Schulunterricht im Container

Die Primarschulen Adliswil brauchen derart dringend Raum, dass jetzt sogar Container aufgestellt werden. Schul­präsidentin Rita Rapold ist frustriert.

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Es sei «ein Kampf gegen Windmühlen», den sie seit 2001 führe. Und ja, sie sei «wirklich frustriert». Rita Rapold (CVP), seit zehn Jahren Schulprä­sidentin in Adliswil, ist nicht zum Lachen zumute. Schliesslich hat sie Stadtrat, Ge­meinderat und Bevölkerung schon vor sie­ben Jahren darauf aufmerksam gemacht, dass in den Primarschulhäusern der Platz knapp wird. Für alle Schulanlagen hat die damals noch sechzehnköpfige Schulpflege Um- und Ausbauten vorgeschlagen. Ohne Erfolg.

«Wären unsere Anliegen dannzu­mal ernst genommen worden, stünden wir jetzt nicht vor einer derart schwierigen Si­tuation », sagt Rapold. Die heikle Lage kos­tet die Stadt kurzfristig mehr als eine halbe Million Franken.

Container als kurzfristige Lösung

Um der Platznot zu begegnen, hat die Schulpflege nun Sofortmassnahmen be­schlossen, wie sie gestern mitteilte. So muss im Wilacker kurzfristig eine zusätz­liche erste Klasse geführt werden. Dafür wird – anschliessend an den bestehenden Pavillon – ein zweigeschossiger Contai­ner erstellt. Im Erdgeschoss findet die neue Klasse Platz, im Obergeschoss ent­steht ein Gruppenraum. Diesen teilen sich die vier Klassen und eine Förderlehrper­son. Container, dessen Aufbau und das Mobiliar kosten gut 240 000 Franken. Ein zweigeschossiger Container wird auch beim Schulhaus Werd errichtet. Dort feh­len Gruppenräume. Kostenpunkt: weitere 162 000 Franken.

Etwas komplizierter präsentiert sich die Lage im Schulhaus Sonnenberg, wo im neuen Schuljahr ebenfalls eine zusätzliche Klasse geführt werden muss. Die Biblio­thek wird deshalb ins Schulhaus Hofern verlegt, und mit kleinen Umbauten wird Platz für vier Gruppenräume geschaffen. Umgebaut wird auch im Schulhaus Zopf, wo durch Abtrennungen in den Vorräu­men Platz entsteht für Gruppen- und För­derunterricht. Diese Umbauten kosten weitere 100 000 Franken.

Hauswart raus, Schüler rein

Im Schulhaus Kopfholz muss gar schon seit längerem eine Hauswartwohnung für schulische Zwecke genutzt werden. «Das ging nur, weil der Hauswart kurz vor der Pensionierung steht und in sein kürzlich gekauftes Haus zügeln konnte», erklärt Rita Rapold.

Diese «Feuerwehrübungen», wie Ra­pold die Containerprovisorien und Um­bauten nennt, seien ein Nährboden für Unzufriedenheiten. Dennoch würden sich die Lehrer mit der Situation abfinden, da sie stets in die Planung einbezogen wor­den seien. «Die Lehrpersonen und Schul­leitungen stehen hinter uns, weil sie sehen, dass wir uns für die Belange der Schule einsetzen», sagt Rapold.

Hoher Investitionsbedarf

Der Einsatz wird sich in den nächsten Jahren fortsetzen müssen, sollen die Schu­len in Adliswil nicht alle zu Flickwerken werden. In weniger als zwei Jahren etwa werden die ersten Familien im Gebiet Le­bern/ Dietlimoos einziehen. «Dort brauchts mit Sicherheit ein Primarschul­haus. Allein dieses wird einen zweistelligen Mil­lionenbetrag verschlin­gen», prognostiziert Ra­pold. Weitere Engpässe und damit Kosten wür­den folgen, so in den Ge­bieten Wilacker, Förli­weid und Sonnenberg, wo die Stadt Land ver­kauft habe.

Ausserdem sei der Unterhalt der Schulhäuser vernachläs­sigt worden. «Mit den Provisorien», glaubt Ra­pold, «werden wir die nächsten Jahre le­ben müssen.» So frustriert die Schulpräsidentin mo­mentan ist, so exakt äussert sie sich zur Ursache der Misere. «Der Stadt Adliswil fehlts an Geld. Und viele Politiker sehen nicht, was in der Schule abläuft.»

Die Lö­sung, die Rapold vorschlägt, tönt banal: «Höhere Steuereinnahmen generieren und die Prioritäten anders setzen.» Dass sie damit auf Granit beissen wird, weiss die Schulpräsidentin. Schliesslich versucht sie seit Jahren alles, um sich im Stadt- und Gemeinderat Gehör zu ver­schaffen. «Es gibt nichts, was ich nicht schon versucht habe. Deshalb muss ich mir auch keine Vorwürfe machen. Ver­säumt habe ich nichts.»

Spälti: «Klarer Sparauftrag»

Ernst Spälti (FDP), Vizepräsident des Stadtrats, bestätigt zwar, dass Rapolds Anträge im Stadtrat «nicht immer erfolg­reich » gewesen seien. Das Gremium könne je­doch «nur die Mittel aus­geben, die vorhanden sind. Wir haben einen klaren Sparauftrag und müssen Prioritäten set­zen.»

Ihm sei auch klar, dass die Schulen künftig mehr Platz benötigen würden. «Wir werden wohl nicht darum herumkommen, Schul­häuser zu bauen», sagt Spälti. Dass die Si­tuation für die Lehrer nicht einfach sei, könne er nachvollziehen. «Ich hätte auch lieber ein schönes Schulhaus statt einen Container.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.08.2008, 15:04 Uhr

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