Naturschützer kämpfen gegen Schiessabfall

18 Tonnen Tontauben-Scherben bleiben jedes Jahr auf dem Gelände der Jagdschiessanlage Au in Embrach liegen. Dagegen wehrt sich der Verein Pro Tössauen, der heute gegründet wird.

Nicht das Herbstlaub, sondern tonnenweise Tontauben-Scherben bedecken den Waldboden. Ex-Kantonsrätin Marianne Trüb Klingler will dies ändern.

Nicht das Herbstlaub, sondern tonnenweise Tontauben-Scherben bedecken den Waldboden. Ex-Kantonsrätin Marianne Trüb Klingler will dies ändern. Bild: David Baer

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Der Konflikt um die Jagdschiessanlage Au in Embrach begann 1991. Damals wurden in einer Interpellation im Kantonsrat Fragen gestellt zur Bodenbelastung mit Blei, zu Lärmbelastung und Sondermüll-Bewilligungen. Der Regierungsrat schrieb in seiner Antwort, es sei «umfassend dargestellt, dass die Schiessanlage die Umweltschutzauflagen erfüllt».

Erneut unter Beschuss geriet die 18,6 Hektar grosse Anlage 2003, nachdem die angrenzenden Tössauen ins Inventar des bundesrechtlich geschützten Auengebiets aufgenommen wurden. Vor allem die SP-Kantonsrätin Marianne Trüb Klingler kämpfte gegen die ihrer Ansicht nach ungenügende Kontrolle über die Schiessanlage.

Inzwischen ist die Dällikerin aus dem Kantonsrat ausgeschieden, doch ihren Kampf führt sie fort. So hat sie für heute Donnerstag Interessierte ins Restaurant Traube in Dättlikon eingeladen, um den Verein Pro Tössauen zu gründen. Dieser will den Betrieb der Jagdschiessanlage stark einschränken, zugunsten des Schutzes der Tössauen. Die wichtigsten Kritikpunkte betreffen dabei die verwendete Munition, vor allem das Bleischrot, die Tontauben und die Lärmemissionen.

3,9 kg Blei pro Quadratmeter

Bezüglich der Belastung durch Bleimunition schrieb der Regierungsrat 2004, dass bei einer Untersuchung auf der Anlage bis zu 3,9 Kilogramm Blei pro Quadratmeter gefunden wurden. Als Massnahme gegen diese hohe Belastung wurde die Anlage in verschiedene Belastungszonen eingeteilt, mit Nutzungs- und Zutrittsverboten. Auch wird kaum mehr mit Bleischrot geschossen. Eine Belastung der Auen könne zudem vermieden werden, da die Schützen das praxisnahe Schiessen entlang der Töss eingestellt hätten. Eine Aussage, welche die Dättlikerin Trüb Klingler anzweifelt: «Mir haben Anwohner berichtet, dass nach wie vor Schrot über die Auen in Richtung Freienstein fliegt. Aber das kann ich nicht belegen.»

Die Tontauben kamen in die Kritik, weil sie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) enthielten (siehe Kasten). Diese Tontauben sind inzwischen verboten, und die Jagdschützengesellschaft hält fest, dass man nur noch unbedenkliche Produkte verwende. Ein Streitpunkt ist auch die Beseitigung der Scherben. Der Regierungsrat bestätigte, dass von den jährlich benutzten 24 Tonnen Wurfkörpern lediglich 6 Tonnen mit einem Spezialsauggerät wieder eingesammelt würden. 18 Tonnen Scherben, vor allem im Waldgebiet, bleiben liegen, da diese nur von Hand entsorgt werden könnten. Für Marianne Trüb Klingler unverständlich, schliesslich müsse ansonsten jeder Verursacher seinen Müll vollständig beseitigen.

209 Schiesshalbtage

Ein Fragezeichen setzt Trüb auch hinter die jährlich erlaubten 209 Schiesshalbtage und 315'000 Schüsse. Da sich diese Schiesshalbtage auf die Monate März bis November beschränken, sei das Schiessen in dieser Zeit praktisch jeden Tag (ausser an Sonntagen) möglich. Auch hierzu hatte sie als Kantonsrätin eine Anfrage gestellt. Der Regierungsrat hatte in seiner Antwort festgehalten, dass die Embracher Anlage 1997 lärmrechtlich beurteilt worden sei und die Immissionsgrenzwerte einhalte. Ausserdem sei die Anlage unverzichtbar: Es gebe im Kanton nur noch zwei weitere Jagdschiessanlagen in Pfäffikon und Meilen. Bei diesen sei aber der Bereich für das jagdliche Schiessen deutlich kleiner.

Generell versteht Trüb Klingler nicht, weshalb der Kanton den Umwelt- und Lärmschutz der Eigenverantwortung der Jagdschützen überlasse. «Ansonsten muss man in jedem Restaurant damit rechnen, dass unangemeldete Überprüfungen stattfinden.» Auch sei viel versprochen worden – dann aber immer auf später vertröstet. Als Beispiel nennt sie das Betriebsreglement, welches für die Anlage in der Au Richtlinien für Reinigung und Entsorgung enthalten solle. Schon 2006 wurde ein solches Reglement in Aussicht gestellt, doch bis heute liegt erst ein Entwurf vor.

Wolfgang Bollack von der Medienstelle der zuständigen Baudirektion bestätigt, dass ein Betriebsreglement erst im Entwurf vorliege. Die Massnahmen bezüglich Munition und Tontauben würden aber bereits umgesetzt. Ausserdem «ist es sinnvoll, das Reglement erst fertigzustellen, wenn die altlastenrechtliche Klassierung vorliegt und allfällige Sanierungsmassnahmen festgelegt sind.» Zur Selbstdeklaration der Jagdschützen hält er fest, dass Eigenverantwortung ein Grundsatz für Betriebe und Anlagen sei. «Der Kanton hat jedoch Stichproben bezüglich der eingesetzten Tontauben durchgeführt. Sie haben gezeigt, dass Tontauben der neuesten Generation eingesetzt werden.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.09.2008, 09:03 Uhr

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