Lamm verendet: Züchter wird der Vernachlässigung bezichtigt

Am Dienstag starb auf einer Weide in einem Wädenswiler Einfamilienhaus-Quartier ein Lamm. Vernachlässigung, sagen die Nachbarn. Das sei die Natur, sagt der Besitzer.

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Die etwa 400 Quadratme­ter grosse Weide liegt zwischen schönen alten Häusern. Unter Apfelbäumen grast eine kleine Schafherde: fünf ausgewach­sene Tiere und zwei Lämmer.

Am Dienstag waren es noch drei Jungtiere. Eines der knapp zwei Wochen alten Lämmer ist am Dienstagabend ge­storben. Vorher habe es kläglich «ge­weint», die ganze Nacht und auch tags­über, erzählt eine Anwohnerin. Die Mut­ter habe das Tier verstossen. Kinder aus dem Quartier seien am Zaun gestanden. Nachbarn hätten Wasser gebracht. Der Besitzer der Schafe war nicht ausfindig zu machen. Schliesslich verständigte Schärer das Veterinäramt. Dieses bot Bezirkstier­arzt Martin Jäger auf. Aber es war schon zu spät: Das Jungtier war zu geschwächt. Es starb am Dienstagabend um 20 Uhr.

Happige Vorwürde an die Adresse des Züchters

Laut der Anwohnerin war es nicht das erste Tier, das auf der Weide am Fuhrweg sein Leben lassen musste. Der Halter ver­nachlässige die Tiere. Er tauche tagelang nicht auf, kümmere sich nicht um sie. «Das ist eine grobe Vernachlässigung.» Die tier­liebende Frau kreidet dem Besit­zer auch an, dass er die knapp wöchigen Lämmer just am ersten August auf die Weide gebracht habe – kurz bevor der Lärm von Feuerwerk einsetzte. «Die Knal­lerei hat die Jungen völlig verstört.» Ein weiterer Vorwurf, den sie dem Besitzer der Schafe macht: Die Tiere hätten weder Unterstand noch Tränke.

Besitzer der Schafe ist Jakob Fleisch­mann. Er lebt auf dem Wädenswiler Berg, arbeitet als Metzger und im Gartenbau. Das Halten der rund hundert Schafe sei für ihn ein Nebenerwerb. Natürlich sei es traurig, wenn ein Lamm sterbe, sagt er. Er sehe das aber anders als «die Leute in der Stadt».

«Ich habe nichts zu verbergen»

Er verstehe auch, dass sich die Anwohner vom Fuhrweg Sorgen gemacht hätten. Er weist die Schuld jedoch von sich. «Ich habe nichts zu verbergen.» Er bestreitet, dass das Jungtier am Fuhrweg von der Mutter ver­stossen worden sei. «Das wäre sonst be­reits am ersten Tag geschehen.» Mutter und Nachwuchs hätten die erste Woche im Stall verbracht. «Vielleicht hatte es eine innere Verletzung.» Er erinnere sich nicht daran, dass früher bereits Tiere auf dieser Weide gestorben seien.

Es komme ab und an vor, dass ein Tier sterbe oder krank werde, etwa 5 bis 6 Mal pro Jahr, sagt der Schafbesitzer. Ein häufi­ger Grund seien Würmer. «Wir tun unser Möglichstes, um den Tieren zu helfen», sagt Fleischmann. Den Gang zum Tierarzt überlege er sich aber jeweils genau.

Bäume bieten Schutz vor der Sonne

Zurzeit befinden sich Fleischmanns Schafe auf fünf verschiedenen Weiden. Er lässt den Vorwurf der Vernachlässigung nicht gelten. Er kontrolliere jede Herde alle zwei Tage. Die Tiere hätten genug zu trinken. Ausserdem wären die Jungtiere am ersten August überall dem Lärm ausge­setzt gewesen.

Laut dem Veterinäramt benötigen Schafe in Weidehaltung als Schutz vor Sonnenstrahlung und Hitze einen natürli­chen oder künstlichen Unterstand – den haben die Schafe am Fuhrweg durch die verschiedenen Obstbäume auf der Wiese.

Tod trotz tierärztlicher Versorgung

Das Veterinäramt reagiert auf Be­schwerden wie auf jene vom Dienstag. Kantonstierärztin Regula Vogel sagt, die Tierhaltung am Fuhrweg sei noch am glei­chen Nachmittag kontrolliert, und das kranke Lamm sei tierärztlich versorgt worden. «Was leider den Tod des Tieres nicht verhindern konnte.» Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, machte Vogel keine Angaben zu mköglichen Konsequenzen oder allfälliger früherer Beschwerden gegen Fleischmann.

Das Veterinäramt kann im Extremfall Personen das Halten von Tieren verbie­ten, wenn sie gegen das Tierschutzgesetz verstossen oder wegen einer psychischen Beeinträchtigung nicht in der Lage sind, ein Tier zu halten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.08.2008, 15:04 Uhr

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