Seegräben wurde vom Verkehr überrollt

In Seegräben herrschte gestern Nachmittag das reinste Chaos. Jeder parkierte, wo er wollte. Das neue Verkehrskonzept hat am ersten Kürbis-Wochenende auf dem Jucker-Hof versagt.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Egal, ob auf dem Fuss- und Radweg, vor der Scheune eines Landwirtes oder auf dem Parkplatz einer Anwohnerin: Die Besucher der Kürbis-Ausstellung bei Jucker Farmart stellten ihr Auto gestern Nachmittag ab, wo sie gerade einen Platz fanden. «Es ist eine Katastrophe, eine absolute Sauerei», ärgert sich eine Seegräbnerin. «Wir haben die Nase voll.» Der Schuldige ist für sie schnell gefunden: Die Brüder Jucker, die an diesem Wochenende ihre grosse Kürbisausstellung auf ihrem Erlebnishof eröffnet haben.

Martin Jucker, der mit dem Velo von einem Krisenpunkt zum anderen pendelt, sieht das anders. «Es wäre an der Gemeinde gewesen, einen Verkehrsdienst einzurichten», ist er überzeugt. Schliesslich sei der Gemeindeparkplatz mit seinen 120 Plätzen neuerdings die einzige Parkmöglichkeit in ganz Seegräben. Doch der Parkplatz war bereits am Sonntagmorgen - dreissig Minuten nach Start des zweiten Ausstellungstags - bis auf den letzten Platz belegt, wie Juckers privater Verkehrsmann Marcel Schaufelberger sagt, der mit Müh und Not zu regeln versucht, was sich überhaupt noch regeln lässt. Jetzt am Nachmittag hat er alle Hände voll zu tun. Von links und rechts fahren Familien an und wollen möglichst nahe am Hof parkieren. Doch das ist aussichtslos. Die einen fahren schulterzuckend nach Pfäffikon, wo ein Shuttlebus die Ausstellungsbesucher vom Industriegebiet nach Seegräben bringt, die anderen bleiben demonstrativ stehen und lassen lautstark Dampf ab. «Sie erwarten doch nicht etwa, dass wirjetzt 50 Kilometer zu Fuss gehen?», fragt eine Seniorin rhetorisch.

Die Familie Arens aus Oberembrach ist vom Ansturm völlig überrumpelt worden: «Wir haben diesen Ausflug spontan unternommen und uns deshalb auch nicht im Voraus über Parkmöglichkeiten informiert», erklärt Mutter Petra Arens. So hätten sie nach der nächstliegenden Alternative gegriffen und ihr Auto in die bereits bestehende Schlange auf dem Fuss- und Radweg eingefügt. Auch Anita Kuster aus Regensdorf sah sich gezwungen, ihr Auto auf dem Trottoir zu parkieren. «Der Parkplatz ist bis auf den letzten Platz besetzt», sagt sie kopfschüttelnd. Den Ärger der Anwohner kann sie nachvollziehen. Von dem neuen Konzept habe sie allerdings nichts gewusst. «Es wäre wichtig, am Dorfeingang und an den Parkplätzen mit Schildern darauf aufmerksam zu machen», meint sie. «Dann hätte ich mit Sicherheit vom Shuttlebus Gebrauch gemacht.»

Das Verhalten der Autofahrer macht aber nicht nur die Einwohner von Seegräben wütend, sondern auch die Velofahrer. Kaum angekommen, wird die Familie Arens aus Oberembrach von einem erbosten Radfahrer in die Schranken gewiesen. Der Mann droht sogar mit der Polizei.

«Das Verkehrskonzept stammt von der Gemeinde und vom Veranstalter», sagt Werner Benz von der Medienstelle der Kantonspolizei. Aufgrund der hohen Zahl falsch parkierter Autos - es waren über 100 - habe die Polizei aus Gründen der Verhältnismässigkeit auf Verzeigungen verzichtet. «Wir mussten uns darauf beschränken, dass die Zufahrten für Rettungs- und Polizeifahrzeuge immer gewährleistet waren.»

Für die Brüder Jucker stellt sich jetzt die Frage, wie eine solche Situation verhindert werden kann. Seit Freitag ist ihr Erlebnishof offiziell autofrei, die Zufahrt mit einer Barriere abgesperrt. In früheren Jahren parkierten an einem schönen Kürbis-Wochenende jeweils über 300 Autos auf einer Wiese. Doch die lag in der Seeschutzzone, und die Anwohner ärgerten sich bereits damals über den Verkehr. Der am Mittwoch vom Kanton festgesetzte Gestaltungsplan sieht deshalb eine Entlastung des Dorfs vor - mit der Konsequenz, dass die Besucher auf dem Gemeindehausparkplatz oder in Pfäffikon parkieren sollten.

Juckers verteidigen sich

«Der Gemeindehausparkplatz reicht bei weitem nicht aus», bemängelt Martin Jucker. Er und sein Bruder hätten alles versucht, um die heute eingetroffene Situation zu verhindern. «Egal, was wir als möglichen Parkplatz ins Auge gefasst haben: Entweder wollte der Landbesitzer nicht, oder die Gemeinden Seegräben und Pfäffikon wollten es nicht.» Da der Parkplatz in Seegräben der Gemeinde gehöre und sie die Gebühren einziehe, trage sie auch die Verantwortung dafür. «Weder der Gemeindepräsident noch der zuständige Gemeinderat waren heute für uns erreichbar», ärgert er sich. Zudem seien längst nicht alle Leute ihre Gäste: Auf dem Seerundweg herrsche zeitweise stockender Kolonnenverkehr. «Wir haben damit gerechnet, dass es eine Chaosphase geben wird», sagt Gemeinderat Roland Wintsch am Sonntagabend. Jetzt müsse die Situation analysiert werden. Schuldzuweisungen hin oder her: Manche Ausstellungsbesucher ziehen ihre eigene Lehre aus dem Chaos: Bei einem nächsten Besuch bleibe das Auto in Pfäffikon, meint Roger Wepf aus Uster. «Oder gleich ganz zu Hause», wie er lachend verspricht. «Nächstes Jahr kommen wir einfach mit dem Velo.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.08.2008, 12:13 Uhr

Abo

Digitale Abos - Neu ab 18.- pro Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen. Flexibel und jederzeit kündbar
Neu nur CHF 18.- pro Monat

Kommentare

Blogs

Sweet Home Die perfekte Villa
History Reloaded Der Sound der Schweiz

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Männchen machen für einen Heiligen: Auf den Hinterbeinen bahnen sich Pferd und Reiter ihren Weg durch die Menschenmenge in Ciutadella auf der spanischen Insel Menorca. Das ist Brauch während des San-Juan-Fests – und wer die Brust des Tieres streicheln kann, soll vom Glück gesegnet werden. (23. Juni 2017)
(Bild: Jaime Reina) Mehr...