Storys auf Suaheli, Rezepte auf Russisch

Im Interkulturellen Zentrum mitten in Wädenswil treffen sich Menschen aus der ganzen Welt und der Schweiz. Eine Bibliothek der besonderen Art soll dort entstehen.

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Wer an die Schönenberg­strasse 18 herantritt, wird mannigfach will­kommen geheissen. Auf Spanisch, Tür­kisch, Chinesisch und in einem Dutzend anderer Sprachen begrüssen schwarze Lettern auf weissen Papierblättern an den Fenstern die Besucher.

«Die eigene Sprache und Kultur ist ein Plus, das Ausländer haben, von dem auch die Schweiz profitieren kann», sagt Wil­fredo Acosta. Er hat das Interkulturelle Zentrum zusammen mit seiner Lebens­partnerin Nilva Stocker-Da Silva Gomes ins Leben gerufen. Das war im vergangenen Jahr.

Inzwischen sind die beiden um wert­volle Erfahrungen reicher. Zum Beispiel, dass fast mehr neugierige Einheimische als Immigranten zu Besuch kommen. «Viele Schweizer sind sehr offen, Ausländer ha­ben oft noch Hemmungen», sagt Acosta. Er stammt ursprünglich aus Uruguay, ist jetzt Schweizer und hat allgemeine Sprachwissenschaften studiert. Die Spra­che sei sehr wichtig, sagt der Spanisch­und Italienischlehrer.

Dritte interkulturelle Bibliothek

Die beiden stecken viel Herzblut in eine neue Mediothek. Sie haben dazu eigens den Verein «Medien für alle» gegründet. Vor allem Bücher stehen auf den Gestellen, noch herrscht für den Besucher ein wirres Durcheinander. Acosta hat aber alles im Griff: Er zeigt Kochbücher, Kinderge­schichten und viele Sprachbände, auf Ko­reanisch, Arabisch und Suaheli. Wörterbü­cher im Basler oder Berner Dialekt im glei­chen Bücherregal wirken dagegen gera­dezu alltäglich.

Nach Winterthur und Zürich wird die Sammlung in Wädenswil die dritte mehr­sprachige Mediothek im Kanton sein. Im­migranten sollen ihre Sprache und ihre Kultur pflegen können, ist Acosta der Meinung. Aber auch Schweizer werden die Möglichkeit haben, in fremdsprachi­gen Büchern zu stöbern. «Nur mit einer sorgfältigen Pflege der kulturellen Vielfalt in der Schweiz werden Brücken zwischen den Menschen geschlagen und die Span­nungen geringer.»

Im Begegnungszentrum sollten sich nicht nur Ausländer und Schweizer ken­nen lernen, sondern auch Ausländer un­tereinander. Für jedermann sei es eine gute Möglichkeit, Bekanntschaften zu schliessen und diese vielleicht mal auf Rei­sen im Ausland zu besuchen, sagt Acosta.

Unter Anleitung Zeitung lesen

Für Immigranten bietet das Zentrum Unterstützung in den Bereichen Gesund­heit, Weiterbildung und Sprache. Zwei Stunden pro Woche lesen Wädenswiler zusammen mit fortgeschrittenen «Schü­lern » Zeitung. Die beiden «Lehrer», bei­des Juristen, arbeiten gratis. Stocker-Da Silva Gomes und Acosta betreiben das Zentrum, das aus mehreren kleinen Räume im Erdgeschoss besteht, noch ohne finanzielle Unterstützung. Sie bezahlen al­les aus eigener Tasche.

An diesem Vormittag scheint die Sonne mit voller Kraft auf die einfachen Tische im Innern. Die Willkommensgrüsse auf den durchleuchteten Papieren lassen sich sei­tenverkehrt lesen. So wirkt auch der Gruss auf Deutsch wie eine Fremdsprache. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.08.2008, 15:03 Uhr

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