Postkarten-Terror: Obergericht verurteilt den Trainer

Weil der Trainer eines Sportklubs eine Sportlerin mit Postkarten belästigt hatte, hat ihn das Zürcher Obergericht gestern verurteilt. Es folgte den Argumenten der Vorinstanz.

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Beunruhigende Post erhielt eine 17-jährige Sportlerin zwischen August und November 2005. «Wahret laht sich nid a de Situation apasse. Dänk dra», stand auf der ersten Karte von Hand geschrieben. Auf einer weiteren Karte hiess es: «Du chasch no länger eso witermache, bald wüssed aber vili vo de wahre Sach.» Ende Oktober zog der anonyme Briefeschreiber die Schraube an. Er schickte der jungen Frau eine vorgedruckte Trauerkarte. «Es ist dein Wille, so soll er geschehen», hatte der Sender auf die Rückseite geschrieben. Unverhohlen drohend stand in einer Postkarte von Ende November: «Blaue Flecken genügen also noch nicht. Dann müssen wir die nächste Woche noch härter werden.»

Die 17-jährige Sportlerin wurde durch die anonymen Schreiben in Angst und Schrecken versetzt. Die junge Frau änderte ihre Lebensgewohnheiten. Sie nahm Telefonanrufe nicht mehr entgegen, wenn sie die Nummer nicht kannte. Im Zug reiste sie zu ungewohnten Zeiten, und sie vermied es, entlang stark befahrener Strassen zu gehen. Die Sportlerin vermutete schon bald, dass ihr ehemaliger Trainer der Urheber der bedrohlichen Schreiben war. Ihre Vermutung hatte mit der Vorgeschichte zu tun: 2002 hatte die damals minderjährige Sportlerin ihren Trainer verzeigt. Er habe sie sexuell missbraucht.

Der Trainer wurde im November 2003 vor Bezirksgericht und 2004 auch vor Obergericht vom Vorwurf der sexuellen Handlung mit Kindern und der sexuellen Nötigung freigesprochen. Und zwar «im Zweifel für den Angeklagten».

Mit dem Freispruch war die Sache für den Trainer allem Anschein nach nicht erledigt. Zu sehr hatten ihn die Vorwürfe gekränkt. Mit den Postkarten wollte er die Sportlerin dazu bringen, ihre Vorwürfe zurückzunehmen. So die Vermutung der Sportlerin und der Staatsanwaltschaft.

Erdrückende Beweislast

Im November letzten Jahres stand der 59-jährige Mann wegen des Postkarten-Terrors vor Bezirksgericht. Er bestritt zwar, mit den Schreiben etwas zu tun zu haben, wurde aber trotzdem verurteilt.

Die Beweislast war aus Sicht des Gerichts erdrückend. Auf einer Postkarte hatten die Fahnder den Teil eines Fingerabdrucks des Angeklagten gefunden. Bei einer weiteren Karte stiess das Labor auf DNA-Spuren an der Briefmarke. Diese konnte man ebenfalls dem Trainer zuordnen. Ein Schriftgutachten wies mit grosser Wahrscheinlichkeit auf den Angeklagten als Täter hin und die Inhaltsanalyse deutete in dieselbe Richtung. Schliesslich war ein Schriftstück sogar in jener Grossbank ausgedruckt worden, in der der Angeklagte arbeitete. Adresse und Stockwerk stimmten ebenfalls überein.

Das Bezirksgericht verurteilte den Sporttrainer zu einer bedingten Geldstrafe von 150 Tagessätzen à 150 Franken (22'500 Franken) und einer Busse von 2000 Franken. Zudem wurde er dazu verpflichtet, dem Opfer eine Genugtuung von 3000 Franken zu bezahlen.

Kurzer Prozess

Der 59-Jährige akzeptierte das Urteil nicht. Gestern fand nun die Verhandlung vor Obergericht statt. Dieses machte kurzen Prozess. Für die Richter gab es «keinerlei Zweifel», dass der Angeklagte der Urheber der Drohschreiben sei. Der Zusammenhang zwischen dem Verfahren wegen sexueller Handlungen mit Kindern und den anonymen Schreiben sei offensichtlich. Der vorsitzende Richter sagte, er habe «selten eine so klare Beweislage vor sich gehabt». Er wunderte sich gar, dass der Angeklagte die Urheberschaft trotz der erdrückenden Beweislast bestreite. Das Vorgehen des Angeklagten wurde als «perfid» bezeichnet. Das Obergericht bestätigte das Urteil der Vorinstanz in allen Punkten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.08.2008, 21:52 Uhr

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