Neues Luxushotel in alter Küsnachter Villa

Mitten in der Küsnachter Kernzone soll eine Villa zu einem Hotel umgebaut werden. Eines ist klar: Das Angebot wird exklusiv. Und die Nachfrage an der Goldküste ist gross.

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Die Villa macht den Eindruck, als sei sie ein wenig in Vergessenheit geraten. Über der Haustür brennt zwar – mitten am Tag – eine Laterne, doch einige Fensterläden sind verschlossen, die Briefkästen sind ohne Namensschilder, und das Haus ist verlassen.

Geht es nach dem Willen der Eigentümerin Karin Howell, soll die stattliche Küsnachter Villa an der Oberen Wiltisgasse 35 aber bald wieder in ihrem alten Glanz erstrahlen. Sie will das alte Wohnhaus in ein «Kleinhotel mit Restaurationsbetrieb» umbauen. Dies geht aus einem gestern von der Gemeinde Küsnacht publizierten Baugesuch hervor.

Sieben Zimmer, Salon und Bibliothek

Details, wie dieses Hotel mitten in Küsnachts Kernzone aussehen wird, lassen sich zurzeit nur den Bauplänen entnehmen. Wer es mit welchem Konzept führen wird, ist noch nicht bekannt. Die Bauherrin weilt zurzeit in Amerika und war gestern für den TA nicht erreichbar.

Geplant sind – wie es der Begriff «Kleinhotel» schon vermuten lässt – nur sieben, dafür grosszügige Gästezimmer. Drei befinden sich im Erd-, drei im Ober- und eines im Dachgeschoss. Im Untergeschoss soll mit einem Restaurant für das leibliche Wohl gesorgt, im vorgesehenen Salon und in der Bibliothek wohl eher der Geist genährt werden. Gemäss der Baueingabe bieten das Restaurant 26 sowie Salon und Bibliothek noch einmal 20 Sitzplätze.

Das Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten beschränkt sich heute in Küsnacht neben einigen kleinen Herbergen auf das Romantik-Seehotel Sonne mit seinen 40 Zimmern. Pächter René Grüter zeigt sich zwar überrascht über das neue Projekt, Angst vor einer starken Konkurrenz hat er aber keine. Im Gegenteil: «Es ist gut für uns, wenn neue Hotels entstehen», sagt Grüter. Der Wettbewerb gebe Anreiz, sich selber weiterzuentwickeln. «Ausserdem hat es an der Goldküste genug Platz für weitere Hotels. Die Nachfrage nach Übernachtungsmöglichkeiten ist sehr gross», sagt Grüter.

Erfolgsaussicht ist gross

Ins gleiche Horn stösst man bei Zürichsee Tourismus. Geschäftsführerin Simone Fehr schätzt die Bedingungen für Hoteliers an der Goldküste nach wie vor als sehr gut ein. «Unter der Woche herrscht zurzeit ein Unterangebot an Übernachtungsmöglichkeiten», erklärt Fehr. Gerade die Region am rechten Seeufer profitiere stark vom Business-Tourismus – Geschäftsreisende, die nahe der Stadt logieren möchten. Die Anzahl Logiernächte in der Region Zürichsee hätten allein in den ersten beiden Quartalen 2008 im Vergleich zum Vorjahr um rund sechs Prozent zugenommen. «Die Erfolgsaussichten für ein zu eröffnendes Hotel stehen gut», sagt Fehr.

Das neue Küsnachter Hotel wird aller Wahrscheinlichkeit nach einer sehr exklusiven Klientel zugetan sein. Grüter vom Romantik-Seehotel Sonne sagt: «Wenn sich ein Betrieb mit so wenigen Zimmern rechnen soll, dann muss es top exklusiv sein.»

Die Villa, die mit ihrem Turmaufbau den Charme eines kleinen Schlosses versprüht, steht unter Denkmalschutz. An der Aussenfassade darf bis auf kleinere Restaurationsarbeiten nichts verändert werden. Die augenfälligste Änderung am äusseren Erscheinungsbild der Villa wäre der Anbau einer unbeheizten Aussenküche aus Stahl. Mit dieser könnten sommers die Gäste im Garten bedient werden.

Für den Aus- und Umbau verantwortlich zeichnet das Zürcher Architekturbüro Hühnerwadel Albers Architekten, für das Küsnacht kein unbekanntes Terrain ist, hat es doch bereits ein Einfamilienhaus an der Weinhaldenstrasse sowie ein Doppeleinfamilienhaus an der Lindenstrasse in modernem Stil realisiert.

Das neue Hotel – das Geheimnis um den Namen ist noch nicht gelüftet – würde mit der nahe gelegenen Bushaltestelle Obere Heslibachstrasse über eine optimale Anbindung an den öffentlichen Verkehr verfügen. Dennoch muss auch eine Mindestanzahl an Parkplätzen eingerichtet werden. Diese wird in der Baueingabe mit zehn beziffert. Ein Teil davon würde auf dem Grundstück zu liegen kommen. Einige Parkplätze müsste man aber in der Nachbarschaft dazu mieten, wie das Architekturbüro auf Anfrage erklärte. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.10.2008, 08:57 Uhr

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