Küsnachter Papeteriediebin wird vom Gericht gebüsst

Die Frau, die in Küsnacht Papeteriewaren stahl, wurde verurteilt – hauptsächlich wegen glaubhafter Zeugenaussagen.

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Der heimliche Griff in die Verkaufsregale einer Küsnachter Papeterie ist einer 31-jährigen Frau aus Serbien zum Verhängnis geworden. Die Angestellten der Küsnachter Papeterie Köhler ertappten die Frau, die seit drei Jahren in der Schweiz lebt, 2006 auf frischer Tat. In ihrer Tasche hatte sie Gegenstände im Wert von fast 350 Franken – Kinderspielsachen sowie Haushalts- und Papeterieartikel. Sie hatte sich bedient, ohne dafür zu bezahlen.

Vor Gericht hatte sie dann alles abgestritten. Den Fluchtversuch, den sie unternommen hatte, als sie ertappt worden war, erklärte sie so: «Weil ich nicht Deutsch kann, wollte ich meinen Mann anrufen», liess sie über die Dolmetscherin verlauten. Dieselbe Antwort gab sie vor den Meilemer Bezirksrichtern auf die Frage, weshalb sie der Polizei falsche Personalien angegeben habe. Sie sei in Panik geraten, weil sie nicht verstanden habe, was um sie herum vorgehe. Die Frau vermochte die Richter aber nicht von ihrer Unschuld zu überzeugen: Sie erhielt eine bedingte Geldstrafe von 560 Franken sowie eine Busse von 300 Franken. Zudem werden ihr die Gerichtsgebühren von 800 Franken auferlegt.

«Glaubwürdige» Widersprüche

In der Urteilsbegründung hält das Gericht nun fest, wie es zum Schuldspruch gekommen ist. Die wichtigste Zeugin, eine Ladendetektivin, hatte beobachtet, wie die Angeklagte in der Papeterie Gegenstände zuerst auf ihren Kinderwagen gelegt und dann nach und nach in ihre blaue Tasche gesteckt hatte. Diese sei immer voluminöser geworden. Darauf habe sie die Angeklagte angesprochen, sie ins Büro des Geschäftsführers gebeten, die Tasche vom Wagen genommen und ins Büro getragen.

«Die Aussagen der Zeugin enthalten eine Fülle von farbigen, lebendigen, in sich stimmigen Details», schreiben die Richter. Sie wichen zwar in den Befragungen durch die Polizei und die Staatsanwaltschaft 16 Monate später in einzelnen Punkten voneinander ab, seien aber im Kern immer gleich geblieben. Auch die Aussagen der anderen Zeuginnen beurteilten die Richter als glaubwürdig. Die Tatsache, «dass die Aussagen gerade nicht in allen Nebenpunkten übereinstimmen», spreche für und nicht gegen deren Zuverlässigkeit: «Bei allzu übereinstimmenden Aussagen bestände nämlich der Verdacht eines Komplotts gegen die Angeklagte.»

«Reine Schutzbehauptungen»

Die Darstellung der Angeklagten bezeichnen die Richter als lebensfremd. Sie hatte ausweichend und unklar geantwortet und behauptet, die gestohlenen Gegenstände seien ihr untergeschoben worden. Im Licht der Zeugenaussagen erscheine dies als reine Schutzbehauptung.

Milde liessen die Richter insofern walten, als sie die Geldstrafe bedingt aussprachen. Die Frau, die als Gartenarbeiterin in der Firma ihres Mannes arbeite, lebe in stabilen finanziellen Verhältnissen. Die Rückfallgefahr sei gering.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.08.2008, 07:32 Uhr

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