Noch bricht die Stäfner Kirche nicht zusammen

Die reformierte Kirche von Stäfa muss renoviert werden. Die Wände neigen sich nach aussen. Aus dem Turmzimmer soll ein Andachtsraum werden.

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Am Anfang war die Kirche ganz leer. «Schade, dass die Stäfner nicht die Gelegenheit ergreifen, bei der Renovation der Kirche mitzureden», bedauerte Kirchenpflegepräsidentin Rosmarie Schefer. Schliesslich kamen dann doch noch zwölf Personen. Die Kirchenpflege hatte zur Orientierung über die geplante Renovation geladen. Im Anschluss daran wollte man Fragen beantworten und Anregungen entgegennehmen.

Die letzte grosse Renovation, die 3 Millionen Franken kostete, fand von 1986 bis 1988 statt. An der Aussenhülle, der Statik, am Dachstock und am Turm habe man damals jedoch nichts gemacht, erzählt Liegenschaftenverwalter Martin Kuprecht. Nun sei dies bitter nötig, denn die Wände der Kirche neigten sich nach aussen. Der Grund dafür ist die Decke, die ursprünglich horizontal war und die man später zur nach oben gewölbten Tonnendecke anhob.

Besorgte Blicke nach oben

«Zwischen 8 und 25 Zentimeter haben sich die Wände nach aussen verschoben», erklärt Architekt Muck Marc Wenger vom Architekturbüro Wenger AG in Meilen. Die Blicke der Anwesenden streifen besorgt über die teilweise grossen Risse in Wänden und Decke. Doch der Architekt beruhigt: «Die Kirche wird deshalb nicht gleich zusammenbrechen.» Mit horizontalen Zugbändern im Deckenbereich werden die Aussenwände bei der Renovation zusammengebunden.

Weiter habe man sich mit dem Elektrischen beschäftigt, informiert Wenger. Der Stromverbrauch sei in den letzten Jahren gestiegen, und mit der neuen geplanten Heizung könne die Temperatur gezielt gesteuert werden. Statt die Kirche wie heute den ganzen Tag auf 18 Grad zu heizen, soll die Temperatur vor Gottesdiensten angehoben und danach wieder auf rund 12 Grad gesenkt werden. Die Orgel will man zur Zeit noch nicht restaurieren. Es sei klüger, dies nach der Sanierung zu tun.

Bei der Renovation von Boden, Wänden, Decke, Dachstuhl und Heizung handle es sich um gebundene Investitionen, erklärt Kuprecht: «Die sind ein Muss.» Sie kommen die Kirchgemeinde auf 3'220'000 Franken zu stehen. Dazu gibt es drei Optionen, die «nice to have» wären, wie Rosmarie Schefer sagt, und über die an der Kirchgemeindeversammlung abgestimmt wird.

Eine dieser Optionen ist die Beschallung. «Die Akustik ist ein Dauerproblem in unserer Kirche», sagt Kuprecht. Für Gesang sei diese zwar ideal, für das gesprochene Wort aber nicht. Die neue Anlage für 297'000 Franken würde diese Problematik berücksichtigen. In dieser Investition inbegriffen wären auch zwei Kameras, mit denen man Gottesdienste ins Altersheim oder ins Forum - den Kirchgemeindesaal - übertragen könnte.

«Besenkammer» als Andachtsraum

Ein zweiter Punkt ist die Beleuchtung. Die erst 20-jährige, relativ festliche Kirchenbeleuchtung mit den Kronleuchtern möchte man behalten, den schlecht beleuchteten Chor jedoch aufhellen. Für 338'000 Franken kann am Boden eine indirekte Beleuchtung montiert werden. Dies hätte den Vorteil, dass sie nicht zu den Kronleuchtern passen muss und auch von der Denkmalpflege bewilligt wird.

Die dritte und teuerste Option dürfte vor allem Werner Stauffacher überraschen, welcher der Gemeinde einst einen «Raum der Stille» schenken wollte. Schon damals hatte die reformierte Kirchenpflege vorgeschlagen, das Turmzimmer zum Andachtsraum umzufunktionieren. Stauffacher fand aber, das Turmzimmer sei eine Besenkammer. 473'000 Franken will sich die Kirchenpflege die Umgestaltung dieser «Besenkammer» kosten lassen. Das zurzeit darin gelagerte Material würde neu in Schubladen neben der Orgel verstaut werden. Der Raum würde für 30 Personen Platz bieten. Das Christusfenster, das ursprünglich seinen Platz als Mittelfenster im Osten der Kirche hatte, soll im Andachtsraum eingebaut werden.

«Kirche kann sich Investition leisten»

Ob denn überhaupt ein Bedarf für einen Andachtsraum bestehe, will ein Anwesender wissen, der Preis dafür scheine ihm ein bisschen hoch. Die Pfarrer würden einen solchen Raum für kleinere Abdankungen und Abendandachten sehr begrüssen, sagt Rosmarie Schefer. Und Martin Kuprecht fügt an: «Wir werden sicher auch die Gemeinde um finanzielle Unterstützung bitten. Schliesslich finden in der Kirche auch viele nicht kirchliche Anlässe statt.»

Das Christusfenster gibt ebenfalls zu reden. Ein Anwesender hätte es lieber an seinem Originalort eingebaut gesehen. Das Licht aus Osten sei wichtig für die Christen, meint er, die Bausünde von damals müsse man rückgängig machen. Architekt Wenger erklärt, dass man das Fenster hinter der Orgel gar nicht richtig sehen würde und dass ein Fenster immer mehr Kaltluft bedeute - ein Faktor, dessen Folgen auf die Orgel nicht abzuschätzen seien. Weitere Vorschläge aus dem Publikum betreffen die Beschallung: Sollte man diese zu den gebundenen Investitionen dazu nehmen? Jemand fragt, ob die Kirche nicht neue Fenster brauche. Rosmarie Schefer nimmt alle Anregungen dankbar entgegen.

Der Baubeginn für die Kirchenrenovation ist auf 2010 geplant. Im Herbst desselben Jahres sollte das Projekt abgeschlossen sein. Allerdings muss dies noch mit der Politischen Gemeinde abgeklärt werden, denn 2010 wird der neue Gemeindesaal noch nicht fertiggestellt sein. Somit würden zwei der grössten Lokalitäten für Veranstaltungen in Stäfa vorübergehend fehlen.

Über die Finanzen informiert der Gutsverwalter der Kirchgemeinde, Walter Bärtsch. «Zuerst bin ich erschrocken über die Summe», gibt er zu. Er könne aber versichern, dass die Kirchgemeinde sich die Gesamtsumme von rund 4,3 Millionen Franken leisten könne. Man müsse sich dafür zwar verschulden, aber das liege in einem vertretbaren Rahmen. Steueraufschläge gebe es deswegen keine. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.08.2008, 07:41 Uhr

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