Mehr Krippenplätze in reichen Gemeinden

Die Zahl der Krippenplätze im Bezirk Meilen ist in den letzten Jahren gestiegen. Die Nachfrage danach aber ebenfalls.

In den vergangenen Jahren wurden in der Region viele neue Krippenplätze geschaffen. Trotzdem gibt es noch immer Wartelisten.

In den vergangenen Jahren wurden in der Region viele neue Krippenplätze geschaffen. Trotzdem gibt es noch immer Wartelisten. Bild: Esther Michel

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Das Angebot an Krippenplätzen hat im Bezirk Meilen in den letzten Jahren besonders stark zugenommen. Das zeigen die neusten Zahlen des Statistischen Amts. Auf jedes achte Kind im Vorschulalter kommt im Kanton ein Betreuungsplatz. Noch besser ist das Angebot in einzelnen Gemeinden an der Goldküste – vor allem in den stadtnahen Gemeinden, in denen viele berufstätige Leute mit hohem Einkommen leben. In Zollikon etwa gibt es schon bald für jedes vierte Kind einen Platz in der Krippe, und auch in Uetikon, Zumikon, Küsnacht und Meilen liegt das Angebot über dem kantonalen Mittel.

Besonders in Uetikon hat sich in den letzten Jahren viel getan. 2004 gab es im Dorf lediglich für jedes fünfzehnte Kind einen Krippenplatz, im vergangenen Jahr schon fast für jedes fünfte. Der Grund für die verbesserte Situation liegt beim Ausbau der Kinderkrippe Tatzelwurm, die von einem Verein getragen und von der Gemeinde unterstützt wird.

Bei ihrer Gründung vor sieben Jahren bot die Krippe nur 20 Plätze – diese waren sofort vergeben. Wegen der langen Warteliste erweiterte die Kinderkrippe 2004 ihr Angebot um 12 auf 32 Plätze. Zusammen mit anderen familienergänzenden Angeboten wie dem Tagesmütterverein, der Spielgruppe oder dem Eltern-Kind-Zentrum habe Uetikon inzwischen ein gutes Angebot, und die Zusammenarbeit zwischen dem Hort, der Gemeinde und der Schule funktioniere vorbildlich, sagt Krippenleiterin Caroline Mathis. Trotzdem bleibe die Nachfrage in Uetikon gross: «Wir führen noch immer eine Warteliste.»

Keine Krippe in Oetwil

Auch wenn Angebot und Nachfrage noch in einem Missverhältnis stehen: Von den Uetiker Bedingungen dürften viele Gemeinden am See träumen. In Oetwil etwa gibt es keine einzige Kinderkrippe. Mehr noch: Die finanzschwache Gemeinde ist die einzige im Bezirk, die kein Geld für die Betreuung von Kindern im Vorschulalter aufwendet. Anders Herrliberg, Zumikon, Männedorf oder Uetikon: Dort gibt die Gemeinde jährlich über 600 Franken pro Kind aus.

Allerdings ist das Engagement der Gemeinden nicht allein ausschlaggebend, wie gut das Angebot an Krippenplätzen ist. Vielerorts sind die Subventionen der öffentlichen Hand pro Kind sogar rückläufig, dafür kümmern sich Private verstärkt um die Betreuung. Gerade in Zollikon ist das augenfällig: Verglichen mit anderen Gemeinden im Bezirk sind die 276 Franken, die die Zolliker pro Jahr und Kind für Betreuungsangebote zahlen, bescheiden. Trotzdem hat Zollikon am meisten Krippenplätze im Bezirk – dank privaten Anbietern wie dem Bienehuus, die ohne finanzielle Unterstützung der Gemeinde arbeiten.

Überhaupt ist nicht nur das Geld für die Zunahme an Plätzen ausschlaggebend, sondern auch das bessere Image der Krippen: «Heute ist die Krippe in der Gesellschaft besser akzeptiert als früher», glaubt Caroline Mathis. «Natürlich», räumt sie ein, «gibt es immer noch Leute, die das Gefühl haben, die Kinder werden einfach in die Krippe abgeschoben.» Das stimme aber nicht. Denn die meisten Kinder würden die Krippe nicht fünf Tage, sondern nur zwei bis drei Tage pro Woche besuchen. Ausserdem habe sich in den letzten Jahren die Betreuung massiv verbessert. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.10.2008, 21:58 Uhr

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