Spaziergang mit dem Hund als Therapie

Für Jürgen Brunner und Elsbeth Kappeler aus dem Wohnheim Graswinkel in Kloten ist jeder Donnerstag besonders: Dann führt Hund Ringo die beiden zum Spaziergang aus.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Ringo ist ein lieber Hund», sagt Elsbeth Kappeler und streichelt dem Golden-Retriever-Rüden vertraut über das Fell. Es ist Donnerstagnachmittag, Punkt 16.30 Uhr. Und wie jeden Donnerstag um diese Zeit steht Ringo im Wohnhaus 2 der Stiftung Pigna für Menschen mit Behinderung in Kloten zum Abmarsch bereit.

Seit vier Jahren kommt der ausgebildete Therapiehund mit seinem Frauchen Maya Rüegg aus Wallisellen, um mit Elsbeth Kappeler und ihrem ebenfalls behinderten Partner Jürgen Brunner für eine Stunde gemeinsame Zeit zu verbringen. Der Termin ist für alle ein Fixpunkt im Wochenplan.

«Wenn ich wegen etwas Unvorhersehbarem kurzfristig mal absagen muss, ist das ein grosses Problem für Jürgen und Elsbeth», sagt Maya Rüegg. Die Betreuer im Wohnheim würden dann längere Zeit benötigen, um beiden die Situation zu erklären. Deshalb ist die 58-jährige Chemielehrerin sehr dafür besorgt, wenn immer möglich in ihrer Freizeit am Donnerstagabend nach Kloten zu kommen - und das freiwillig und unentgeltlich.

Anspruchsvolle Ausbildung

«Es ist einfach schön, wenn ich mit Ringo etwas Sinnvolles machen kann», erklärt Maya Rüegg ihren Einsatz. Der Hund sei ihr Hobby, und nach dem Besuch von Welpen- und Hundeerziehungskursen habe sie nach weiteren Beschäftigungen Ausschau gehalten. Fündig wurde sie beim Verein Therapiehunde Schweiz. Der bietet einen halbjährigen Lehrgang an, in dem dafür geeignete Tiere lernen, als Therapiehund eingesetzt zu werden. Den Kurs, der über 300 Franken kostet, haben Maya Rüegg und Ringo erfolgreich absolviert. Und über die Vermittlung des Vereins gelangten die beiden zu ihrem ersten Einsatz in Kloten, wo sie bis heute geblieben sind. Doch was macht der Therapiehund eigentlich?

Wenn Ringo in Kloten im Einsatz ist, spüre er das instinktiv, sagt Rüegg. Kaum habe sie ihm das spezielle Halsband mit zwei Leinen umgelegt, würde er sich anders verhalten. Dann sei die dreiköpfige Spaziergruppe sein Rudel, um das er sich sorge. Und tatsächlich läuft Ringo mit langsamen Schritt voran, begleitet von Elsbeth Kappeler, die ihm gut zuredet, während sein Frauchen einen Schritt dahinter die Situation kontrolliert.

Das Laufen mit dem Hund ist bereits eine Bewegungstherapie. Die wird unterwegs intensiviert, indem Rüegg aus ihrem Rucksack ein Bällchen zaubert, das die beiden Behinderten abwechslungsweise zum Apportieren für den Hund wegwerfen dürfen. Zurück im Wohnhaus folgt dann der zweite Teil der Therapie: Brunner und Kappeler dürfen ihren Ringo füttern und streicheln. Und das Lächeln in ihren Gesichtern macht deutlich, dass die «Ringo-Therapie» auch heute bestens wirkt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.08.2008, 08:01 Uhr

Blogs

Sweet Home Das tut Frauenwohnungen gut

Geldblog Was bei Geldanlagen wirklich wichtig ist

Abo

Digitale Abos

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt lesen:
Neu ab 18.- CHF pro Monat

Die Welt in Bildern

Angestarrt: Ein Riesenotter beobachtet die Besucher im Zoo von Duisburg (22. Mai 2017).
(Bild: Martin Meissner) Mehr...