Künftig nur noch zwölf Betreibungsämter

In zwei Jahren hat nicht mehr jeder Ort sein eigenes Betreibungsamt. Die Gemeinden bilden auf Druck des Kantons Betreibungskreise.

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Wer mit dem Betreibungsamt zu tun hat, muss dafür in Zukunft unter Umständen in eine Nachbargemeinde reisen. Das ist in kleinen Gemeinden heute schon der Fall, ab Mitte 2010 betrifft das weit mehr Bürger und Gemeinden. Dannzumal sollen die Zürcher Betreibungsämter professionalisiert werden. Vom Kanton gibt es dafür klare Vorgaben: Ein Betreibungsamt soll jährlich mindestens 3000 Fälle behandeln, und die Betreibungsbeamtin oder der -beamte muss über einen Fachausweis verfügen. Der Regierungsrat möchte noch höchstens 72 Betreibungsämter im Kanton Zürich. Für die Oberländer Bezirke Uster und Hinwil hat er eine Höchstzahl von je sechs Kreisen vorgegeben, im Bezirk Pfäffikon sind es vier.

Gestern Donnerstag hat die Regierung mitgeteilt, dass diese Änderungen Mitte 2010 in Kraft treten sollen. Auf diesen Zeitpunkt hat er das Einführungsgesetz zum Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs festgesetzt.

Tösstaler Kreis mit nur 2200 Fällen

Schon Ende Oktober läuft für die Gemeinden eine wichtige Frist ab: Sie müssen nach Zürich melden, mit wem sie künftig im Betreibungswesen zusammenspannen wollen (siehe Karte).

Der Bezirk Pfäffikon hat sein Papier bereits abgeliefert. «Der Gemeindepräsidentenverband hat den Prozess begleitet und die gemeinsame Empfehlung jetzt im Namen der Gemeinden nach Zürich geschickt», sagt der Sekretär des Verbandes, der Pfäffiker Gemeindeschreiber Hanspeter Thoma. Die zwölf Gemeinden haben sich auf drei Kreise geeignet: Illnau-Effretikon spannt mit Lindau und Kyburg zusammen, Pfäffikon betreut künftig auch die Fälle aus Fehraltorf, Russikon, Hittnau und Weisslingen. Den dritten Betreibungskreis bilden schliesslich die vier Tösstaler Gemeinden Wila, Bauma, Sternenberg und Wildberg. Die drei erstgenannten teilen sich schon heute die Betreibungsbeamtin und haben ein gemeinsames Büro in Wila. Wildberg stösst neu dazu. Dieser Tösstaler Betreibungskreis erfüllt allerdings die Mindestvorgabe des Kantons zu den Fallzahlen nicht. Im Durchschnitt der letzten fünf Jahre waren es in allen vier Gemeinden zusammen nur gut 2200 Betreibungsfälle. Die Regierung hat allerdings eingeräumt, sie könne auch von der 3000-Fälle-Regel abweichen. Sie denkt dabei vor allem an geografische Gegebenheiten. Das Betreibungsamt soll für die Bürger aller beteiligten Gemeinden gut erreichbar sein.

Grüninger wollen nicht nach Hinwil

Gerade diese schlechte Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln sorgt im Bezirk Hinwil für Komplikationen. Die Grüninger nämlich sollten gemäss dem Vorschlag einer Arbeitsgruppe des Gemeindepräsidentenverbandes wie die Gossauer ab 2010 nach Hinwil aufs Betreibungsamt. Das passt ihnen aber gar nicht. «Wir haben keinerlei direkte Beziehungen zum Bezirkshauptort», sagt die Grüninger Gemeindeschreiberin Yvonne Cassol. Viel lieber würden sie in Gossau oder Wetzikon eine Amtsstelle aufsuchen. In die Unzufriedenheit mischt sich aber auch ein grundsätzlicher Groll: «Wir finden es nicht gut, dass wieder ein Stück Service public aus der eigenen Gemeinde verschwinden soll», sagt Cassol. Ähnlich hat sich kürzlich auch der Gemeinderat Fehraltorf geäussert. Noch hat der Gemeinderat Grüningen nicht entschieden, wo sich die Gemeinde anschliessen will.

Die übrigen drei Hinwiler Kreise bilden voraussichtlich Bubikon/Dürnten/Rüti, dann Fischenthal/Wald und schliesslich Wetzikon/Seegräben/Bäretswil. Bubikon hat sich schon vor zweieinhalb Jahren dem Betreibungsamt Rüti angeschlossen. «Mit sehr guten Erfahrungen», wie der Bubiker Gemeindeschreiber Matthias Willener sagt. Der Nachteil, dass der Betreibungsbeamte nicht mehr im eigenen Dorf arbeite, werde mehr als aufgewogen durch den Umstand, dass das Amt jetzt während der vollen Bürozeiten zugänglich sei. Der letzte Bubiker Betreibungsbeamte habe den Schalter jeweils nur eine Stunde pro Tag offen gehalten. Kommt ein weiterer Vorteil dazu: Wer in der grossen Nachbargemeinde das wenig beliebte Amt besucht, fällt damit weniger auf als im kleinen Dorf.

Egg und Mönchaltorf im Duo

Bleibt der Bezirk Uster. Die Besonderheit hier: Egg und Mönchaltorf wollen ein Duo bilden, welches gemäss kantonaler Vorgabe zu wenig Fälle aufweist (rund 2000). «Wir Egger wollen weder nach Uster noch nach Maur aufs Betreibungsamt», sagt Gemeindeschreiber Tobias Zerobin. Und auch die Mönchaltorfer arbeiteten lieber mit Egg als mit Uster zusammen. Beide Gemeinderäte hoffen auf das Einverständnis des Kantons.

Uster bearbeitet dafür künftig auch die Betreibungen aus Greifensee. Fällanden übernimmt jene seiner beiden Nachbargemeinden Schwerzenbach und Maur. Im grossen Fällander Gemeindehaus gibt es genügend Platz für das vergrösserte Amt. Volketswil bleibt mit seinem Betreibungsamt selbstständig. Und Wangen-Brüttisellen schliesst sich voraussichtlich dem Betreibungsamt Dübendorf an. Den endgültigen Entscheid über die Betreibungskreise fällt der Regierungsrat. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.10.2008, 22:05 Uhr

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