Mit dem Dampfzug von Bauma nach Hinwil

In Bauma konkurrierten Modelleisenbahnen und Originale um Hunderte von Zuschauern. Nicht nur eingefleischte Fans waren fasziniert.

In den Augen der Zuschauer ist die Schwyz ein Schönheitsmodell. Die Gelegenheit, sie in Bauma vor die Linse zu bekommen, ist selten.

In den Augen der Zuschauer ist die Schwyz ein Schönheitsmodell. Die Gelegenheit, sie in Bauma vor die Linse zu bekommen, ist selten. Bild: Peter Würmli

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«Wegen ihr sind die meisten Leute hier», erklärt Veranstalter Hugo Wenger stolz und deutet auf die Schwyz. Die alte Dampflokomotive thront auf den Gleisen und strahlt ehrwürdig. 1887 gebaut, war sie jahrelang für die Südostbahn unterwegs. Heute steht sie in Bauma und ist der Star des Tages. Amateurfotografen versuchen sie von allen Seiten ins beste Licht zu rücken, Kinder staunen über den dichten Rauch, der aus allen Löchern quillt.

Dann ruft die Schwyz plötzlich mit lautem Pfiff zum Einsteigen. Langsam setzt sich die alte Dame in Bewegung, die Fahrgäste in den angehängten Waggons winken. Grosse Kinderaugen pieksen durch die Scheibe, neben ihnen stehen strahlende Grosseltern.

Schaffner mit Mütze und Trillerpfeife

Mehrmals fährt der Dampfzug am Wochenende von Bauma nach Hinwil. Und einige elektrische Züge transportieren ihre Gäste um den Bachtel. Eine weitere grosse Attraktion ist die Seetalbahn, die den thematischen Schwerpunkt des Anlasses bildet. Um die Wende zum 20. Jahrhundert verkehrte sie im luzernisch-aargauischen Seetal. Zwei der Wagen von damals sind heute in Obhut des Dampfbahnvereins Zürcher Oberland (DVZO), sie waren am Wochenende ebenfalls in Bauma zu bestaunen.

Hugo Wenger ist Präsident des DVZO. Der Verein ist für seine umfangreiche Sammlung auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Wenn die Oberländer zum Fahrzeugtreffen laden – dann kommt man. In Scharen. Und diesmal eben nach Bauma. Die örtlichen Hotels sind allesamt ausverkauft, und dieser Andrang ist nicht unbegründet. Die Bahnen, die es zu bestaunen gibt, haben Seltenheitswert und beeindrucken nicht nur eingefleischte Eisenbähnler. «Wir sind vor allem wegen der Kinder hier», erklärt etwa ein junges Paar aus Meilen, dessen zwei Jungs fasziniert die Lokomotive fixieren.

So ging es auch vielen anderen Familien. Doch manche Besucher wirkten in ihrer Aufmachung vielmehr wie ein Teil der ganzen Inszenierung: Männer mit weissen Bärten, Hut und Nickelbrille spazierten zwischen den Waggons umher, Schaffner mit Mütze und Trillerpfeife kündigten Abfahrten an.

Das Fahrzeugtreffen war offiziell nur als Begleitveranstaltung für die «Plattform der Kleinserie», einer Ausstellung von Modelleisenbahnen, angekündigt. Zumindest was die breite Öffentlichkeit anging, verhielt es sich jedoch eher umgekehrt. Die Ausstellung im Schulhaus Altlandenberg war zwar gut besucht und gilt schweizweit als grösste Ausstellung ihrer Art, dennoch vermittelte sie eher ein gehobenes Ambiente und lockte vor allem Fachleute an. Um die glänzenden Vitrinen und frisch polierten Waggons wurde kräftig gefachsimpelt, für einige millimetergrosse Metallteilchen liess ein richtiger Fan gerne mal 100 Franken liegen.

Die mehrstöckige Ausstellung hatte viel zu bieten, und es fällt leicht zu glauben, dass man sich dort stundenlang verlieren konnte. Dennoch: Manch ein Besucher machte am Eingang kehrt, als er den Eintrittspreis von acht Franken bemerkte. «Das ist eben eher etwas für die Vergifteten», erklärte ein Vater seinem Jungen, der ihn daraufhin schockiert anstarrte. «Vergiftet?» Der Vater tätschelte seinem Nachwuchs lachend den Kopf. «Komm, wir sehen uns lieber die richtigen Eisenbahnen an.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.10.2008, 22:15 Uhr

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