Poststelle in Zollikon vor dem Aus

Weil die Poststelle beim Zolliker Bahnhof nicht rentiert, wird sie geschlossen. Die Gemeinde hält es für zwecklos, sich dagegen zu wehren.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Rund um den Zolliker Bahn­hof wird es bald noch ruhiger. In der Um­gebung gibt es kein einziges Dorflädeli, die SBB haben ihren Schalter schon vor Jahren geschlossen – und jetzt geht auch noch die Poststelle zu. Am 31. Oktober ha­ben die Zolliker zum letzten Mal die Gele­genheit, bei der Post Zollikon Station ein Paket aufzugeben.

In den nächsten Tage wird die Post die Bevölkerung mit einem Flugblatt über die­sen Schritt informieren. Offenbar rentiert der Schalter nicht mehr. Zwar ist er jeden Werktag für sechs Stunden geöffnet, während die­ser Zeit wird er aber nach Angaben der Post nur von knapp 90 Kunden aufge­sucht. Die Einzahlungen seien seit 2004 um mehr als 43 Prozent zurückgegangen, und es würden 25 Prozent weniger Pakete aufgegeben. Nur bei den Briefen ver­zeichne man kein Minus.

«Es gibt meh­rere Faktoren, die die Rentabilität einer Poststelle bestimmen – nicht nur der Um­satz oder die Zahl der Kunden, sondern zum Beispiel auch die Nähe zu anderen Poststellen», sagt Mediensprecher Ma­riano Masserini.

Schalter im Dorfzentrum bleibt offen

Gerade wegen dieser Nähe zu anderen Schaltern wird das kleine Postbüro ersatz­los gestrichen. Die verbleibenden Poststel­len in der Umgebung – jene in Zollikon Dorf, im Zollikerberg sowie in Küsnacht und im Zürcher Seefeld – seien gut er­reichbar, sagt Masserini. Das sehen allerdings nicht alle Kunden so. «Wenn ich einmal alt bin und kein Auto mehr habe, muss ich ins Dorf hoch­gehen », sagt eine Frau, die seit 50 Jahren beim Zolliker Bahnhof wohnt. Gerade für ältere Leute sei das ein Problem. Unzufrieden sind auch jene Kun­den, die ein Postfach an der Zolliker Sta­tion haben. «Ich werde mich jetzt wohl nach einer neuen Lösung umschauen müs­sen », sagt ein Mann verärgert.

Auch der Zolliker Gemeinderat, mit dem die Post vorgängig das Gespräch ge­sucht hat, ist über den Entscheid nicht er­freut. Die Post komme ihrem Auftrag zur Grundversorgung nicht mehr in genügen­der Weise nach, lässt die Behörde auf dem Informationsblatt der Post verlauten.

«Für Zollikon ist die Schliessung der Poststelle ein Verlust», sagt denn auch Ge­meindepräsidentin Katharina Kull-Benz (FDP) auf Anfrage. Sie wohnt selber im unteren Dorfteil von Zollikon und benutzt die dortige Poststelle. «Die Leute am Schalter kennen einen noch persönlich – das gibt es leider je länger, je weniger», sagt die Politikerin. Zudem habe man in der Post beim Bahnhof nie lange warten müssen.

Keine Entlassungen vorgesehen

Die Gemeinde hat sich zuerst überlegt, etwas gegen die Schliessung zu unterneh­men, verzichtet nun aber darauf. «Die Er­folgsaussichten sind zu gering», erklärt Katharina Kull-Benz. Auf dem rechtlichen Weg würde man jedenfalls kaum etwas erreichen.

Den Angestellten der Poststelle Zolli­kon Station bleibt immerhin ein Trost: Entlassungen wird es keine geben. Das Personal werde eine gleichwertige Be­schäftigung in der Umgebung erhalten, sagt die Post. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.08.2008, 18:40 Uhr

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Blogs

Sweet Home Zeit für ein Zuhause-Projekt

Outdoor Bergfahrt im Rauschzustand

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Ein Ohrenschmaus: Das Glastonbury-Festival mit über 100'000 Besuchern, ging heute nach fünf Tagen zu Ende.Ein Zuhörer beim Verlassen des Geländes (26. Juni 2017). Revellers and detritus are seen near the Pyramid Stage at Worthy Farm in Somerset during the Glastonbury Festival in Britain, June 26, 2017. REUTERS/Dylan Martinez
(Bild: Dylan Martinez) Mehr...