Mach mal richtig Pause! Bund rügt VZO

Ohne die vorgeschriebene Pause waren die Chauffeure der VZO zum Teil fünf Stunden lang unterwegs. Die Gewerkschaft hat interveniert, die VZO müssen mehr Chauffeure einstellen.

Beim Bahnhof Stäfa müssen die Chauffeure der VZO jeweils 20 Minuten auf Anschluss warten.

Beim Bahnhof Stäfa müssen die Chauffeure der VZO jeweils 20 Minuten auf Anschluss warten. Bild: Michael Trost

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Die Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland (VZO) müssen ihre Arbeitspläne im Auftrag des Bundesamts für Verkehr korrigieren. Fünfstündige Dienste ohne die vorgeschriebene Pause von einer halben Stunde sind nicht mehr erlaubt. Denn die Vorgaben im Arbeitszeitgesetz sind klar: «Eine Pause soll mindestens 30 Minuten dauern», heisst es dort unter Artikel 7.

Die VZO hatten es mit dieser Regelung nicht so streng genommen. In Stäfa hatten die Chauffeure etwa einen fünfstündigen Innerortsdienst, während dessen sie am Bahnhof viermal 20 Minuten auf den Anschluss warten mussten. In den Augen der VZO reichten diese Pausen aus – die Mitarbeitenden seien auch immer damit einverstanden gewesen, wie Direktor Werner Trachsel betont. Neu muss eine weitere Pause von 30 Minuten dazukommen.

VZO sind sich keiner Schuld bewusst

Eingegriffen hat das Bundesamt für Verkehr wegen einer Beschwerde der Gewerkschaft des Eisenbahn- und Verkehrspersonals (SEV). Die Gewerkschaft war von zwei Chauffeuren darauf hingewiesen worden, dass einzelne Dienste gegen die Vorschriften verstossen. Weil VZO-Direktor Werner Trachsel nicht von sich aus einlenkte, gelangte die Gewerkschaft – nach langen Diskussionen im Vorstand – ans Bundesamt. Und bekam im August Recht.

Seit Anfang September setzen die VZO deshalb eine Art Springer ein, der seine Kollegen ablöst, damit diese die vorgeschriebene Pause von 30 Minuten einlösen können. Auf den Fahrplanwechsel im Dezember gilt ein neuer Dienstplan, in dem die Pausen enthalten sind. Damit das Arbeitszeitgesetz künftig eingehalten werden kann, müssen die VZO vier bis fünf neue Chauffeure einstellen. Insgesamt rechnet Werner Trachsel mit Mehrkosten von rund 500'000 Franken pro Jahr. Die Geschäftsleitung der VZO ist sich betreffend der Arbeitszeiten und Pausen keiner Schuld bewusst. Im Gegenteil: «Wir waren immer überzeugt, dass unsere Regelung rechtens ist», sagt Trachsel. Das Bundesamt für Verkehr lege das Arbeitszeitgesetz seit neustem strenger aus, erklärt er die Zurechtweisung von oben. «Interne Abmachungen werden nicht mehr toleriert.» Denn zuvor hätten die VZO ihre Dienste jeweils mit den Chauffeuren und Gewerkschaftsvertretern abgesprochen. Längere Pausen seien nie ein Thema gewesen. «Für die Chauffeure ist es angenehmer, während der Fahrt mehrmals eine kurze Pause von 20 Minuten zu haben, als eine lange von 30 Minuten», ist Werner Trachsel sicher. Die Verkehrssicherheit sei dadurch nie gefährdet gewesen. «Wir haben immer darauf geachtet, dass unsere Chauffeure genügend Pausen hatten.»

«Hartnäckigkeit lohnt sich»

Für die Gewerkschaft ist der Entscheid des Bundesamts für Verkehr wichtig. «Er zeigt, dass sich Hartnäckigkeit lohnt und dass im öffentlichen Verkehr die Sicherheit und die Gesundheit des Personals an erster Stelle stehen müssen», schreibt Gewerkschaftssekretärin Regula Bieri.

Da mit der VZO-Direktion keine einvernehmliche Lösung möglich gewesen sei, sei dem Schweizerischen Eisenbahn- und Verkehrspersonal-Verband nur noch der eingeschlagene Weg geblieben, um die Sicherheit für alle Fahrgäste zu gewährleisten und um für die kommende Fahrplanperiode eine klare Ausgangslage zu haben. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.09.2008, 11:11 Uhr

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