«Mit dem eigenen Flieger steigt das Adrenalin»

Der Dielsdorfer Pierre Bartholdi baut seit bald 40 Jahren Modellflieger. Am Sonntag findet der Flugtag seines Vereins in Schöfflisdorf statt.

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«Bereits als Sekundarschüler habe ich Fesselflieger gebaut. Mit dem Aufkommen moderner Fernsteuerungen bin ich mit 26 Jahren wieder in den Modellflug eingestiegen», erzählt Pierre Bartholdi, Mitglied der Modellfluggruppe Wehntal. «Viele technikinteressierte junge Männer haben sich damals mit der Modellfliegerei beschäftigt. Es gab ja noch keine Computer und dergleichen.»

Die meisten Modellflugzeugbauer haben zwei Leidenschaften: Sie sind begeisterte Handwerker und lieben die Fliegerei. «Die Modellfliegerei ist eine Brutstätte, in der viele vom Fliegervirus infiziert worden sind», so Bartholdi. Gebaut werden die Flieger aus Balsaholz, das sehr leicht ist. Oft wird auch Glasfaser- oder Kohlenfaserkunststoff verwendet. Und wer für sein Hobby sehr viel Geld ausgeben will, verwendet Keflar. «Mit Holz zu bauen, macht mir jedoch am meisten Freude, da es ein sehr angenehmes Material ist», sagt Bartholdi. Aber auch in seiner Werkstatt stehen Flieger aus Kunststoff.

Viel Arbeit steigert den Spass

Nur wenige Modellfliegerfans bauen oder fliegen ausschliesslich. «Wobei in letzter Zeit jene, die nur fliegen, zugelegt haben, da man unterdessen die verschiedensten Flugzeuge praktisch fertig kaufen kann. Früher musste man sie bauen.» Als Einsteiger ist man mit einer Fernsteuerung zwischen 300 und 500 Franken gut dabei. Die günstigsten Flugzeugmodelle kosten wenige Franken. Wers hat, kann aber beliebig viel Geld ausgeben. Ein schöner Modelljet hat den Preis eines Kleinwagens.

Fertige Modelle hat auch Bartholdi schon gekauft. So zum Beispiel einen blauen Styroporflieger. Der Spass daran ist aber weit weniger gross, als wenn man unzählige Stunden am eigenen Modell gearbeitet hat. «Mit dem eigenen Flieger steigt auch das Adrenalin, weil ein Absturz viel Arbeit und Herzblut zunichte machen kann.» Nicht immer enden Crashs mit einem Totalschaden. Oft lassen sie sich reparieren. «Meistens ist man als Pilot selbst schuld am Absturz.» Steuerfehler seien die häufigste Absturzursache, und diese Erfahrung mache jeder Pilot. Nicht nur einmal. Auch er selbst, sagt Bartholdi.

Während man früher die Frequenzen auf einem Flugplatz genau zuteilen musste, damit man sich gegenseitig nicht reinfunkte, ist dies bei den neueren Steuerungen nicht mehr notwendig. Technische Innovation hat auch dazu geführt, dass seit drei Jahren bei immer mehr Modellflugzeugen Elektro- und nicht mehr Verbrennungsmotoren eingebaut werden. Die neuen Lithium-Polymer-Batterien, die bei gleichem Gewicht mehr Energie speichern als früher, haben zu dieser Umstellung geführt. Diese ist nicht zu überhören: Elektromotoren sind viel leiser als Verbrennungsmotoren.

Langjähriges Engagement

Bartholdi ist seit 1974 Mitglied der Modellfluggruppe Wehntal. Fast zehn Jahre amtete er als Präsident. Heute ist er als Kassier tätig. Zudem ist er in der Modellflugregion Nordostschweiz im Vorstand für die Kommunikation und die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Pro Woche investiert er etwa zehn Stunden in die Modellfliegerei. «Es gab Zeiten, da waren es weit mehr. Man muss eine tolerante Frau haben, die ebenfalls ein Hobby hat, sonst kann es Probleme geben», schmunzelt der Dielsdorfer. Seine Frau ist passionierte Gärtnerin.

Der Samstag ist bei Bartholdi fix verbucht. Da steht er auf dem Flugplatz der Modellfluggruppe Wehntal unweit der BMW in Dielsdorf. Und mit ihm ein Dutzend weitere Vereinsmitglieder, vom Primarschüler bis zum Rentner. Am Sonntag wird nie geflogen, aus Rücksicht auf die Bewohner in der Umgebung des «Dielsdorfer Flugplatzes». Über den Bauern kreisen jeweils Segel- und Motorflieger sowie Helikopter. Zum Teil handelt es sich um Nachbauten von bestehenden Originalen. Je nach Aufwand gleichen sie den Vorbildern mehr oder weniger.

Bartholdi hat sein Meisterstück, eine Bücker Jungmeister, im Massstab 1:3 exakt dem Original im Fliegermuseum Dübendorf nachgebildet. Er hat, mit Unterbrüchen, von 1989 bis 2006 daran gebaut, die Stunden hat er nicht gezählt. Im Cockpit des knallgelben Doppeldeckers, dessen grosser Bruder zwischen den Weltkriegen entwickelt und gebaut worden ist, sehen die Armaturen gleich aus wie bei der originalen Maschine. Mit 2,2 Meter Flügelspannweite und 15 Kilo Gewicht ist Bartholdis Bücker Jungmeister gross, aber nicht riesig. «Ich bin kein Fan des Gigantismus.» In der Regel wiegen die Modelle zwischen 15 und 20 Kilogramm. Es gibt jedoch solche, welche die gleichen Masse haben wie die originalen Flugzeuge. Allerdings benötigt man für einen Modellflieger ab 30 Kilogramm eine Bewilligung und eine spezielle Versicherung.

Am Sonntag wird am Flugtag der Modellfluggruppe in Schöfflisdorf die Vielfalt des Modellfluges vorgeführt. Das Flugprogramm, das Vorführungen von Segelflugzeugen, Helikoptern bis zu Jets mit Düsentriebwerken umfasst, wird seit 15 Jahren von Bartholdi organisiert. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.08.2008, 21:41 Uhr

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