SVP Meilen will günstige Wohnungen bauen

Roberto Martullo, Mitglied des Meilemer SVP-Vorstands, sorgt sich um den Mittelstand. Darum sollen in Meilen 30 günstige Wohnungen gebaut werden. Die Gemeinde und die SP freuts.Simon Hurst

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Die SVP Meilen hat ihren Mitgliedern an der Parteiversammlung vom Donnerstag ein Projekt vorgestellt, das so gar nicht in den üblichen Themenkreis der Partei passen will. Die Partei will in Meilen 30 günstige Wohnungen bauen: Die monatlichen Mietzinsen für die 3- bis 5-Zimmer-Wohnungen sollen zwischen 1500 und 2500 Franken liegen. Dieses Vorhaben präsentierte Roberto Martullo, Geschäftsführer der Zolliker Consultingfirma Kaderkarriere und Schwiegersohn des Alt-Bundesrats Christoph Blocher, gemeinsam mit der Parteileitung.

«Die Parteimitglieder haben uns grünes Licht für das ambitiöse Projekt gegeben», sagt Martullo. Ausgereift sei dieses aber noch nicht. Die SVP gründet als Nächstes eine parteiunabhängige Interessengemeinschaft, welche sich an der Meilemer Herbstmesse vom 5. September vorstellen wird. Die SVP Meilen will so prüfen, ob die Idee in der Bevölkerung auf Anklang stosse und ob man allfällige Interessenten an Bord holen könne. So will sie für die Finanzierung bereits bestehende Genossenschaften anfragen.

Ganz klar ist für Martullo aber, dass die SVP nicht in den Jagdgründen der SP wildert: «Es werden keine Sozialwohnungen gebaut. Die Wohnungen sind für den Mittelstand – unsere Wählerschaft – gedacht.» Damit seien etwa Meilemer Handwerker und Angestellte ab einem bestimmten – noch zu definierenden – Jahreseinkommen gemeint. Diese würden bei den steigenden Meilemer Mietzinsen zusehends aus der Gemeinde wegziehen. Zudem wohnten in Meilen zu wenig unter 40-Jährige. «Die mittelständischen Leute sollen in Meilen bleiben. Wir wollen eine bessere Durchmischung und nicht zu einer Schlafgemeinde werden», sagt Roberto Martullo.

Meilemer Gewerbe ist in Gefahr

Er stelle auch fest, dass die reicheren Einwohner, welche sich teure Meilemer Wohnungen und Häuser leisten können, stark nach Zürich ausgerichtet seien: «Die wohlhabenden Meilemer arbeiten oftmals in der Stadt und kaufen auch dort ein. Das bringt das hiesige Gewerbe in Gefahr», glaubt Martullo.

Diese Entwicklung zu ändern, sei nicht Sache der Gemeinde, sondern der Bevölkerung. Darum komme die SVP Meilen nun Mitte Oktober mit einem ersten Vorstoss auf die Gemeinde zu. Sie will mit dem Meilemer Gemeinderat das Gespräch suchen. Dabei soll geklärt werden, ob die Gemeinde geeignete Grundstücke für den Bau der Wohnungen im Baurecht abgeben könne. Anders als bei staatlich unterstützten Genossenschaften soll dies zu normalen Marktpreisen geschehen.

Auch die Zusammenarbeit mit privaten Landeigentümern kann sich Martullo vorstellen. Noch sei das Projekt in der Planungsphase und wohl nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Es sei aber ein erster Schritt, um den Mittelstand in Meilen zu halten.

SVP rennt offene Türen ein

Auch der Meilemer Gemeindeschreiber Didier Mayenzet ist der Ansicht, dass die Bereitstellung günstiger Wohnungen nicht Sache der Gemeinde sei. Darum ist Meilen dem Wohnungs-Projekt der örtlichen SVP wohlwollend gesinnt, wie Mayenzet auf Anfrage bestätigt. Es sei schon seit längerer Zeit ein erklärtes Ziel der Gemeinde, die Abwanderung von Menschen mit tiefem bis mittlerem Einkommen zu verhindern. «Die SVP Meilen rennt bei uns mit ihrem Anliegen offene Türen ein», sagt Mayenzet. Er könne sich auch durchaus vorstellen, dass die Gemeinde das Projekt – etwa mit vergünstigten Baurechtzinsen – unterstützen werde. Bei drei Meilemer Genossenschaften ist dies bereits der Fall.

Auf der anderen Seite des Parteienspektrums, bei der SP Meilen, ist man für einmal mit der SVP einig: «Der Mittelstand soll in Meilen seinen Platz haben», sagt Hanspeter Göldi, Vorstandsmitglied der SP Meilen. «Das ist ganz klar ein Anliegen der SP. Ich stehe hinter einem Projekt, wie es die SVP Meilen hier plant.» Trotzdem müsse es in Meilen auch weiterhin subventionierte Wohnungen geben. Denn aus privaten Wohnungen bringe man die Mieter fast nicht mehr hinaus. In Genossenschaften dagegen müssen etwa Eltern, deren Kinder ausziehen, ihre günstige und grosse Wohnung für die nächste Familie räumen. Zudem sei die Einhaltung von Energie- und Qualitätsstandards gesichert. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.08.2008, 08:39 Uhr

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