Neuer Stadtplatz: Das Betondach gehört dazu

Klotens Bevölkerung soll im Zentrum einen Begegnungsort erhalten. Den Stadtplatz gibt es aber nur mit einem Dach aus Beton – und das ist gut so.

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Sieben Jahre nach dem Swissair-Grounding herrscht Aufbruchstimmung in der Flughafenstadt Kloten. Das liegt nicht etwa an Unique, die angekündigt hat, am Fusse des Butzenbühl-Hügels im Osten des Flughafens 1 Milliarde zu verbauen. Gesprächsthema Nummer eins bei den Klotenern ist vielmehr der öffentliche Begegnungsort, der mitten im Stadtzentrum realisiert werden soll. Am 28. September stimmt der Souverän an der Urne über das Stadtplatz-Projekt eines Zürcher Architektenteams ab. Der Baukredit beträgt 9,1 Millionen Franken.

Die Klotener Stimmberechtigten haben es nun in der Hand, mit ihrem Ja zum Stadtplatz ein Signal zu setzen, das über die Gemeindegrenzen hinaus wahrgenommen würde: Es geht aufwärts mit der Flughafenstadt. Und die einheimische Bevölkerung erhielte endlich einen Treffpunkt, der diesen Namen auch verdient. Im Projektbeschrieb ist berechtigterweise vom Stadtplatz als einem «identitätsstiftenden, öffentlichen Raum» die Rede. Den hat die Stadt Kloten bitter nötig.

Beton ist «Emotion pur»

«Nur mit einem neuen Lebensgefühl, mit einem urbanen Begegnungszentrum könne sich Kloten aus der Agonie der letzten Jahre befreien»: So hatte sich die EVP im Herbst 2006 für einen attraktiven Platz im Herzen der Stadt ausgesprochen. Aus ihren Reihen war der parlamentarische Vorstoss für einen Stadtplatz gekommen. Tatsächlich hatte das Swissair-Debakel in manchem Portemonnaie und in der Stadtkasse ein Loch hinterlassen. Getrübt waren nicht nur die finanziellen Aussichten, auch das Selbstbewusstsein der einst stolzen Flughafenstadt schien angeknackst. Wenn sich die Klotener nun einen autofreien Begegnungsort für Festivitäten, Vereinsauftritte und geselliges Beisammensein gönnen, entspricht dies einem parteiübergreifenden Wunsch – und ist bestimmt auch Balsam auf frühere Wunden.

Die Stadt Kloten hatte im Dezember 2002 – keine drei Monate nach dem Swissair-Grounding – den Studienauftrag für die Zentrumsgestaltung erteilt. Namhafte Architekten, Landschaftsarchitekten, Verkehrsplaner und Künstler nahmen am Projektwettbewerb teil. Lange drohte dem Siegerprojekt kein ernsthafter Widerstand.

Dass es nun doch noch zu einem heissen Abstimmungskampf gekommen ist, der in den Leserbriefspalten und an Pro-und-Kontra-Anlässen tobt, ist einem simplen Baustoff zu verdanken. Beton sei «die pure Emotion», schreibt der Zürcher Architekt Herbert Imbach treffend in seinem Blog. Die Verantwortlichen hätten vielleicht vergessen, dass Gefühle sachliche Argumente verdrängen können. Beton lasse in den Köpfen der Leute noch immer die schlimmsten Bilder aufleben.

Das Warten beenden

Tatsächlich rückte in den vergangenen Wochen das Betondach, das einen Teil des Stadtplatzes überdecken soll, in den Mittelpunkt der Auseinandersetzungen. Dabei hat das filigrane Design überhaupt nichts mit den architektonischen Bausünden der 60er- und 70er-Jahre gemein. Als «leicht und luftig» wird das Dach aus armiertem Gussbeton zu Recht beschrieben. Er erinnert entfernt an Segel. Dass es sich um einen architektonisch gelungenen Wurf handelt, bestätigen selbst erklärte Gegner der Vorlage. Und Vorwürfe, aus den Abstimmungsunterlagen sei zu wenig über die Dimensionen des Dachs zu erfahren, kann man getrost als Stimmungsmache abtun.

Gar blauäugig erscheint schliesslich die Annahme, bei einem Nein zur Vorlage könne innert weniger Monate ein neues Stadtplatz-Projekt – ohne Betondach – verfasst werden. Bei einer realistischen Betrachtung des politischen Instanzenweges ist vielmehr zu befürchten, dass Jahre verstreichen würden, bis eine neue Vorlage wiederum Abstimmungsreife erlangt hätte.

Stimmt der Souverän am 28. September zu, könnte der Stadtplatz im Sommer 2010 fertiggestellt sein. Sollte dann am Eröffnungsfest die Sonne auf die Besucher hinunter brennen oder der Regen prasseln, dürfte es auch die heutigen Gegner unter das Dach ziehen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.09.2008, 08:03 Uhr

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