Sterbehaus soll weiter Schlagzeilen machen

Dignitas lasse sich am ehesten von Wetzikon fernhalten, wenn der öffentliche Druck anhalte. Zu diesem Schluss kamen die Teilnehmer einer gut besuchten Podiumsveranstaltung.

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«Politiker müssen dauernd gestossen werden, wenn etwas passieren soll», weiss der seit sechs Jahren in Grüt wohnhafte EVP-Nationalrat Ruedi Aeschbacher. Den Gegnern des geplanten Dignitas-Sterbehauses an der Talstrasse 9 in Wetzikon empfiehlt der langjährige frühere Zürcher Stadtrat deshalb, das Thema in der Öffentlichkeit zu halten. «Ein Aufschrei am Anfang nützt wenig», warnte er am Schluss eines von der EVP des Bezirks Hinwil organisierten und vom Bäretswiler EVP-Kantonsrat Gerhard Fischer geleiteten Podiumsgesprächs. «Sie müssen auf allen Ebenen aktiv bleiben.» Gerade jetzt drohe die Gefahr, dass Dignitas aus den Schlagzeilen verschwinde. In Schwerzenbach erhielt die Organisation eine Gnadenfrist bis Juni 2009. Und in Wetzikon kann sie den Betrieb weniger schnell aufnehmen als geplant.

Dignitas schlägt in Wetzikon breites Misstrauen entgegen. Das verdeutlichen zwei Petitionen. Jene der Landes- und Freikirchen haben 1173 Personen unterzeichnet. Am nächsten Mittwoch bringen Anwohner eine zweite Bittschrift mit 1650 Unterschriften ins Gemeindehaus. Auch beim Podiumsgespräch am Donnerstagabend im Kronensaal kam das Unbehagen deutlich zum Ausdruck. Die 80 vorwiegend älteren Zuhörerinnen und Zuhörer nickten und raunten immer wieder zustimmend, wenn sie die meist gegen einen «Sterbetourismus ins Oberland» gerichteten Argumente zu hören bekamen.

Ex-Gemeindepräsident provoziert

Einzig der frühere Gemeindepräsident Max Homberger (Grüne) mochte nicht in den Chor einstimmen. Ihn störe, dass die Sterbehilfe stigmatisiert werde. Dass Geld fliesse, sei nicht ungehörig. Das ganze Leben sei zum Geschäft geworden. Im Organhandel werde «jeder Preis bezahlt», niemand stosse sich daran, dass dafür in China Hingerichtete ausgeweidet würden. «Sterbehilfe finde statt, wo es die Rechtslage zulässt», sagte Homberger. Das sei in der Schweiz der Fall und erst recht in Wetzikon mit seiner «liberalen Bauordnung».

Homberger provozierte das Publikum und die übrigen Podiumsteilnehmer. Worauf diese zunehmend Einigkeit demonstrierten. Als Anwohner sei er nicht grundsätzlich gegen Sterbehilfe, hatte Markus Hertig vom Petitionskomitee «Wetzikon ohne Dignitas» zu Beginn der Diskussion noch erklärt. Später räumte er ernüchtert ein: «Mir läuft es kalt den Rücken runter.» Hertig forderte eine Änderung der Bau- und Zonenordnung, um Dignitas zu verhindern. Auch Soraya Wernli billigt Sterbewilligen grundsätzlich das Recht ein, Suizid zu begehen, «wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind». Sie arbeitete denn auch als Sterbehelferin bei Dignitas. Heute ist sie eine erbitterte Gegnerin der Organisation. «Weil nun auch ganz junge Menschen in den Tod begleitet werden, psychisch Kranke und gesunde Partner von unheilbar Kranken.» Die neuste Sterbemethode mit Helium sei «absolut untragbar», sagte Wernli: «Das ist eine Tortur!» Sie kritisiert zudem, ihr früherer Chef Ludwig A. Minelli betreibe ein undurchsichtiges «Millionengeschäft».

Für Ruedi Aeschbacher steht deshalb fest, dass «eigentlich verboten ist, was Dignitas tut». Doch der Staatsanwaltschaft fehlten die Beweise. «Wir müssen Dignitas rasch das Handwerk legen», forderte er. Als Nationalrat versucht er es mit zahlreichen Vorstössen. In einem verlangte er ein absolutes Verbot der Sterbehilfe. Das wäre ganz im Sinn von Jan Micha Schmitter. Denn für den Pastor der Freikirche ICF Züri Oberland ist klar: «Der Mensch darf nicht über den Tod entscheiden.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.09.2008, 20:51 Uhr

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