Stöckli-Vorstand schaltet einen Gang zurück

Bevor man die Alterssiedlung Stöckli in Uetikon umbaut, soll die Machbarkeit geprüft werden. Die Genossenschaft kann sich auch einen alternativen Standort für das Stöckli vorstellen.

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Die einen würden von einem Denkzettel sprechen, Ruedi Bohli spricht von einer Denkpause. Der Präsident der Genossenschaft Alterssiedlung Stöckli meint damit die Zeit zwischen der Informationsveranstaltung Mitte September und der Generalversammlung (GV) vom 24. Oktober. Eine Denkpause, in welcher der Vorstand über die Bücher gegangen ist und nun statt dem Projektierungskredit für einen Abriss und Neubau des Stöckli zuerst prüfen möchte, wie die Alterssiedlung umgebaut werden soll und ob es andere Standorte gibt.

«Es ist nicht schlecht, dass wir nochmals darüber diskutieren können», sagt Bohli. Die Vorstandsmitglieder trafen sich gestern Abend zu einer ausserordentlichen Versammlung, um das weitere Vorgehen im Hinblick auf die kommende GV zu besprechen.

Genossenschaft gab dem Druck nach

Die 250 Genossenschafter haben in diesen Tagen einen Brief erhalten, in dem der Vorstand schreibt, dass unter anderem die Machbarkeit eines gestaffelten Baus geprüft werden soll. So müssten die 34 Parteien des Stöckli nur einmal umziehen. Der Umzug und eine drohende Heimatlosigkeit war einer der Hauptpunkte, welcher die Bewohner der Siedlung verunsicherten. Ein anderer war, dass sie einen Abriss nach nur 33 Jahren schlicht nicht für nötig halten. Sie schrieben Briefe an die lokalen Medien und an den Gemeindepräsidenten Kurt Hänggi (parteilos).

Dieser hatte sich Ende September zusammen mit Sozialvorsteherin Christine Spoerry (FDP) und dem Leitungsgremium der Genossenschaft getroffen, um nach neuen Lösungen zu suchen. Ruedi Bohli, der für die SVP selber 16 Jahre im Gemeinderat sass und während dieser Zeit in den Vorstand des Stöckli gewählt wurde, möchte diesem Treffen aber nicht zu viel Gewicht geben. Entscheidend sei der Druck aus der Bevölkerung gewesen.

«Ich musste Anwesende beruhigen»

Die Besorgnis der Bewohner zeigte sich gemäss Spoerry auch an der Informationsveranstaltung Mitte September, als erstmals über den geplanten Neubau informiert wurde. Das sei auch der Grund gewesen, dass sie die Seniorinnen und Senioren darauf aufmerksam gemacht habe, den Bau mittels Mieterstreckung verzögern zu können. «Ich musste die Anwesenden beruhigen und ihnen aufzeigen, dass sie auf den Zeitplan Einfluss nehmen können», sagt Spoerry. Sie bereue nicht, was sie gesagt habe, weist aber darauf hin, dass man mit einem Gemeinderat im Genossenschaftsvorstand eleganter auf das Problem hätte aufmerksam machen können. «So hätten wir einen direkten Draht gehabt und allfällige Bedenken direkt einbringen können.»

Gemeindepräsident Hänggi teilt diese Ansicht. Er wurde zwei Wochen vor der Veranstaltung über den geplanten Abriss informiert, hatte aber keinen Einblick in die Studie. Deshalb habe er auch nicht direkt Stellung beziehen können. «Der Zeitplan schien mir allerdings zu ehrgeizig», sagt er. Jedenfalls sei es schade, dass nicht früher enger zusammengearbeitet wurde.

Früher waren zwei Räte im Vorstand

Den fehlenden Austausch zwischen Gemeinde und Genossenschaft kritisiert auch die SP Uetikon in einer Stellungnahme. Es sei zwar ein positives Zeichen, dass man sich nun getroffen habe, aber es müsse auch künftig eine formale Verbindung zwischen den beiden Parteien geben, sagt Vorstandsmitglied Markus Brandenberger. «Die Privatisierung hat ihre Grenzen.»

Die Genossenschafter hatten erst vor einem Jahr einer Statutenänderung zugestimmt, in welcher die Vorschrift, einen Gemeinderatsvertreter im Vorstand zu haben, aufgehoben wurde – worauf Gemeinderat Ueli Egli (FDP) ausschied. Seit der Stöckli-Gründung 1975 durch Gemeinderat Albert Steiger (FDP) sass jeweils ein Exekutivmitglied im Vorstand. Mitte der 90er-Jahre waren mit Fritz Nünlist (SVP) und Ruedi Bohli sogar zwei vertreten.

Heute, sagt Bohli, sei das nicht mehr nötig. «Wir sind ein privates Unternehmen, und die Gemeinde kann uns da nicht dazwischenfunken.» Er findet, dass die Zusammenarbeit nicht scheitern muss, nur weil kein Gemeinderat im Vorstand sitzt: «Eine Zusammenarbeit ist auch so möglich.» Innerhalb der Machbarkeitsstudie soll nun eruiert werden, ob es alternative Standorte für den Bau des Stöckli gäbe. Sowohl die Genossenschaft als auch die Gemeinde signalisieren, dass ein anderer Standort für sie eine Option wäre. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.10.2008, 22:09 Uhr

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