Rütner Seidenweberei steht zum Verkauf

Für 3,23 Millionen Franken ist ein Teil der ehemaligen Seidenstoffweberei in Rüti ausgeschrieben. Einfach verkaufen lässt sich das historische Gebäude nicht.

Bis vor 68 Jahren wurde an der Werner-Weber-Strasse 11 in Rüti Seide verwoben. Jetzt steht ein Teil zum Verkauf.

Bis vor 68 Jahren wurde an der Werner-Weber-Strasse 11 in Rüti Seide verwoben. Jetzt steht ein Teil zum Verkauf. Bild: Nathalie Guinand

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Als Anlageobjekt mit attraktiver Rendite wird die ehemalige Seidenstoffweberei Rüti auf der Onlineplattform Homegate angeboten. Doch ihr Reiz als historisch wertvolles Gebäude mit dem bekannten Restaurant Al Seda ist zugleich ihr Handicap. Denn wie Madeleine Kobelt, Inhaberin der gleichnamigen Immobilienfirma sagt, haben Interessenten bis jetzt mit einem Kauf gezögert. «Die Problematik ist immer die gleiche: Gewerbeliegenschaften mit einem Restaurant schrecken viele Leute ab, da sie Umtriebe machen können», erklärt sie. Das beispielsweise, wenn es zu Pächterwechseln komme. Generell seien solch historischen Liegenschaften schwieriger zu verkaufen als ein Block. Der Preis für die Nutzfläche von rund 1300 Quadratmetern beträgt in der ehemaligen Seidenstoffweberei 3,23 Millionen Franken. Für Kobelt, die den ehemaligen Weberei-Teil an der Werner-Weber-Strasse 11 im Auftrag eines Kunden anbietet, ist klar: «Diese Liegenschaft kauft man mit dem Herzen, sie ist nicht einfach ein Objekt.»

Aufgebaut von Industriepionier

Dass die ehemalige Seidenstoffweberei nicht einfach ein Objekt ist, bestätigt auch Thomas Müller von der kantonalen Denkmalpflege. 1872 hatte der Fabrikant und Industriepionier Caspar Honegger (1804–1883) das bestehende Fabrikgebäude mit Sägerei übernommen. Wenig später liess Honegger an ihrer Stelle vom Rütner Ingenieur und Architekten Carl Arnold Séquin (1845–1899) die «Mechanische Seidenweberei» bauen. Dem ersten Gebäude an der Werner-Weber-Strasse fügten seine Erben weitere hinzu. Nachdem der Betrieb der Seidenweberei 1940 eingestellt worden war, entstanden in den Räumlichkeiten ein Webmaschinenmuseum und später ein Ausbildungszentrum der Maschinenfabrik Rüti. Seit 1993 ist das Gebäude kantonal geschützt.

Charakteristisch für die ehemalige Seidenstoffweberei an der Jona sind die zahlreichen Treppen, Podeste, Passarellen und Torbögen. Diese sind nicht nur architektonisch reizvoll, sondern waren wegen des unebenen Geländes zwingend notwendig. Bei allen Erweiterungen der Hallen im Neurenaissance-Stil legten die Architekten Wert auf weitere Details wie beispielsweise Spezialziegel und Mosaikböden, wie es in der Unterlagen der kantonalen Denkmalpflege heisst.

Die Umgestaltung der ehemaligen Seidenstoffweberei war jedoch nicht ganz einfach. Mehrere Projekte für eine Umnutzung des Areals scheiterten. Schliesslich gelang es jedoch einer neuen Bauherrschaft, einen Gestaltungsplan auszuarbeiten. Im Jahr 2000 konnten die mehrere Millionen teuren Arbeiten abgeschlossen werden. Heute beheimatet die ehemalige Weberei nebst dem Restaurant Al Seda einen Videoshop, Büroräume, Lofts und Gewerberäume.

Für die Mieter der Räume an der Werner-Weber-Strasse 11 soll trotz Verkauf vorerst alles gleich bleiben. Die Mietverträge behalten ihre Gültigkeit, wie Madeleine Kobelt sagt. «Es gelten die ordentlichen Kündigungsfristen.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.09.2008, 20:30 Uhr

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