Rebberg wird maschinentauglich gemacht

Der Rebberg am Chorherrenweg in Meilen wird terrassiert, um ihn besser mit Maschinen bewirtschaften zu können. Das ist effizienter – und hat für Tiere einen positiven Nebeneffekt.

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Im Rebberg am Chorherrenweg werden diesen Herbst nicht nur die Trauben geerntet. Wenige Tage nach der Weinlese stehen die Arbeiter bereits wieder im Rebberg. Sie rupfen das grün-gelbe Blattwerk weg und reissen die 36-jährigen Rebstöcke heraus. Doch der Meilemer Weinbauer Hermann Schwarzenbach will hier mehr als neue Rebstöcke pflanzen. Eine Fläche von 50 Aren soll in den nächsten Monaten terrassiert werden. Statt dass die Rebreihen wie heute in der Falllinie angepflanzt werden, kommen sie neu auf schmalen Terrassen horizontal zu liegen.

«Um diesen steilen Rebberg maschinell bewirtschaften zu können, drängt sich diese Massnahme auf», sagt Schwarzenbach. An einigen Stellen hat der Hang eine Neigung von bis zu 50 Grad. «Hier können wir nur sehr beschränkt Maschinen einsetzen. An den steilsten Stellen ist es definitiv zu gefährlich.»

Kleintraktor statt Handarbeit

Um das Gras zu schneiden, musste jeweils im extrem steilen Gelände mit einem Fadenmäder hantiert werden. Das ist nicht nur mühsam, sondern kostet viel Zeit. «Heute ist auch im Weinbau die Handarbeit ein wichtiger Kostenfaktor», sagt Schwarzenbach. Künftig können dank der Terrassierung diese und andere Arbeiten effizienter mit einem Kleintraktor erledigt werden. Bis es allerdings so weit ist, muss Hermann Schwarzenbach investieren: 25'000 Franken bezahlt er allein für die Terrassierungsarbeiten. Hinzu kommen rund 75'000 Franken für neue Reben.

«Bei der Terrassierung eines Rebbergs muss man sich die Kostenfrage stellen», sagt Andreas Wirth, Weinbaukommissär des Kantons Zürichs. Die Umstellung mache nur bei steilen Hängen betriebswirtschaftlich Sinn. Einen Trend, die Rebberge neu anzulegen, gebe es aber nicht.

Grössere Artenvielfalt

Mit der Neuanpflanzung wechselt Weinbauer Schwarzenbach auch die Traubensorten. «Für die Riesling-Silvaner-Trauben war es an dieser extremen Südlage zu heiss», begründet er seinen Entscheid. Die Trauben seien oft zu früh reif und zu süss gewesen. Treu bleibt er aber den klassischen Traubensorten der Zürchseeregion: «Künftig werden hier Räuschling und Blauburgunder wachsen.»

Abgesehen von der Wirtschaftlichkeit hat die Terrassierung auch einen erfreulichen ökologischen Nebeneffekt. Was das konkret heisst, kann Hermann Schwarzenbach im benachbarten Rebberg Seehalde zeigen. Dieser wurde bereits vor 20 Jahren terrassiert. Die steilen Böschungen zwischen den Terrassen sind sehr trocken. Eine grosse Vielfalt von Gräsern und Blumen wächst dort. Und wer sich Zeit nimmt, um die Stützmauer zu beobachten, entdeckt auf einmal Dutzende von Eidechsen, die flink über die warmen Steine huschen. «In terrassierten Rebbergen schneiden wir nur ein- bis zweimal jährlich das Gras. Darum gibt es hier eine grössere Artenvielfalt», erklärt Schwarzenbach. Schliesslich erspart das hohe Gras auch einen Teil der Schädlingsbekämpfung. «Hier finden die Spinnmilben Nahrung. Das ist mir lieber, als wenn sie in die Trauben gehen.» Bevor nun mit den Erdarbeiten für die Terrassierung begonnen wird, muss das Baugesuch vom kantonalen Landwirtschaftsamt bewilligt werden. «Das ist nur eine Formsache», sagt Heinrich Dimmler von der Bauabteilung Meilen. Gemäss Gesetz müsse auch ein «harmloser Eingriff in der Landwirtschaftszone durch die Bewilligungsmühle», erklärt er. Es sei aber von öffentlichem Interesse, dass diese Rebberge weiterhin bewirtschaftet werden.

Der Zürichseewein sei derzeit stark gefragt. «Meine Kundschaft ist in den letzten Jahren internationaler geworden», sagt Weinbauer Schwarzenbach. Viele aus dem Ausland zugezogenene Bankmanager etwa seien am Wein aus der Region sehr interessiert. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.10.2008, 22:05 Uhr

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