Schauklige Reise ins idyllische Winterquartier

Nach alter Väter Sitte wurden am Montag 18 Rinder per Schiff auf die Ufenau gefahren – ein eindrückliches Schauspiel.

Auf dem Weidling des Klosters Einsiedeln nähern sich Mensch und Tier der Insel Ufenau.

Auf dem Weidling des Klosters Einsiedeln nähern sich Mensch und Tier der Insel Ufenau. Bild: DANIEL KELLENBERGER

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Friedlich weiden 18 kräftige Rinder hinter dem Bootshaus des Klosters Einsiedeln in Pfäffikon. Tau liegt auf dem Gras, Nebel über der Weide und dem nahen See. In der Ferne erkennt man die Inseln Ufenau und Lützelau. Wenn die Rinder wüssten, was ihnen gleich für eine abenteuerliche Reise bevorsteht . . .

Bauer Josef Häcki aus Pfäffikon rückt mit vier kräftigen Helfern an. Ihr Ziel: Die 18 Rinder gesund auf die Ufenau zu bringen. Die Tiere sind vor einigen Tagen von der Alp hinuntergekommen, ruhten sich ein paar Tage am Seeufer aus und sollen einen Teil des Winters auf der Insel verbringen. Die Passage mit dem Weidling ist ein heikles Unterfangen. «Da kann immer mal etwas passieren. Zuweilen springen die Rinder sogar mitten auf dem See ins Wasser», weiss der 11-jährige Reto Häcki. Routiniert bereitet er die Ketten vor, mit denen die Tiere an der Bordwand angekettet werden. Derweil macht sein Vater den Weidling für den aussergewöhnlichen Transport bereit. Tische und Bänke werden entfernt, ein Rasenteppich auf die glitschigen Planken gelegt und eine breite Laderampe installiert. Dann legt der Weidling an einer Mauer an. Die Rinder warten bereits neugierig beim Bootshaus.

Lust auf einen Schluck Seewasser

Jetzt kommt Leben in die Bude. Zu fünft wird ein Tier nach dem anderen eingefangen und über die steile Rampe in den Weidling bugsiert. Das erste Rind sträubt sich mit aller Kraft gegen den Abtransport. Nach fünf Minuten ist sein Wille gebrochen. «Wenn das erste Tier im Weidling ist, gehts viel schneller», weiss Reto Häcki. Und tatsächlich. Die nächsten Tiere zieren sich zwar jeweils kurz auf der Rampe. Bald schon aber sind sie fein säuberlich an der Bordwand angebunden. Vom grünen Rasenteppich ist nicht mehr viel zu sehen. Die Nervosität scheint den Rindern auf Blase und Darm geschlagen zu sein. Die Taue werden gelöst, der Motor des Weidlings läuft bereits, als plötzlich eines der Tiere mit einem kräftigen Satz über die Bordwand springt und wieder festen Boden unter den Füssen hat. Fünf Minuten später ist der Ausreisser wieder an Bord. Die Überfahrt selber gestaltet sich dann problemlos. Der Weidling pflügt sich mit reichlich Tiefgang durch den ruhig daliegenden See. Den Tieren scheints zu gefallen. Sie schauen interessiert umher und versuchen, mit ihren langen Zungen einen Schluck

Seewasser zu ergattern.

Nach zehn Minuten ist das Ufer der Insel erreicht. Und die Hektik zurück. Die Tiere werden unruhig, der Weidling schwankt bedrohlich. Und siehe da: Schwupps liegen zwei Rinder im Wasser. Das eine rettet sich selber an Land. Das andere scheint das Bad im See zu geniessen. Es schwimmt noch ein paar Runden im Schilfgürtel und knabbert vom ungewohnten Grün. Jetzt ist der Moment von Lehrtochter Jasmin Mächler gekommen. Wagemutig stürzt sie sich vom Weidling aus ins in den 14 Grad kalten Zürichsee und bringt das Rind an Land. Kurz drauf sitzt sie klitschnass am Ufer und strahlt. «Wenigstens hab ich ein Tier des Chefs gerettet.» Trockene Kleider will sie aber partout keine. So was gehöre doch einfach zum Berufsalltag.

Die Tiere werden bis Mitte November auf der Ufenau weiden. «Dann stehen sie auf der Insel im Stall, bis der Heustock, den wir im Sommer angelegt haben, leer ist», erklärt Landwirt Josef Häcki. «Mitte Januar werden die Rinder dann wieder aufs Festland gebracht». Die Tiere weiden derweil bereits wieder ruhig in der Herbstsonne. Den schaukligen Trip scheinen sie bestens überstanden zu haben. Das laute Schmatzen der Tiere vermischt sich mit dem Klang ihrer Glocken. Idylle pur. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.09.2008, 22:15 Uhr

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