Mit der Luftgitarre zu Ruhm und 50 Franken

Am Dübendorfer Dorffest messen sich Amateure im Luftgitarrespielen. Organisiert wird der Anlass von einem Profi: Dem 18-jährigen Raphael Fawer. Und der plant schon weiter.

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Normalerweise spielen Luftgitarristen ihr imaginäres Instrument nur im Untergrund: als Zuschauer an einem Heavy-Metal-Konzert, in einschlägigen Discos, zu Hause vor dem Spiegel. Am Dübendorfer Dorffest sollen sie nun ins Scheinwerferlicht treten. Denn in der Nacht vom 6. auf den 7. September findet im Festzelt des Eishockeyklubs Dübendorf (EHCD) eine Luftgitarren-Meisterschaft statt. Die Idee dazu entstand an einem bierseligen Abend an der Sommerbar des EHCD, als der Dübendorfer Raphael Fawer von seiner Leidenschaft, dem Luftgitarrespielen, berichtete.

Der 18-Jährige ist ein Profi und in der Szene bestens bekannt. Am letztjährigen Züri-Fäscht qualifizierte er sich souverän für die Schweizer Meisterschaft am Heitere Openair in Zofingen, wo er die 2000 Zuschauer mit irrwitzigen Soli und seinem nackten Hintern begeisterte, auf dem achten Platz die Teilnahme an der Weltmeisterschaft im finnischen Oulu dann aber doch verpasste (der TA berichtete).

Luft-Roadies helfen den Gitarristen

Nun will Fawer dem Nachwuchs eine Chance geben, sein Können vor Publikum zu präsentieren. Spezielle Vorkenntnisse seien nicht nötig, sagt der gelernte Koch. Schliesslich gehe es nur um den Spass. Etwas Mut gehöre aber schon dazu, denn man könne sich auf der Bühne ja nicht mal an einem Instrument festhalten - «und das Festzelt wird voll sein», ist er überzeugt. Zehn bis zwölf Luftgitarristen können am Wettbewerb teilnehmen. Fawer ist zuversichtlich, dass sich genügend Leute anmelden werden. «Ansonsten trommle ich mir die Leute halt am Fest zusammen. Wenn mit dem Alkohol die Hemmungen fallen, wird das kein Problem sein.»

Auch wenn der Spass im Vordergrund steht: Die Leistungen der Teilnehmer werden nach den international verbindlichen Richtlinien von Airguitar Schweiz, der Dachorganisation hiesiger Luftgitarristen, bewertet. Ausschlaggebend für den Sieg sind Kriterien wie Originalität, Ausdruck, Charisma oder technische Fähigkeiten. Das Stimmen der Luftgitarre ist ebenso erlaubt wie Luft-Roadies, die einem beim Tragen des Instruments helfen. «Man muss einfach eine gute Show machen und etwas Spezielles bieten, zum Beispiel die Gitarre verschlucken», schmunzelt Fawer. Die Teilnehmer spielen in einer ersten Runde eine Minute lang zu einem Song nach Wahl. Die besten qualifizieren sich für den Final, wo sie ihre Luftgitarre zwei Mal eine Minute zu einem vorgegebenen Stück quälen werden. Der Sieger erhält 50 Franken, für alle anderen gibts ein Bier.

Chef der Sportanlagen in der Jury

In der Jury sitzen neben Fawer der Basler Profi-Luftgitarrist Dirk Lüdi, ein Mitglied des Hockeyklubs, EHCD-Cheftrainer Christoph Schenk, sowie Fawers Vater Hans-Peter, der hauptberuflich Betriebsleiter der Sportanlagen im Chreis ist. Dass die Mehrheit der Jury nicht zur Szene gehört, erachtet Fawer nicht als Problem. «Sie alle mögen Rockmusik, und ich werde sie instruieren, worauf es ankommt.»

Raphael Fawer wird aber nicht nur als Preisrichter fungieren, sondern auch selber in die nicht vorhandenen Saiten greifen. Ausser Konkurrenz ist ein Doppelauftritt mit Kollege Lüdi geplant - für den Dübendorfer der erste öffentliche Auftritt seit einem Jahr. Eine Schweizer Meisterschaft findet heuer nicht statt, weil Airguitar Schweiz das Geld dazu fehlt. «So machen wir eben ein Jahr Pause», sagt Fawer, der 2009 die Regionalausscheidung Zürich/Ostschweiz organisiert. Und nicht nur das: Er will im kommenden Sommer die besten Luftgitarristen zum Final nach Dübendorf in die Eishalle im Chreis holen.

Als Rahmenprogramm zur Schweizer Meisterschaft sind Konzerte mit richtigen Musikern geplant. Und da sollen nicht nur Nachwuchsbands aufspielen, sondern Rocklegenden wie Uriah Heep oder Motörhead. «Airguitar Schweiz ist begeistert», freut sich Fawer. «Ich bin ziemlich sicher, dass es klappt.» Mit der Zuschauerrolle wird sich der Dübendorfer Luftgitarrist dann aber nicht mehr zufrieden geben. «Mein Ziel ist immer noch die Weltmeisterschaft.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.08.2008, 13:30 Uhr

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