Siemens senkt Löhne um bis zu 20 Prozent

Die Siemens BT in Volketswil reduziert die Löhne einiger Mitarbeiter massiv und spricht von Lohngerechtigkeit. Die Arbeitnehmer sind entsetzt und sprechen von Schweinerei.

Die Vorgesetzten der Siemens Building Technologies in Volketswil sorgen bei der Belegschaft für rote Köpfe.

Die Vorgesetzten der Siemens Building Technologies in Volketswil sorgen bei der Belegschaft für rote Köpfe. Bild: Gesa Lüchinger

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Die Augen von K.Y. (Name der Redaktion bekannt) füllen sich mit Tränen. «Ich kann das noch immer nicht fassen», stammelt sie. Ihr Arbeitgeber, die Volketswiler Siemens Building Technologies, will bei ihr und bei rund 20 ihrer 280 Arbeitskollegen den Lohn anpassen. «Ich wurde Anfang Monat von meinem Vorgesetzten ins Büro gerufen. Er eröffnete mir, dass mein Lohn gekürzt werde», erinnert sich K.Y. Die Frau ist als Produktionsmitarbeiterin im Unternehmen tätig, ist Mitte vierzig und verdient zurzeit monatlich rund 4500 Franken brutto. Ab 2009 will Siemens BT ihr rund 15 Prozent weniger zahlen. «Ich konnte nicht glauben, was mir mein Chef sagte, und bat ihn, mir das nochmals zu erklären. Ich hatte ihn aber richtig verstanden: Sie wollen mir den Lohn um rund 800 Franken monatlich kürzen.» Das sei für sie verheerend, zumal ihr Sohn noch zu Hause lebe, klagt die Oberländerin. «Tag für Tag wird die Angst vor den Konsequenzen dieser Kürzung grösser.» Neben der drohenden finanziellen Not fühle sie sich von ihrem Arbeitgeber erniedrigt: «Das ist eine Schweinerei. Wir sind doch keine Roboter, die man nach Belieben auspressen kann», begehrt K.Y. auf. Sie kämpfe seither bei der Arbeit täglich mit den Tränen. «Eine Arbeitskollegin hat dieser Kahlschlag so mitgenommen, dass sie sich krankschreiben lassen musste.»

K.Y. fordert von Siemens, die Lohnsenkung rückgängig zu machen, und dass sich die Vorgesetzten für das «skrupellose» Vorgehen entschuldigen.

Gewerkschaft nicht informiert

13 Siemens-Mitarbeiter sind bis jetzt bei der Gewerkschaft Unia vorstellig geworden. «Sie alle müssen eine Lohneinbusse von zwischen 10'000 und 12'000 Franken jährlich hinnehmen», weiss Andreas Scheu, Sektionsleiter der Unia in Uster. Und das, obwohl sich die Saläre der betroffenen Mitarbeiter in einer branchenüblichen Bandbreite befänden. «Mit der Kürzung werden einige davon deutlich darunter liegen.» Erschreckend sei zudem, dass die Belegschaft lediglich informiert worden sei. «Von Änderungskündigungen war bis jetzt keine Rede.» Die Mitarbeiter hätten nach der mündlichen Bekanntgabe einen Brief erhalten, den sie unterschrieben retournieren sollten. «Wer nicht unterschreiben wolle, solle halt kündigen, haben die Verantwortlichen ihren Mitarbeitern kundgetan. Dies haben uns die Betroffenen mitgeteilt», sagt Scheu.

Die Unia sei von der Siemens BT nicht über die Lohnsenkungen informiert worden. «Bei einer Vertragskündigung hätten wir als Sozialpartner zugezogen werden müssen», sagt Scheu. Die Gewerkschaft habe mit Siemens BT das Gespräch gesucht, sei bisher aber auf taube Ohren gestossen. «Einmal mehr wird in der Produktion auf dem Rücken der Beschäftigten gespart», empört sich Scheu. Zudem sei diese Woche Festangestellten gekündigt worden, obwohl viele temporär Beschäftigte im Betrieb arbeiteten. «Warum nicht die Temporären entlassen werden und die Belegschaft umgeschult wird, ist uns ein Rätsel.»

Arbeiter stellen klare Forderungen

Gestern hat die Gewerkschaft die Mitarbeiter der Siemens BT zu einer Versammlung eingeladen. Die rund 30 Teilnehmer fordern nun in einer Resolution, dass die Siemens BT die ausgesprochenen Lohnkürzungen bedingungslos zurücknimmt. Auch solle die Firma die Kündigungen rückgängig machen und die Mitwirkungsbestimmungen der Sozialpartner respektieren. Zudem sollen jene Personen, die für die Massnahme und ihre Umsetzung verantwortlich seien, geschult und intern versetzt werden.

Siemens will von einer generellen Lohnkürzung nichts wissen, es handle sich vielmehr um «Lohngerechtigkeit». «Wir überprüfen die Löhne aller Mitarbeiter periodisch und passen jene, die nicht in einem intern definierten Lohnband sind, nach oben oder unten an», erklärt Siemens-Sprecher Volker Dragon. In Volketswil seien 20 Mitarbeiter betroffen, dies sei mit der hauseigenen Arbeitnehmervertretung im Vorfeld abgesprochen worden. «Von der Empörung in der Belegschaft ist uns nichts bekannt, wir haben es darum auch nicht für nötig befunden, mit den Mitarbeitern das Gespräch zu suchen», sagt der Siemens-Sprecher.

Er widerspricht der Gewerkschaft Unia: Änderungskündigungen seien sehr wohl ausgesprochen worden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.09.2008, 22:25 Uhr

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