Plastikdach statt Ziegel für Denkmalobjekt

Das Hombrechtiker Grundstück ist verwildert, das Anwesen un-genutzt. Nun hat der Kanton das Dach der denkmalgeschützten Scheune notdürftig saniert.

Das denkmalgeschützte Bauernhaus im Hombrechtiker Weiler Wellenberg soll einst das Machtzentrum der Gemeinde gewesen sein.

Das denkmalgeschützte Bauernhaus im Hombrechtiker Weiler Wellenberg soll einst das Machtzentrum der Gemeinde gewesen sein. Bild: Daniel Kellenberger

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Die Ziegel sind alle weg, stattdessen ziert nun ein Plastikdach die alte Scheune im Hombrechtiker Weiler Wellenberg. Sie steht neben dem baufälligen Haus, das der vor zwei Jahren verstorbenen Alice Hoffmann gehörte. Die damals 92-jährige Hombrechtikerin hinterliess keine Erben, weshalb sich nun der Kanton um das Objekt kümmert.

«Das Dach der Scheune haben wir saniert, weil es hineinregnete», sagt Otto Wipfli, der bis Ende Juli Abteilungsleiter Landerwerb beim Kanton war. Es würde zurzeit nur das Nötigste unternommen, damit das Haus und die zwei Scheunen auf dem Grundstück nicht weiter verfallen. Der Kanton ist für das Grundstück zuständig, weil es sich um ein regionales, nicht um ein lokales, Schutzobjekt der Denkmalpflege handelt. Der Kanton verwaltet zwar das Haus, Hombrechtikon ist als ehemalige Wohngemeinde von Hoffman aber zu 50 Prozent am Vermögen beteiligt. Zurzeit sind Abklärungen im Gange, wie teuer eine Instandsetzung des Hauses zu stehen kämen. Wegen strikter Auflagen der Denkmalpflege werden die Investitionen sehr gross sein. Nach diesen Abklärungen wird der Wert des Gebäudes geschätzt. Die hohen Investitionskosten werden den Preis drücken. Will Hombrechtikon das Haus nicht übernehmen, muss der Kanton die Hälfte des Gebäudewertes an die Gemeinde auszahlen.

Mulden voller Unrat

Erst danach kann der Kanton über die weitere Nutzung des Grundstücks bestimmen. «Konkrete Absichten haben wir noch keine», sagt Wipfli. Das Haus könne auch an eine Privatperson verkauft werden. Das könne aber schwierig werden, bedenke man die immensen Investitionen und die Vorschriften der Denkmalpflege. Das bestätigt auch der neue Abteilungsleiter Landerwerb des Kantons, Gerhard Schmid: «Auf den ersten Blick sehe ich keinen Verwendungszweck.» Beim Kanton habe niemand Eigenbedarf angemeldet. Es sei schliesslich auch nicht sinnvoll, wenn Abteilungen der Verwaltung im ganzen Kanton verstreut seien.

Die Kantonale Denkmalpflege hat inzwischen bereits Mulde um Mulde Unrat aus dem Haus beseitigt. «In einem nächsten Schritt werden wir die Bestände des Hausrats inventarisieren», sagt Thomas Müller von der kantonalen Denkmalpflege. Das Haus und seine Einrichtung seien sehr wertvoll und aussergewöhnlich am rechten Zürichseeufer: «Alice Hoffmann hat darin gewohnt wie vor 80 Jahren.»

Das kann auch Jürg Vetter, Ortsvertreter des Heimatschutzes in Hombrechtikon, bestätigen. «Eine der Scheunen ist im Band 9 der Reihe‹Die Bauernhäuser der Schweiz› inventarisiert, weil das Tenntor noch ein Drehlager aus Sandstein hat.» Auch der Brunnen, der sich auf dem Grundstück befinde, sei schützenswert ebenso wie die ursprüngliche Küche im Haus. Dass der Kanton das Grundstück nutzen könnte, kann sich Vetter nicht vorstellen. «Der Kanton besitzt schon viele andere Objekte, für die er keine Nutzung hat.» Eine Privatperson zu finden, sei sicher auch nicht ganz einfach. «Ich sage immer, das muss ein reicher Spinner sein, der so etwas kauft», lacht Vetter. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.08.2008, 07:20 Uhr

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