Schrottschere beunruhigt Anwohner

Die Entsorgungsfirma Hügler in Dübendorf braucht eine neue Schrottschere. Sehr zum Ärger von Anwohnern. Diese fürchten mehr Lärm und werfen der Stadt eine lasche Bewilligungspraxis vor.

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Um alte Eisenteile und ganze Blechkonstruktionen in wieder ver­wertbare Teile zu zerlegen, benötigt die Dübendorfer Entsorgungsfirma M. F. Hüg­ler eine sogenannte hydraulische Schrott­schere. Dabei handelt es sich um eine fest installierte Maschine von der Grösse eines kleinen Einfamilienhauses.

Die aktuelle Schere hat eine Schneidekraft von 700 Tonnen. Sie ist seit fünf Jahren in Betrieb. Nun hat Hügler die Maschine durch eine neue ersetzt, die über 800 Tonnen Schnei­dekraft verfügt und für 8 Meter lange Teile ausgelegt ist. «Normalerweise ist der Ersatz einer industriellen Produktionsan­lage eine Formsache», sagt Hügler-Ge­schäftsleiter Otto Hefti. Weil das Areal der 101-jährigen Hügler aber an eine Wohn­zone angrenzt, verlangte der Kanton nun nachträglich eine Baubewilligung. Hügler reichte das Gesuch ein, am 25. Juli wurde es amtlich ausgeschrieben.

IG sagt der Schere den Kampf an

Diese Ausschreibung ruft nun Anwoh­ner auf den Plan. «Die Lärmbelastung durch Hügler ist für uns bisweilen eine Zu­mutung », sagt etwa Heinz Brunner, der in einem Wohnblock gegenüber des Hügler­-Areals an der Usterstrasse wohnt. Gele­gentlich erzittere der ganze Block, in dem er wohne. Als Beispiel nennt er den 22. Juli kurz nach 7 Uhr. Auch Elisabeth Peter stört der Lärm. «Manchmal ist es kaum auszuhalten», sagt sie. Um sich Gehör zu verschaffen, hat sich Peter zusammen mit rund einem Dutzend weiterer Anwohner in einer Interessengemeinschaft or­ganisiert.

Dass die Dübendorfer Recyclingfirma die Lärmgrenzwerte überschreite, ver­neint Geschäftsführer Otto Hefti. «Wir ha­ben vor knapp zwei Monaten die letzte Lärmmessung gemacht», sagt er. Sie liege unter dem Lärmgrenzwert, und sie sei dem Baugesuch beigelegt worden.

Der Lärm ist indessen nur ein Punkt, den Brunner anprangert. «Ich frage mich, ob für die Maschine eine Umweltverträg­lichkeitsprüfung (UVP) gemacht wurde», sagt er. Denn Hügler benötige für die Ar­beiten auch Wasser zur Kühlung und Che­mikalien. «Ich kann nicht verstehen, dass der Stadtrat beim Bau des neuen Aldi im Schörli, wo kaum Leute wohnen, Auflagen macht, im Falle Hüglers aber nicht», kriti­siert er weiter. Weil in Gfenn viele Ge­meinderäte wohnten, in seinem Quartier aber nicht, messe der Stadtrat mit unglei­chen Ellen, so sein Vorwurf.

Stadt wehrt sich gegen Vorwürfe

Die Stadt lege keineswegs zweierlei Massstäbe an, entgegnet Hans-Ueli Hohl, Leiter Hochbau bei der Stadtverwaltung. «Für die bisherige Anlage gibt es eine UVP. Laut Umweltschutzgesetz ist dann keine neue nötig, wenn bei einem Ersatz keine wesentliche Änderung vorgenom­men wird.» Ob im vorliegenden Fall eine wesentliche Änderung vorliegt und eine neue UVP nötig ist, wird die kantonale Ko­ordinationsstelle für Umweltschutz bei der materiellen Behandlung des Bauge­suchs beurteilen. Erteilen Kanton und Stadt eine Bewilligung, können Anwohner gegen diese rekurrieren – sofern sie den Baurechtsentscheid rechtzeitig anfordern. Das müssen sie innert 20 Tagen ab Publi­kation tun, haben also noch bis zum 14. Au­gust Zeit.

Und da setzt Brunner eine weitere Kri­tik an. «Es ist doch merkwürdig, wenn Gesuche, die umstritten sind, ausgerech­net Anfang Sommerferien publiziert wer­den. » Das sei unglücklich, räumt Otto Hefti ein, aber keinesfalls beabsichtigt. Weil im Vorfeld Bund, Kanton und Ge­meinde ins Projekt involviert gewesen seien, habe es Verzögerungen gegeben. Hans-Ueli Hohl bestätigt, dass das Gesuch schon Mitte Juni bei der Stadt eintraf. «Die Vorprüfung durch Stadt und Kanton dau­erte gut einen Monat», erklärt er die Ver­zögerung. Der Publikationszeitpunkt habe vonseiten der Stadt gewiss nichts mit Kalkül zu tun. «Wir veröffentlichen Bau­gesuche, sobald die Vorprüfung erfolgt ist und somit Klarheit darüber besteht, dass die eingereichten Unterlagen vollständig sind.» Ob Heinz Brunner und die IG gegen eine allfällige Baubewilligung rekurrieren werden, ist noch offen. «Das hängt davon ab, wie die Bewilligung aussieht und wel­che Auflagen gemacht werden», erklärt Thomas Spörri, Rechtsanwalt der IG. Er wie auch Brunner haben vorsorglich den Baurechtsentscheid angefordert. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.08.2008, 11:25 Uhr

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