Start in eine andere, neue Sekundarschule

Die Sekundarschule in Wila führt auf das nächste Schuljahr altersdurchmischte Klassen ein. Sie übernimmt im Kanton Zürich damit eine Vorreiterrolle.

Schüler gleichen Alters gestalten gemeinsam als Team eine Lebensmittelpyramide.

Schüler gleichen Alters gestalten gemeinsam als Team eine Lebensmittelpyramide. Bild: PD

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Während der Kanton Zürich noch weit weg ist vom Überdenken der Schulform, macht Wila einen ersten Schritt in die Zukunft: Aufs nächste Schuljahr führt die Sekundarschule das sogenannte Mosaik-Modell nach Thurgauer Vorbild ein. An einer Informationsveranstaltung standen die Verantwortlichen der Bevölkerung Rede und Antwort. Der Saal war voll. Viele Unklarheiten mussten geklärt, manch ein Skeptiker beruhigt werden. Der Grundtenor blieb positiv.

Das Modell ist einfach: Statt nach Jahrgängen werden die Schülerinnen und Schüler in altersgemischte und leistungsheterogene Gesamtklassen eingeteilt. Jeder Schüler orientiert sich dabei an persönlichen Lernzielen, die sich in jedem Fach unterscheiden können und die eigenen Interessen und Kapazitäten berücksichtigen. So kann jeder Schüler in seinem eigenen Tempo arbeiten. «Bei einer Abstufung nach Altersklassen wird angenommen, dass alle Kinder in ihrer Entwicklung an derselben Stelle stehen. Das entspricht aber nicht der Realität», sagte Daniel Sigrist, Schulleiter in Wila.

Christian Lutz, Schulleiter der thurgauischen Sekundarschulen Alterswilen und Horn, welche das System bereits seit vielen Jahren kennen, erklärt zusammen mit drei Schülerinnen und Schülern die Grundzüge des Systems: Der herkömmliche Frontalunterricht wird nicht abgeschafft, mehrheitlich arbeitet aber jeder Schüler individuell an seinen eigenen Aufträgen. «So lange am Stück, wie es für ihn angenehm ist», erklärt Lutz. «Ich mache am Morgen immer das, was am dringensten ist», sagt die Drittklässlerin Nicole. «Zwischendurch mache ich zur Abwechslung etwas anderes.» Gerade bei Aufgaben, die sie weniger gern erledige, sei ihr die Möglichkeit der eigenen Zeiteinteilung ein wichtiger Antrieb. «Kurz etwas machen zu können, was mir Spass macht, ist dann wie eine Belohnung», sagt sie.

Sicherheitsnetze mit engen Maschen

Bei Fragen stehen den Kindern ihre Mitschüler oder der Lehrer zur Seite. Dadurch, dass in einem Schulzimmer unterschiedliche Jahrgänge sitzen, kann man sich mit Fragen kurzerhand an diejenigen wenden, die den Stoff bereits intus haben. Die Kinder empfinden dies als positiv: «Mir gefällt es, den Jüngeren etwas zu erklären», meint etwa Marisa, die seit drei Jahren die Schule Alterswilen besucht. Die beiden Mädchen sind an ihrer Schule Lerngruppenleiterinnen, was bedeutet, dass sie mit ihrer Gruppe manchmal ohne Aufsicht einer Lehrperson arbeiten. «Vor allem die Jüngeren sind manchmal laut, aber eigentlich gehorchen sie gut», sagt Nicole.

Damit das System nicht verwässert, gibt es mehrere Kontrollvorrichtungen: Jeder Auftrag hat einen – dem Tempo des Schülers angepassten – Abgabetermin, der eingehalten werden muss. Wer es nicht schafft, muss am Mittwochnachmittag oder Samstagvormittag nacharbeiten. Zudem tragen alle Schüler ihre offenen sowie auch die erledigten Aufgaben und Prüfungen in ein Heft ein, das regelmässig von den Eltern unterschrieben wird.

Im Gegensatz zum Thurgau, wo die Schüler nicht mehr einheitlich in eine Leistungsstufe eingeteilt sind, bleibt in Wila die Unterteilung in Sek A, B und C bestehen. «Bei uns werden nur die Fächer Französisch und Mathematik variieren, weil dort erfahrungsgemäss die grössten Differenzen sind», erklärt Sigrist. So wird ein Kind beispielsweise grundsätzlich die Sek B besuchen, im Zeugnis aber den Vermerk haben, dass es in Französisch A-Niveau, in Mathematik C-Niveau erreicht hat.

Begeisterung im Thurgau

Die Tösstaler stehen kurz vor der Einführung des Systems, und zwar aus zwei Gründen. Erstens kann Wila damit dem Problem der zu kleinen Klassen begegnen. Zweitens werden die pädagogischen Forderungen nach Eigenverantwortung erfüllt. Daniel Sigrist: « Individualität und Zusammenarbeit sollen unter einen Hut gebracht werden. Im heutigen System ist dies kaum möglich.» Und aus diesem Grund würden auch sämtliche Schulen im Kanton Zürich, die ernsthaft über ihre eigene Entwicklung nachdenken würden, ähnliche Wege einschlagen, prophezeit er. Im Thurgau jedenfalls ist man begeistert von den Ergebnissen. «Der normale Unterricht ist immer eine nette Pause, weil der Lehrer alles plant und man sich nichts selbst überlegen muss», sagt Simon, der in Alterswilen die zweite Sek besucht. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.09.2008, 22:13 Uhr

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