Projekt Walder Bahnhofplatz überzeugt viele nicht

Der Walder Bahnhofsplatz soll neu gestaltet werden. Die Gemeinde präsentierte ihr Vorprojekt – die Bevölkerung reagierte kritisch.

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Modern, hell und farblich harmonisch aufeinander abgestimmt wirkt der frisch renovierte Schwertsaal, in dem der Gemeinderat am Donnerstagabend das Vorprojekt Neugestaltung Bahnhofplatz präsentierte. Auch der Bahnhofplatz soll dereinst Modernität ausstrahlen und eine Visitenkarte für die Gemeinde sein. Über dessen späteres Aussehen herrscht jedoch noch Uneinigkeit. Das Vorprojekt des Seegräbner Planers Werner Messikommer gab zu einer langen Diskussion Anlass.

Unbestritten ist, dass die Bahnhofstrasse vom Bahnhof Wald bis zur Einmündung der Laupenstrasse dringend saniert werden muss. Die Gemeinde rechnet hierfür mit Kosten von 1,2 Millionen Franken. Darin nicht enthalten sind die Kosten, die anfallen, um den Nordholzbach, der unter dem Areal hindurchfliesst, hochwassersicher zu machen.

Die vom Gemeinderat vorgeschlagene Neugestaltung des Bahnhofplatzes würde eine zusätzliche Million Franken kosten. Das Projekt sieht einen offenen, grosszügigen Platz vor, in den das Landi-Areal mit einbezogen wird. Der Platz ist als Begegnungszone konzipiert, das heisst, es gilt Tempo 20. Ausserdem soll eine Verbindung zur Bahnhofstrasse hergestellt werden – wie das vor hundert Jahren schon der Fall war. Ferner ist geplant, zwei der drei Buskanten mit einer Teilüberdachung zu versehen.

Begrenzter Spielraum

Das Projekt warf bei den rund 50 Anwesenden viele Fragen auf. Der Unternehmer Pio Meyer wollte wissen, ob die Gemeinde überhaupt in der Lage sei, die Neugestaltung zu finanzieren. Dies bejahte Gemeinderat Ernst Kocher (SVP). Dank jährlichen Abschreibungen sei die Gemeinde in der Lage, vier bis fünf Millionen Franken zu investieren. Der Vorstand des Ressorts Infrastruktur erläuterte, dass sich die Grundeigentümerin Landi an den Kosten der Neugestaltung beteilige. Dieser Betrag sei in den Kostenberechnungen jedoch bereits berücksichtigt worden.

Andreas Honegger, Geschäftsführer des Bleiche-Resorts, bemängelte die Gestaltung. «Sie wertet den Platz nicht auf, sondern macht höchstens das Umsteigen bequemer.» Für Honegger ist im Vorprojekt kein «architektonischer Ansatz» erkennbar. Die nachfolgende Diskussion zeigte deutlich, dass das Vorprojekt vom ästhetischen Gesichtspunkt her viele Walderinnen und Walder nicht überzeugt. Architekt Beat Diggelmann bemängelte eine grosszügige Überdachung. Nicht nur Buspassagiere, sondern auch Wandergruppen, die sich am Bahnhof versammeln, bräuchten genügend Platz. Planer Werner Messikommer entgegnete, dass der Spielraum für die Neugestaltung sehr begrenzt sei. «Wir können keine Gesamtüberdachung machen wie auf dem Bahnhofplatz von Bern.» Diggelmann schlug daraufhin vor, weitere Inputs und Ideen von anderen Planungsbüros einzuholen.

Bäume für Stadtzürcher

Im Laufe des Abends zeigte sich, dass viele Anwesende eine Ausschreibung des Projekts befürworten, damit die Stimmberechtigten verschiedene Gestaltungsvorschläge miteinander vergleichen können.

Diskutiert wurde ferner über die Bäume vor der Landi, die der Neugestaltung zum Opfer fallen sollen. Kritisiert wurde, dass Wald gerade das verliere, was es gemütlich und menschlich macht. «Die Stadtzürcher kommen nicht wegen moderner Plätze nach Wald, sondern wegen der Natur», gab ein Votant zu bedenken. Was manche als kahl empfinden, bezeichnete eine Walderin jedoch gerade als Vorteil: «Ein ausgeräumter Bahnhofplatz ist eine gute Basis, die viel Raum für Ideen offen lässt.» Gemeinderat Ernst Kocher sagte am Ende der Diskussion, er rechne damit, dass sich die Realisierung um etwa ein halbes Jahr verschieben werde.

«Es brodelte schon vorher»

Gemeindepräsidentin Käthi Schmidt (CVP) erklärte gegenüber dem «Tages-Anzeiger», dass sie nicht davon ausgegangen sei, dass das Vorprojekt mit Euphorie aufgenommen würde. «Es brodelte schon vorher ein bisschen.» Nun müsse das weitere Vorgehen im Gemeinderat besprochen werden. Ob an der Gemeindeversammlung vom 4. Dezember über die Neugestaltung des Bahnhofplatzes abgestimmt wird, ist noch unklar. «Das wird der Gemeinderat bis Anfang November entscheiden», hielt Schmidt fest.

Zurzeit befindet sich das Vorprojekt bei den Ortsparteien in der Vernehmlassung. Die Vernehmlassungsfrist wurde auf den 30. September angesetzt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.09.2008, 20:46 Uhr

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