstagen entspricht. Umgerechnet auf die sechseinhalb Jahre, die das Nachlassverfahren schon dauert, hätten sich also rund zehn Angestellte der Kanzlei Wenger Plattner Tag für Tag ausschliesslich mit diesem Mandat beschäftigt. Woraus folgt: Die Swissair ist für die Anwälte vom Zürichsee ein gutes Geschäft geworden.



Damit soll nicht behauptet werden, Wüthrich habe falsch abgerechnet. Unbestrittenermassen ist das Verfahren zeitraubend und hochkomplex. Irritierend ist jedoch die mangelnde Transparenz. Selbst jene, die ein Anrecht auf Einsicht in die Abrechnung haben - die Gläubiger -, werden mit marginalen Informationen abgespeist. So schlüsselt Wüthrich das Millionenhonorar für die Arbeiten an der SAirGroup im Rechenschaftsbericht für 2007 lediglich so auf: «Liquidation inklusive Spesenauslagen.»



Das weckt Argwohn bei den Gläubigern, die mindestens 86 Prozent ihrer Forderungen abschreiben müssen und nicht zusätzlich geschröpft werden wollen. Dass es der Liquidator mit den Bestimmungen über die Anlage der noch vorhandenen Mittel nicht so genau nimmt, trägt auch nicht zur Vertrauensbildung bei. Es stimmt zwar, dass er die Platzierung von mehr als einer Milliarde Franken bei der UBS mit dem Gläubigerausschuss abgesprochen hat. Trotzdem verstösst der Entscheid gegen das Gesetz. Auch für den Swissair-Liquidator gilt: Vertrauen ist gut, mehr Kontrolle wäre besser.

Erstellt: 15.10.2008, 16:12 Uhr

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