Sekundarschüler treten kräftig in die Pedale

Im Nürensdorfer Schulhaus Hatzenbühl ist Radeln angesagt: Bis zu den Herbstferien kommen alle Schüler mit dem Velo zur Schule. Gemeinsam umrunden sie so einmal die Erde.

Mit einem Veloputz- und Flicktag starteten die unterschiedlich motivierten Schüler in die «bike2school»-Aktion.

Mit einem Veloputz- und Flicktag starteten die unterschiedlich motivierten Schüler in die «bike2school»-Aktion. Bild: Yvon Baumann

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Die Bremsen bremsen, Licht und Gangschaltung funktionieren, die Pedalen drehen reibungslos. «Tipptopp – und blitzblank geputzt», lobt Ko-Schulleiter Thomas Obrist einen Schüler.

Gestern startete das Sekundarschulhaus Hatzenbühl seine vierwöchige Aktion «bike2school» mit einem Veloputz- und Flicktag; zwei Velomechaniker halfen tatkräftig mit und machten Kostenvoranschläge für reparaturbedürftige Velos. Jetzt sollten alle 190 Schüler und Schülerinnen ein fahrtüchtiges Velo haben. Denn bis zu den Herbstferien fahren sie bei jedem Wetter mit dem Velo in die Schule. Doch auch viele Lehrer tauschen in dieser Zeit den Velosattel mit dem Auto- oder Bussitz und radeln zum Teil von weit her.

Kilometerkonto für jeden Schüler

Die Aktion «bike2school» wurde von der Organisation Pro Velo dieses Jahr zum ersten Mal lanciert; analog der alljährlich stattfindenden Aktion «bike to work» soll der Schulweg vier Wochen lang mit dem Velo zurückgelegt werden. In der ganzen Schweiz beteiligen sich 84 Schulen daran. «Bewegung stand bei uns schon immer im Zentrum», sagt Ko-Schulleiter Felix Pfister. Das Schulhaus Hatzenbühl ist dem Netzwerk gesundheitsfördernder Schulen angeschlossen und führt immer wieder Projekte durch, die mit Bewegung, Ernährung oder einer anderen Dimension von Gesundheit zu tun haben. Dem Lehrerteam sei es aufgefallen, dass immer mehr Kinder den Bus benützen anstatt das Velo, während es früher normal gewesen sei, von den umliegenden Dörfern mit dem Velo in die Schule zu kommen. Nun wolle man die Freude am Velofahren wieder wecken, so Pfister.

Michelle wringt den Putzlappen aus. «Cool, aber anstrengend» findet sie die Aktion. Zwischen ihrem Wohnort Birchwil und der Schule habe es ein ziemlich steiles Wegstück. Auch Caroline wohnt in Birchwil, «aber ganz oben!». Für den Schulweg brauche sie mit dem Velo zwanzig Minuten. Wenig begeistert gibt sich auch Nick: Lieber würde er mit seinem Töffli in die Schule fahren. Fabienne aus Oberwil kann der Aktion immerhin abgewinnen, dass für das Veloputzen eine Schulstunde ausfällt.

In den vier Wochen bis zu den Herbstferien will das Schulhaus Hatzenbühl rund um die Welt fahren. Unter dem Motto «Hatzi rund um d'Wält» wollen die gut 200 Teilnehmer zusammen mindestens 40'000 Kilometer zurücklegen. Auf der Schulhaus-Homepage hat jeder Schüler ein persönliches Kilometerkonto, auf dem er seine zurückgelegten Strecken eintragen kann. Angerechnet werden auch die Velotouren, die das Schulhaus an den Mittwochnachmittagen anbietet, sowie freiwillig zurückgelegte Velofahrten. Gestern Nachmittag zeigte der rote Balken auf der Homepage die ersten 95 zurückgelegten Kilometer an – weitere 39 905 Kilometer werden also bis zum 3. Oktober noch abgestrampelt werden müssen.

Lieber sicher als chic

Die Weltumrundung ist zudem ein Wettbewerb zwischen den verschiedenen Klassen – ebenso wie der traditionelle «Hatzi-Cup», der dieses Jahr selbstverständlich auch auf dem Velosattel ausgetragen wird. Auf einer Strecke von 30 Kilometern sind verschiedene Plauschposten und Geschicklichkeitsspiele zu absolvieren. Und als weitere gesundheitsfördernde Begleitaktion gibt es «aktive Pausen» mit gesundem Znüni-Kiosk und Velo-Geschicklichkeitsparcours auf dem Pausenplatz.

Zusammen mit der Kantonspolizei hat das Lehrerteam sichere Velorouten bezeichnet, die die Schüler benutzen sollen. Velohelme sind Pflicht – und geben auch bereits Anlass zu Diskussionen: Einige der «uncoolen» Kopfbedeckungen, die die Gel-Frisuren flachdrücken, wurden anstatt auf den Köpfen am Lenker baumelnd gesichtet.

Mit dem Velo in die Schule zu kommen, ist während der Aktion für alle Schüler obligatorisch. Dispensieren lassen könne man sich nur aus medizinischen Gründen, ist im Brief zu lesen, den die Eltern zur Information erhielten. Das finden Matteo und Kilian aus dem viereinhalb Kilometer entfernten Brütten «richtig gemein». Sie, die am weitesten hätten, würden von den Lehrern gezwungen, mit dem Velo zu kommen. Die Lehrer lassen sich von solchen Reklamationen jedoch nicht beeindrucken: Das sei normal in diesem Alter. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.09.2008, 22:49 Uhr

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