Nachwuchs von «Ohne Rolf» heisst Rolf

Jonas Anderhub und Christof Wolfisberg sorgten als «Ohne Rolf» im Stadthofsaal Uster mit ihrem Programm Schreibhals für ausgelassene Stimmung.

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Überraschungen kann es im Programm Schreibhals der beiden Künstler Jonas Anderhub und Christof Wolfisberg eigentlich keine geben. Sie reden nämlich nicht. Manchmal singen sie zwar, aber reden tun sie nicht. Trotzdem kommunizieren sie lebhaft mit dem Publikum – mittels Hunderten von beschriebenen Plakaten. Für Improvisationen ist da logischerweise kein Platz mehr. Die Plakate sind gedruckt, was soll da noch passieren? Darauf weist auch Christoph hin, als er von Jonas dazu aufgefordert wird, ein wenig zu improvisieren. Jonas hat sich aus der Vorstellung davon geschlichen und sucht sein verschwundenes «Herzlich Willkommen Plakat». Das Christoph dann trotzdem improvisieren kann, das ist das geniale am Programm der beiden.

Genial ist auch ihr Einfall, das Publikum ins Programm einzubeziehen. Sie teilen die Zuschauer kurzerhand in zwei gleich grosse Gruppen auf und lassen sie (wortlos und ohne einen Ton) singend gegeneinander antreten. Statt zu singen halten die Zuhörer einfach Plakate in die Höhe. Das sieht nicht nur gut aus, sondern hat auch den Vorteil dass alle gleich gut – oder schlecht – singen.

An Ideen mangelt es den beiden schwarz gekleideten Herren auf der Bühne sicher nicht. Sie spielen mit Worten und den Gedanken des Publikums, sind ihnen im entscheidenden Moment immer einen Gedankengang voraus und sorgen damit für Überraschungen. Bei der Suche nach einem Namen für das Baby, dass schliesslich Rolf getauft wird, lautet ein Namensvorschlag «Alain». Christof wehrt ab: Dann ist er immer alleine. Und das wollen sie dem Kleinen dann doch nicht antun, auch wenn er andauernd beisst und unübersehbar Bäääähhh schreit. Keine plakativen Äusserungen sondert im Stück Schreibhals eigentlich nur der Hund Tip-Ex ab. Ein zur Rasse Japanischer Recorder zählenden Gattung, die bellt, knurrt und mit der Antenne wackelt. Ein liebenswertes Geschöpf, dass wie Jonas, Christof und Rolf die Herzen des Publikums im Sturm erobert an diesem Abend. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.09.2008, 20:45 Uhr

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